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12.03.2006

15:56 Uhr

Lit.Cologne

Deutsch für interessierte Zeitgenossen

VonChristoph Moss

Das Literaturfestival Lit.Cologne, das fast parallel zur Leipziger Buchmesse stattfindet, sendet hoffnungsvolle Signale an das pisageschädigte Volk. Es zeigt, dass in Deutschland immer noch großes Interesse für Sprache und Bildung existiert - und ein Markt.

HB KÖLN. Das muss man den Kölnern lassen: Sie feiern die Feste, wie sie fallen. Zum sechsten Mal beginnt heute das Lesefestival Lit.Cologne, und die Zeichen stehen gut, dass man noch lange über dieses Ereignis reden wird.

Allein für "Die größte Deutschstunde der Welt" am Montag haben die Veranstalter schon rekordverdächtige 15 000 Tickets verkauft. Erfolgsautor Bastian Sick will an diesem Abend in der Kölnarena erklären, warum "Der Dativ dem Genitiv sein Tod" ist - so jedenfalls heißt sein Erfolgsbuch. Das Opus ist inzwischen in zwei Bänden erschienen und hat sich mehr als zwei Millionen Mal verkauft. Es gibt also noch einen Markt für Sprache und Bildung. Der Literaturstandort Köln jedenfalls sendet hoffnungsvolle Signale an das pisageschädigte Volk.

"Die Lit.Cologne ist längst zum nationalen Ereignis geworden", sagt Geschäftsführer Rainer Osnowski. Solche Sätze überraschen nicht. Die Lit.Cologne ist in der jüngeren Vergangenheit selten durch übertriebene Bescheidenheit aufgefallen. In diesem Jahr allerdings könnte das Literaturereignis tatsächlich nachhaltigen Eindruck hinterlassen. 70 000 Besucher sollen bis zum 18. März nach Köln pilgern, um den Veranstaltungen beizuwohnen. Das wäre ein neuer Rekord.

Auf neun Tage haben die Organisatoren die Lit.Cologne inzwischen ausgedehnt. Damit geht das Festival am Rhein der Leipziger Buchmesse aus dem Weg, die in der kommenden Woche startet. Auch das Lesefest "Leipzig liest" wird mit 1 800 (!) Literaturveranstaltungen für zahlenmäßige Superlative sorgen.

Erfreulich, dass die beiden Standorte sich nicht mehr - wie im vergangenen Jahr noch - öffentlich attackieren. 2005 fanden die Literaturfeste beinahe zeitgleich statt, was insbesondere bei Buchverlagen für Kopfschütteln und Verärgerung gesorgt hatte.

Die ersten Duftmarken werden heute im Kölner Schauspielhaus Marcel Reich-Ranicki und Robert Gernhardt setzen. Der Literaturkritiker und der Dichter wollen beim großen "Lyrik-Abend" über das Dichten diskutieren. Im Theater am Tanzbrunnen wird der amerikanische Erfolgsautor Bret Easton Ellis aus seinem neuen Buch "Lunar Park" lesen.

Weitere Höhepunkte in den kommenden Tagen sind unter anderem Lesungen mit den deutschen Bestsellerautoren Daniel Kehlmann ("Die Vermessung der Welt") und Arno Geiger ("Es geht uns gut"). Frank Schätzing ("Der Schwarm") will in Köln sein neues Buch "Nachrichten aus einem unbekannten Universum" vorstellen.

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