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09.10.2014

15:31 Uhr

Literatur-Nobelpreis 2014

Auszeichnung für den Franzosen Patrick Modiano

Erneut eine Überraschung: Der Literatur-Nobelpreis geht an den französischen Autoren Patrick Modiano. Seine Werke handeln auch von der deutschen Besatzung Frankreichs. Den Nobelpreis widmete er seinem schwedischen Enkel.

"Es ist eine Ehre"

Patrick Modiano freut sich über Literatur-Nobelpreis

"Es ist eine Ehre": Patrick Modiano freut sich über Literatur-Nobelpreis

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Paris/StockholmDer Schriftsteller Patrick Modiano, der unter anderem mit Romanen über die Nazi-Besatzung Frankreichs bekannt wurde, erhält in diesem Jahr den Literatur-Nobelpreis. Der 69-Jährige werde geehrt für seine ganz besondere „Erinnerungskunst“, mit der er kaum zu fassende menschliche Schicksale beschrieben habe, erklärte die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm. Damit geht der Preis zum fünfzehnten Mal an einen französischen Autoren.

Die Nobel-Jury hat den Preisträger allerdings noch nicht erreicht. „Wir konnten noch keine Verbindung zu ihm herstellen, aber wir hoffen, ihn bald zu erreichen“, sagte der Ständige Sekretär der Schwedischen Akademie, Peter Englund, am Donnerstag nach der Verkündung in Stockholm.

Der 69-jährige ist einer der bekanntesten französischen Schriftsteller. In Modianos Werk gehe es meist um „Erinnerung, Identität und Sehnsucht“, sagte Peter Englund von der Schwedischen Akademie. Ein wiederkehrendes Thema in den Romanen des am 30. Juli 1945 und damit kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Pariser Vorort Boulogne-Billancourt geborenen Schriftstellers ist die Besatzung Frankreichs durch Nazi-Deutschland. Er verarbeitet diese Zeit unter anderem in seinen Büchern „Villa Triste“ und „Straferlass“.

In Deutschland erscheinen Modianos Bücher seit knapp 15 Jahren beim Hanser-Verlag, zuletzt die Übersetzung seines Erstlingswerks „Place de l'Étoile“ sowie die Romane „Im Café der verlorenen Jugend“ und „Der Horizont“.

Modiano war der Sohn eines italienisch-jüdischen Geschäftsmanns, der während der NS-Besatzung Kontakte zur Gestapo unterhalten hatte, und einer flämischen Schauspielerin. Er hatte eine einsame Jugend, litt unter zahlreichen Internats-Aufenthalten und hatte ein sehr schwieriges Verhältnis zu seinen Eltern. Sein jüngerer Bruder Rudy starb 1957, ihm widmete er seine ersten Bücher.

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