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16.01.2009

16:19 Uhr

Literatur & Co.

Von Stauffenberg: Verschwörer mit Gewissen

VonRalf Balke

In den deutschen Kinos startet nächste Woche der Hollywood-Film „Operation Walküre“. Doch wer war der Hitler-Attentäter wirklich? Neue Bücher und eine CD mit historischen Dokumenten vermitteln bis dato unbekannte Einblicke in das Leben des Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seiner Familie.

Szene aus dem Film "Operation Wallküre". Pünktlich zum Kinostart erscheinen Bücher mit bisher unveröffentlichtem Material über Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Foto: dpa dpa

Szene aus dem Film "Operation Wallküre". Pünktlich zum Kinostart erscheinen Bücher mit bisher unveröffentlichtem Material über Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Foto: dpa

DÜSSELDORF. „In der Nacht zum 23. Juli stand die Gestapo vor der Tür“, berichtete Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg. Die schwangere Ehefrau des Hitler-Attentäters wurde 1944 drei Tage nach der misslungenen Tat verhaftet und musste bis zum Kriegsende eine Odyssee durch Gefängnisse und das berüchtigte Frauen-KZ Ravensbrück durchleben.

Ihre vier Kinder hatten mehr Glück, sie wurden zwangsweise in einem Heim untergebracht. „Sippenhaft“ nannten die Nazis das Ganze euphemistisch. In der Diktion des SS-Chefs Heinrich Himmler hieß dies aber konkret: „Die Familie Stauffenberg wird ausgelöscht bis ins letzte Glied.“ Selbst Ninas Mutter musste für den Versuch ihres Schwiegersohnes büßen, Deutschland von Hitler zu befreien. Sie sowie zahlreiche weitere Angehörige der Attentäter vom 20. Juli überlebten die Rache der Nazis nicht.

Wie die schwäbische Adelsfamilie Stauffenberg damit umging, dass ihr Vater Claus die treibende Kraft hinter dem Attentatsversuch war und welche Konsequenzen dies für sie alle hatte, beschreibt die jüngste Tochter Konstanze in dem Porträt über ihre Mutter. Sie füllt damit eine Lücke in der umfangreichen Literatur über das Attentat, denn „die Rolle jener Frauen, die ihre Männer bei ihrem hochriskanten Widerstandsplänen begleiteten, wurde bisher meist unterschätzt“. Und das hatte seinen Grund: Zu ihrem Schutz hatte Stauffenberg seiner Frau empfohlen, bei eventuellen Verhören durch die Gestapo das „unpolitische Weibchen“ zu spielen. Später übernahmen Historiker dieses Bild unkritisch.

Schon 1939 hatte Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg geahnt, dass die von der Familie geteilte Abneigung gegen die Nazis bei ihrem Mann eine neue Dimension annahm. „Spielst du Verschwörerles? Er hatte es mir dann bestätigt“, zitiert Konstanze von Schulthess aus den bis dato unveröffentlichten privaten Aufzeichnungen ihrer Mutter. Wer das Buch liest, wird aufgrund der einfühlsamen und beinahe intimen Schilderungen über das Leben ihrer Eltern sowie der darin beschriebenen Dramatik der Ereignisse die Verfilmung mit Tom Cruise einfach nur banal finden.

„Operation Walküre“ von Tobias Kniebe liest sich dagegen wie ein Drehbuch über den 20. Juli. Insbesondere die Vita und die Motive der Verschwörer rund um Stauffenberg als auch die Planungen für die Zeit nach der Beseitigung Hitlers werden darin skizziert. Denn bei „Operation Walküre“ handelte es sich um einen von Hitler abgesegneten Plan, was im Falle seines plötzlichen Ablebens geschehen sollte, um Aufständen vorzubeugen. Genau dieser sollte im Sinne der Verschwörer manipuliert werden, damit es nach der Beseitigung des Diktators nicht zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen käme.

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