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13.04.2015

17:41 Uhr

Literaturnobelpreisträger

Günter Grass ist gestorben

Deutschland hat einen seiner bedeutendsten Schriftsteller der Gegenwart verloren. Der streitbare Literaturnobelpreisträger Günter Grass ist am Montag im Alter von 87 Jahren verstorben.

Erinnerungsarbeit über deutsche Schuld und die literarische Kompensation des Heimatverlustes haben das gewaltige Werk von Günter Grass geprägt.

Günter Grass

Erinnerungsarbeit über deutsche Schuld und die literarische Kompensation des Heimatverlustes haben das gewaltige Werk von Günter Grass geprägt.

LübeckGünter Grass ist tot. Der Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger starb am Montag in Lübeck, teilte der Steidl Verlag in Göttingen mit. Grass wurde 87 Jahre alt. Er galt als einer der weltweit bedeutendsten deutschen Autoren der Gegenwart. Lebenslang schaltete er sich leidenschaftlich in gesellschaftspolitische Debatten ein. Gleich sein erster, 1959 erschienener Roman „Die Blechtrommel“ geriet zum Welterfolg. 40 Jahre später wurde Grass für sein Gesamtwerk mit dem Literaturnobelpreis geehrt.

Die Stadt Lübeck wird mit einer offiziellen Trauerfeier von Literaturnobelpreisträger Günter Grass Abschied nehmen. Das kündigte Bürgermeister Bernd Saxe am Montag an. Zeit und Ort stehen noch nicht fest und sollen zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden.

„Die Blechtrommel“ brachte dem gebürtigen Danziger auch international den Durchbruch. Sie gehört zu den wichtigsten Romanen der deutschen Nachkriegsliteratur und gilt als Jahrhundertwerk. Das Nobelpreis-Komitee nannte das Buch die „Wiedergeburt des deutschen Romans im 20. Jahrhundert“. Grass erzählt darin von den Erlebnissen des aus Danzig stammenden Oskar Matzerath, der sich mit drei Jahren weigert, weiter zu wachsen.

Erinnerungsarbeit über deutsche Schuld und die literarische Kompensation des Heimatverlustes prägen das gewaltige Werk von Grass. Nicht nur in der vielgerühmten „Danziger Trilogie“, zu der neben der „Blechtrommel“ noch „Katz und Maus“ und „Hundejahre“ gehören, sondern auch in der Novelle „Im Krebsgang“. Hier schilderte Grass das Schicksal der zwölf Millionen Vertriebenen am Beispiel des Untergangs der „Wihelm Gustloff“ 1945 mit Tausenden Flüchtlingen an Bord in der Ostsee, versenkt durch ein russisches U-Boot.

Das Erscheinen der „Blechtrommel“ rief in der Bundesrepublik manche Sittenwächter auf den Plan, die sich an den teils deftigen erotischen Szenen störten. Seit den „Buddenbrooks“ von Thomas Mann habe kein Erstling einen derartigen Aufruhr verursacht, befand das Nobelpreiskomitee. Die Verfilmung des deutschen Regisseurs Volker Schlöndorff wurde 1980 mit dem Oscar für den besten ausländischen Film ausgezeichnet.

Der zuletzt in Behlendorf bei Lübeck lebende Grass wollte schon früh Künstler werden. Es habe wohl in den Genen gelegen, sagte er einmal. Und so studierte er zunächst in Düsseldorf und Berlin an den Kunsthochschulen und arbeitete zeitlebens auch als Bildhauer, Zeichner und Maler. Seinen frühen Erfolg als Schriftsteller nach dem Zweiten Weltkrieg empfand der Sohn sogenannter kleiner Leute aus dem Danziger Vorort Langfuhr selbst als märchenhaft.

Kommentare (10)

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Herr Helmut Paulsen

13.04.2015, 11:39 Uhr

Selbst bei der SS gewesen - hat das 50 Jahre verheimlicht - aber endlos auf den Deutschen und dem ewigen Schuld-Kult rumkackern.

Das ist Doppelmoral hoch 10 gewesen.

Amen.

Herr Helmut Paulsen

13.04.2015, 11:42 Uhr

Die "Schuld und Angst der Deutschen" muss ewig erneuert werden Dafür sorgen Politik und Medien ohne Unterlass in Deutschland.

Nuir so kann man sie dirigieren und ausbeuten ohne Unterlass.

Herr Hans Mayer

13.04.2015, 12:03 Uhr

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