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26.09.2011

12:27 Uhr

Liz Taylor

Funkelnder Nachlass einer Diva

VonMatthias Thibaut

Liz Taylors Liebe zu Geschmeiden ist legendär. Dass sie auch ein Van Gogh-Gemälde besaß, das 5 bis 7 Millionen Pfund bringen soll, weniger. Christie’s versteigert ihre Gemälde in London, Juwelen und Haute Couture in New York.

Van Gogh: Vue de l'Asile et de la Chapelle de Saint-Rémy aus dem Besitz von Liz Taylor (Ausschnitt). Christie's

Van Gogh: Vue de l'Asile et de la Chapelle de Saint-Rémy aus dem Besitz von Liz Taylor (Ausschnitt).

LondonDas Gemälde von Vincent van Gogh mit seinen satten Türkistönen hing in Elizabeth Taylors Familienheim in Bel Air, Hollywood, im Wohnzimmer über dem Sofa, direkt über dem Apfelbaumbild von Camille Pissarro. Daneben hing ein kleines, frühes, altmeisterlich gedunkeltes Selbstporträt von Edgar Degas, das die Filmschauspielerin schon 1957 in Paris ersteigert hatte. Diese drei Werke werden im Februar 2012 bei Christie’s www.christies.com  Impressionisten-Abendauktion den Kunstgeschmack der legendären Aktrice repräsentieren. Der Rest kommt in die Tagauktion: Frühe Malerei von Maurice Vlaminck, Maurice Utrillo, Frauendarstellungen von Augustus John, einem Maler aus Wales, den Taylors Vater vertrat, der Kunsthändler Francis Taylor.

Richard Burtons Geschenke

Aber auch wenn der van Gogh mit einer Schätzung von 5 bis 7 Millionen Pfund Taylors teuerster Besitz ist, haben die Juwelen und die Haute Couture des Stars, die im Dezember in New York versteigert werden, den Geschmackswandel besser überstanden. Sie werden auch mehr Aufsehen erregen  – angefangen mit dem von Richard Burton verehrten 33 Karat Diamanten, der nun den Namen der Filmdiva trägt. Der fehlerlose, weiße Diamant ist auf 2,5 bis 3,5 Millionen Dollar aber deutlich niedriger geschätzt als der van Gogh.

Kunstgeschmack einer Diva

Van Goghs Stadtansicht „Vue de l’Asile et de la Chapelle de Saint-Rémy“ von 1989 ließ Taylor durch ihren Vater 1963 bei Sotheby’s in London für 92.000 Pfund ersteigern – damals schon unter lebhafter Anteilnahme der Presse. Weniger Aufhebens wurde gemacht, als das Bild 1990 bei Christie’s in London mit einer Schätzung von 8 bis 10 Millionen Pfund wieder angeboten wurde – ohne Erfolg. Der Markt war gerade eingebrochen. Statt einem guten Preis begann Restitutionsstreit - Nachkommen der aus Deutschland geflüchteten Margarete Mauthner klagten um Herausgabe des ihrer Darstellung nach vor 1939 zwangsverkauften Bildes. Gerichte entschieden für Taylor. Die Kläger hätten zu lange gewartet, das Bild sei 1963 unter riesigem Rummel verkauft worden, damals sei die Verjährungsuhr in Gang gesetzt worden und jeder habe über 40 Jahre lang wissen können, wo das Bild sei.

Das kleine, frühe Degas-Selbstporträt hatte Taylor in den fünfziger Jahren erworben und 2003 mit einer Schätzung von 1,2 bis 1,8 Millionen Dollar vergeblich bei Christie’s ausrufen lassen – nun ist es auf maßvollere 350.000 bis 450.000 Pfund geschätzt. Pissarros Apfelgarten,  „Pommiers à Eragny“, wird für angemessene 900.000 bis 1,2 Millionen Pfund angeboten.

Weißer Diamant, 33 Karat, Geschenk von R. Burton an E. Taylor (Ausschnitt). Christie's

Weißer Diamant, 33 Karat, Geschenk von R. Burton an E. Taylor (Ausschnitt).

Hund frisst Perle

Wer noch eine Weihnachtsüberraschung braucht, kann in den vier Taylor Nachlassauktionen vom 13. bis 16. Dezember in New York fündig werden. Allein die  289 Schmucklose der „Elizabeth Taylor Collection“ sollen über 30 Millionen Dollar bringen – obwohl die Katalogisierung noch im Gange ist. Provenienzstärkstes Stück ist  - neben der Superperle „Peregrina“, die einmal Philip II. von Spanien gehörte – die „Windsor Brosche“, die sich Taylor 1987 in der legendären Auktion der Juwelen der Herzogin von Windsor bei Sotheby’s für 566.000 Dollar ersteigerte. Nun ist diese  Brosche, nach Jahrzehnten starker Inflation bei Schmuck und sozusagen doppelt illustrer Provenienz, mit 400.000 bis 600.000 Dollar noch unter dem damaligen Kaufpreis angesetzt. Die „Peregrina“-Perle gehört nun zu einem von Tudor-Schmuck inspirierten Cartier-Halsband, das sich Taylor machen ließ und nun 2 bis 3 Millionen Dollar kosten soll. Christie’s Experte David Warren erzählt, wie Taylor, die ihren Schmuck auch zu Hause trug, die Perle einmal aus dem Maul ihres Hundes retten musste.

Gestickte Rollenporträts

Richard Burton war der treueste Schmuck-Verehrer Taylors und trug Gage nach Gage unter anderem zu Bulgari in Rom, wo er über mehrere Jahre hinweg ein Smaragd-Set zusammentrug – allein das Halsband ist nun 1 bis 1,5 Millionen Dollar wert. Bei der Haute Couture gehört die Versace-Abendjacke „The Face“ zu den Lockstücken und hat mit 15.000 bis 20.000 Dollar die höchste Schätzung: Mit Glasperlen sind Miniporträts eingewoben, die Taylor in ihren berühmtesten Rollen zeigen.

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