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07.07.2015

15:46 Uhr

London Art Week

Aphrodites Geschichte

VonMatthias Thibaut

Antiquitäten und Alte Meister sind zum stillen Vergnügen weniger Kenner geworden. Jedes Jahr im Juli pilgern sie nach London, um anlässlich der „London Art Week“ die Offerten internationaler Händler in Augenschein zu nehmen. Die Anreise lohnt durch die zeitnahe Einbettung zwischen die Messe „Masterpiece“ und den Altmeisterauktionen.

Minimalistischer Kopf aus Alabaster aus dem heutigen Jemen auf einer Kalksteinplatte aus dem 3. oder 2. Jahrhundert vor Chr.. Quelle: Ariadne Galleries, London

Mix aus Archaik und Geometrie

Minimalistischer Kopf aus Alabaster aus dem heutigen Jemen auf einer Kalksteinplatte aus dem 3. oder 2. Jahrhundert vor Chr.. Quelle: Ariadne Galleries, London

LondonDer Galerien-Parcours der „London Art Week“ (LAW) führt über edle Londoner Squares, durch teure Einkaufsstraßen, Arkaden und Gassen und manch rumpelnden, klaustrophobisch engen Lift in Dachstubengalerien hinauf. So ohne Einschränkung edel wie in der Ariadne Galleries, der von New York nach London expandierten Antikengalerie, abgeschieden beim Berkeley Square, dem Londoner „Hedgefonds Viertel“, geht es nicht oft zu. Ein Aphroditekopf mit leicht geneigtem Kopf und wunderbarem Lockenhaar ist hier nur eines von vielen Highlights. Jedes erzählt für sich eine Geschichte, mit eigener Aura und repräsentiert eine Kultur und eine Epoche.

Wir wissen, dass Aphrodite die erste nackt dargestellte Göttin ist. In dem körperlosen Fragment konzentriert sich alles auf Scham und Melancholie. Der hellenistische Kopf aus dem 3. oder 2. Jahrhundert vor Chr. kostet über 2 Millionen Pfund – teuer für eine Antike – „aber was ist das im Vergleich zur Contemporary Art“, findet Galeriedirektor Mark Merrony.

Johan Zoffany RA (1733–1810): "Conversation Piece entitled The Sayer Family of Richmond", 1781, Öl auf Leinwand. Quelle: Colnaghi 40 x 50 in. (101.5 x 127 cm.)

Die Familie unterhält sich und posiert

Johan Zoffany RA (1733–1810): "Conversation Piece entitled The Sayer Family of Richmond", 1781, Öl auf Leinwand. Quelle: Colnaghi

40 x 50 in. (101.5 x 127 cm.)

Alabasterskulptur aus Südarabien

Daneben, welch ein Kontrast, ein abstrahierter Alabasterkopf auf einer Kalksteinplatte, die aus der fast gleichen Periode, aber einer ganz anderen Kultur kommt – von der südarabischen Halbinsel, dem heutigen Jemen. Archaik und Modernität, Abstraktion, Geometrie und mysteriöser Charakter treffen sich in dem Kopf. Wer weiter durch die Galerien der „London Art Week“ bummelt, wird die verblüffend gleichen, rautenförmigen Augen unter giebelförmigen Augenbrauen in einem Selbstporträt Max Pechsteins finden, dass der amerikanische Zeichnungs- und Grafikhändler Hill-Stone in der „Fine Art Society“ in der Bond Street zeigt. Wie es der Zufall will, kosten beide, die Zeichnung und der alte Grabstein, 90.000 Pfund.

Rätselhafte Preisdifferenzen

Die Preisdifferenz zwischen der alten und der zeitgenössischen Kunst ist ein heimliches Thema nicht nur der London Art Week, sondern der ganzen Altmeisterwochen. Zu ihnen führt die „LAW“ als Brücke von der Masterpiece Kunstmesse hinüber. Die Masterpiece selber erklomm dieses Jahr mit 40.000 Besuchern übrigens eine neue Erfolgsschwelle und war Händlerberichten zufolge höchst erfolgreich. Inzwischen sind es 45 Galerien, die Altmeisterhandzeichnungen, Skulpturen und Altmeistergemälde zeigen.

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