Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.02.2015

10:34 Uhr

Lost Art

Grundsätzliche Fragen an die Datenbank

VonLucas Elmenhorst

Ein NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kunstwerk kann nur dann erfolgreich veräußert werden, wenn seine Eintragung auf der Lost Art Datenbank gelöscht wurde. Überlegungen zu einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts.

Die Versteigerung platzte, weil einer der Erben seine Zustimmung zur Löschung auf Lost Art verweigerte: Rembrandt H. van Rijn (Umkreis): Bildnis eines alten Mannes in orientalischer Tracht, im Lost Art Register aufgeführt unter Nr. 308733. Quelle: Lost Art

In Namibia aufgetaucht

Die Versteigerung platzte, weil einer der Erben seine Zustimmung zur Löschung auf Lost Art verweigerte: Rembrandt H. van Rijn (Umkreis): Bildnis eines alten Mannes in orientalischer Tracht, im Lost Art Register aufgeführt unter Nr. 308733. Quelle: Lost Art

BerlinDie kostenlos abrufbare Internet-Datenbank Lost Art der Koordinierungsstelle Magdeburg ist für die Erben jüdischer Eigentümer, die nach Werken suchen, die im „Dritten Reich“ ihren Vorfahren geraubt oder entzogen wurden, eine wichtige Suchplattform. Gegründet 2000 bei als eine Bund-Länder-Initiative und als Reaktion auf die sog. Washingtoner Prinzipien und die deutsche Gemeinsame Erklärung zum Umgang mit NS-Raubkunst wird die Datenbank seit Anfang 2015 von dem neu gegründeten „Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste“ betreut.

Jeder kann seine Suchanfrage dort registrieren lassen. Ist ein Kunstwerk dort registriert, ist es wegen des dadurch begründeten Raubkunstverdachts auf dem Kunstmarkt mittlerweile praktisch unverkäuflich, bis sich die Beteiligten geeinigt haben. Meist geschieht dies dadurch, dass das Werk versteigert wird und der Erlös zwischen den Anspruchstellern und dem derzeitigen Besitzer geteilt wird.

Zerstrittene Erben und eine einfache Lösung

Einfach zu beantworten ist bei dem Procedere die Frage, wann eine Suchmeldung in die Datenbank aufgenommen wird. Für die Eintragung stellt die Koordinierungsstelle nämlich keine eigenen, weitergehenden Recherchen an, sondern prüft lediglich die Plausibilität. Problematisch ist allerdings, wann eine Suchmeldung gelöscht werden muss. Denn nicht selten beanspruchen verschiedene Erben das Eigentum an einem geraubten Kunstwerk, beispielsweise dann, wenn das Werk unter Druck an einen jüdischen Händler oder Sammler verkauft worden war, dem es seinerseits später NS-verfolgungsbedingt entzogen wurde.

Das Bundesverwaltungsgericht musste nun entscheiden, ob ein Kunstwerk bereits dann aus der Datenbank gelöscht werden muss, wenn es aufgefunden worden ist, oder erst, wenn sämtliche Anmelder der Löschung zugestimmt haben. Im vorliegenden Fall hatten sowohl die Erben des Berliner Kunsthändlers als auch die der jüdischen Bankiers, die es 1935 auf einer Auktion im Zuge der Zwangsliquidation des Kunsthändlers erworben hatten, eine Suchmeldung bei Lost Art eingereicht. Beide machten jeweils geltend, dass ihnen das Eigentum zustünde. Das Gemälde tauchte inzwischen in Namibia wieder auf, und die jetzigen Besitzer einigten sich mit einer der Erbengemeinschaften auf eine gemeinsame Verwertung im Rahmen einer Versteigerung. Da die Koordinierungsstelle den Eintrag ohne Zustimmung der anderen Erbengemeinschaft nicht löschen wollte, platzte aber die Versteigerung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×