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02.05.2014

14:46 Uhr

Louvre Abu Dhabi

Ausbeute millionenschwerer Ankäufe

VonOlga Grimm-Weissert

160 Werke haben die Kuratoren des Pariser Louvre für das zukünftige Museum Louvre Abu Dhabi in den letzten fünf Jahren auf dem internationalen Kunstmarkt aufgespürt. Nun präsentieren sie, was sie mit zum Teil sehr viel Geld akquiriert haben.

Der französische Staatspräsident François Hollande (li.) and Scheich Sultan Bin Tahnoon Al Nahyan (re.), Chairman der Abu Dhabi Tourism and Culture Authority, bei der Eröffnung der Ausstellung im Louvre. Foto: Alain Jocard dpa

Der französische Staatspräsident François Hollande (li.) and Scheich Sultan Bin Tahnoon Al Nahyan (re.), Chairman der Abu Dhabi Tourism and Culture Authority, bei der Eröffnung der Ausstellung im Louvre. Foto: Alain Jocard

ParisWie eine orientalische Schönheit lüftet der Louvre Abu Dhabi den Schleier über seiner Sammlung. Jahrelang wurde sie streng geheim gehalten: die Ankäufe für das zukünftige Museum Louvre Abu Dhabi, das im Dezember 2015 auf der Insel Saadiyat in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate Abu Dhabi eröffnet werden soll. Jetzt kann man sie im Louvre von Paris bis Ende Juli besichtigen. Vor einem Jahr wurden sie in Abu Dhabi vorgeführt.

Die rund 160 Kunstwerke, die der Louvre chronologisch präsentiert, decken eine Zeitspanne vom Beginn der mesopotamischen Zivilisation bis in die Gegenwart ab. Jüngstes Werk ist eine neunteilige Gemäldeserie von Cy Twombly aus dem Jahre 2008. Signifikante, auf ihre Qualität geprüfte Kunst und hochqualitatives Kunsthandwerk aus Asien, Afrika, Nordamerika und Europa wurden für das erste kulturübergreifende Museum des Mittleren Orients ausgesucht. Sie bilden den Grundstock der Sammlung.

Treibstoff für den Kunstmarkt

Auf der Ausstellungseröffnung durch Staatspräsident François Hollande herausstellte schienen die Polemiken um den Deal mit der Marke „Louvre“, die finanzielle Entschädigung von mehr als 400 Millionen Euro an den Louvre und um die Modalitäten bezüglich der künftigen 300 Leihgaben im Wüstensand begraben. Die eingebundenen Verantwortlichen des Louvre, die für die bilaterale Zusammenarbeit gegründete Institution „Agence-France Muséums“ und die Entscheidungsträger aus Abu Dhabi, die alle Ankäufe bewilligten und finanzierten, arbeiten zusammen. Die Kunsthistorikerin Laurence des Cars, langjährige Leiterin der „Agence-France Muséums“, betont die politisch-diplomatische, wissenschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung des bilateralen Projekts.

Fakt ist allerdings auch, dass der Louvre Abu Dhabi, ebenso wie die vier anderen Museen des Emirates den internationalen Kunstmarkt seit fünf Jahren anheizen. Das jährliche Ankaufsbudget des Louvre Abu Dhabi beträgt 40 Millionen Euro.

20 Millionen für einen Mondrian

„Die Erwerbungen begannen mit der Auktion von Yves Saint Laurent-Pierre Bergé im Februar 2009“, erklärte des Cars. „Als wir Piet Mondrians Epoche machendes Gemälde ‚Composition avec bleu, rouge, jaune et noir’ (Komposition mit blau, rot, gelb und schwarz) von 1922 erwarben, atmeten wir auf, weil die Sammlung Gestalt annahm“. Die inzwischen zur Direktorin des Pariser Musée de l'Orangerie aufgerückte Kunsthistorikerin verschweigt allerdings den von Christie's 2009 erzielten Auktionspreis. Er betrug 21,6 Millionen Euro inkl. Aufgeld.

Bei der Lektüre des vorbildlich gemachten und kunsthistorisch erstklassig aufbereiteten Katalogs der Sammlung des Louvre Abu Dhabi entdeckt man viele andere Objekte, die aus der Auktion YSL/Pierre Bergé stammen: Kunsthandwerk der Renaissance etwa oder einen von afrikanischer Stammeskunst inspirierten Hocker des Art-déco-Designers Pierre Legrain, der seinerzeit für 471.000 Euro mit Aufgeld zugeschlagen wurde.

Ein Skulpturenpaar des klassizistischen Bildhauers Antonio Canova aus der Sammlung des Louvre Abu Dhabi. Foto: Ian Langsdon dpa

Ein Skulpturenpaar des klassizistischen Bildhauers Antonio Canova aus der Sammlung des Louvre Abu Dhabi. Foto: Ian Langsdon

Alles unter einem Dach

Der pädagogische Wille, ein Sparten übergreifendes Museum zu gründen, das die orientalischen und okzidentalen Kulturen anhand ihrer Kunstwerke vor Augen führt, führt zu einer eklektischen Sammlung, in der alles seinen Platz hat: die bayerische Christusfigur von 1515 ebenso wie die Buddha-Köpfe, indische Aquarelle, frühe Fotografien oder Stammeskunst. Auch ein Metall-Hahn des Edo-Volkes (Benin), der 2005 bei Sotheby's Paris 144.000 Euro einbrachte, ist Teil der Kollektion, außerdem Gemälde von Giovanni Bellini, Paul Gauguin, Edouard Manet und Paul Klee. Den symbolischen Leitfaden verkörpert eine der „Anthropometrien“, Abdrücke blau eingefärbter Frauenkörper auf Leinwand, mit denen der französische Künstler Yves Klein Ende der 1950er-Jahre Furore machte.

Das Museum, das Stararchitekt Jean Nouvel errichtet, besitzt eine beeindruckende Kuppel von 180 Quadratmetern Durchmesser mit einer genau berechneten Lichtführung. Auf die Beteiligung deutscher Baufirmen und die Bedeutung des Projekts für die Firmen nach der Krise von 2008 weist Nouvel zur Eröffnung der Ausstellung eigens hin.

"Naissance d'un musée. Louvre Abu Dhabi", bis 28. Juli im Louvre Paris. Katalog (französisch) 45 Euro, (englisch) 49 Euro, (arabisch) 65 Euro. ISBN : 978-2-0812-3237-2

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