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17.03.2017

14:04 Uhr

LVMH

Geste des Triumphes

VonSusanne Schreiber

Die Fondation Louis Vuitton übernimmt in Paris ein brachliegendes Museum, um es mit angewandter Kunst und Musikkonzerten zu bespielen. Umgebaut wird es von dem Star-Architekten Frank Gehry. 2020 soll es fertig sein.

schreiber

DüsseldorfSie sind Giganten und Rivalen. Bernard Arnault und François Pinault sind beide u.a. mit Luxusfirmen steinreich geworden. Beide Franzosen sind leidenschaftliche Kunstsammler, die private Museen betreiben. Arnault ließ den Architekten Frank Gehry ein futuristisches Haus entwerfen, das 2014 am westlichen Rand von Paris als „Glasschiff“ eröffnet wurde. Pinault unterhält bislang zwei Museen in Venedig und hat 2016 verkündet, dass er den Rundbau der alten Börse übernommen habe und als Kunstmuseum im Herzen der Stadt Paris auszubauen gedenke. Mitte der Woche reagierte Erzrivale Bernard Arnault.

Bernard Arnault (Mitte) mit dem Architekten Frank Gehry (l) und dem Staatspräsidenten Frankreichs, François Hollande (r.) am Architekturmodell.

Will mehr als eine Duftmarke hinterlassen

Bernard Arnault (Mitte) mit dem Architekten Frank Gehry (l) und dem Staatspräsidenten Frankreichs, François Hollande (r.) am Architekturmodell.

Der CEO von LVMH verkündete in Anwesenheit von Präsident François Hollande sein neues Großprojekt: ein Kulturzentrum, in dem erlesene Handwerkskünste, das momentan gern vernachlässigte Kunstgewerbe, einen großen Auftritt haben sollen. Die „Maison LVMH des Arts, des Talents et du Patrimoine“ wird in dem ehemaligen Volkskundemuseum (Musée national des arts et traditions populaires MNATP) beheimatet sein. Das passt tatsächlich gut zu den Taschen und Koffern von Louis Vuitton und Fendi.

Den 1975 eröffneten, denkmalgeschützten  Bau hatte der Architekt Jean Dubuisson (1914-2011), ein Schüler von Le Corbusier, für das ethnologische Museum entworfen. Charakteristisch für den „Louvre des Volkes“ sind ein langer horizontaler Sockel für die Ausstellungen und ein Turm von 28 Metern Höhe für die Wissenschaftler mit bestem Blick auf den Bois de Boulogne und die Stadtsilhouette. Wie bei dem spektakulären Neubau für die benachbarte Fondation Vuitton greift Arnault auch hier auf Frank Gehry zurück. Der  Stararchitekt bringt Häuser zum Tanzen und ist immer für Überraschungen gut. Zur Seite steht ihm als Vertreter der Erben Thomas Dubuisson, Enkel des Erbauers und Architekt in fünfter Generation. Thomas Dubuisson hatte schon früher im Studio von Gehry in Los Angeles gearbeitet.

Modell des umgebauten ehemaligen Volkskundemuseums. LVHM; Foto: Cyrille Thomas

Altes im neuen Kleid

Modell des umgebauten ehemaligen Volkskundemuseums.

Zu Fanfarenklängen

Da die streng geometrische Kubatur beibehalten werden muss, konzentriert sich die Erneuerung auf das Innere: Hier sollen nicht nur moderne Ausstellungsräume entstehen, sondern auch zwei Konzertsäle. An der Mischung von Kunst mit Musik erkennt man den Führungsanspruch zwischen den Rivalen einerseits und den Privaten und dem finanziell ermatteten Staat andererseits. Da will einer die Fanfaren klingen lassen, wenn im Jahr 2020 zwei neue Privatmuseen in Paris eröffnen. Arnault plant gleich zwei Konzertsäle für die Maison LVMH. Einer soll zwischen  2000 und 4000 Personen fassen, der zweite zielt mit 680 qm auf Kammermusik. Dabei ist Paris nicht gerade arm an Locations für die Musik. Neu kommen auf Wunsch des Bauherrn Arnault auch Künstler- und Handwerker-Ateliers hinzu.

Das Modell des Maison LVMH für Kunst, Talente und das französische Kulturerbe in einem Blick. LVHM

Patriotische Verbrämung

Das Modell des Maison LVMH für Kunst, Talente und das französische Kulturerbe in einem Blick.

Das Volkskundemuseum (MNATP) war bis 2005 in Betrieb. Seine Sammlungen wurden dem 2013 eröffneten MUCEM in Marseille übergeben. Der Staat hatte vor, den Bau zurückzureichen an die Eigentümerin, die Stadt Paris. Die sah sich mit laufenden Unterhaltskosten konfrontiert und wollte keinesfalls eine kostspielige Asbestsanierung übernehmen. Sie suchte einen Partner und fand einen Mäzen.

Die Gesamtkosten sind mit 158 Millionen Euro projektiert. Die öffentliche Hand schießt selbst nur 10 Millionen dazu. Der Pachtvertrag läuft über 50 Jahre. Die Stadt Paris erhält ein jährliches Fixum von 150.000 Euro für die Pacht der Liegenschaft und dazu abhängig von der Umsatzentwicklung 2 bis 10 Prozent.

Ein Deal ganz nach dem Geschmack der anwesenden Politiker. Doch welche Kunst, welches Kunsthandwerk ausgestellt, welcher Musiker zu hören sein wird, das bestimmt dann der Privatier Arnault. Die entscheidende Frage wird sein, ob das Museums- und Atelierprogramm eng an den Unternehmensprodukten entlang entwickelt wird, oder ob auch die Produkte der Firmen, die Pinault gehören (z.B. das Flechtwerk von Bottega Veneta), ausgestellt werden. Das wäre in jedem staatlich neutralen Kunstgewerbemuseum der Fall.

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