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22.09.2011

09:20 Uhr

„Made in Germany“

Die Luxusbranche und ihr Luxusproblem

VonTanja Kewes

Mehr als vierzig deutsche Nobelmarken wollen mit vereinter Kraft eine Kulturrevolution in ihrer Heimat anzetteln. In Zeiten von „Geiz ist ist geil!“ ist das wahrlich ein ehrgeiziges Vorhaben - doch kein unmögliches.

Vergoldete Türklinken an der Präsidentensuite im Hotel Adlon. dpa

Vergoldete Türklinken an der Präsidentensuite im Hotel Adlon.

Meißen, Hamburg, DüsseldorfIn Meißen ist die Welt eigentlich wieder in Ordnung. Die staatliche Porzellanmanufaktur Meissen ist zu altem, neuem Glanz zurückgekehrt. Die anno 1710 in Sachsen gegründete Gesellschaft macht wieder Gewinn, der Umsatz ist 2010 erstmals wieder gestiegen, und die altehrwürdigen Gebäude am Fuße der Burg von August dem Starken sind bescheiden, aber liebevoll renoviert.

In ihnen werkeln 620 Menschen - und längst sind sie nicht mehr nur unter sich und formen, brennen und bemalen Teller, Tassen und Vasen mit romantischen Motiven. Künstler, Kunden und Besucher aus aller Welt gehen zwischen Elbe, Dom und Albrechtsburg ein und aus. Und die gekreuzten Schwerter, das Emblem der Marke, zieren inzwischen auch eine eigene, auf der Baselworld gefeierte Schmuckkollektion. Mit Lampen, Schränken sowie Wand- und Bodenfliesen soll zudem der Einstieg in die Architektur gelingen. Und in Mailand, der internationalen Luxushauptstadt, wird nächstes Jahr die "Villa Meissen" eröffnet.

Die Formulierung "Es war einmal ..." gehört in Meißen wieder der Vergangenheit an, es ist wieder was. Herr des neuen, alten Glanzes ist Christian Kurtzke. Seit zweieinhalb Jahren ist der frühere Berater der Boston Consulting Group der Chef von Meissen. Er trägt die Haare zurückgegelt, lächelt viel und breit und tritt auch sonst sehr selbstbewusst auf. Doch der 42-Jährige weiß, dass sein Erfolg zerbrechlich ist - und zwar nicht nur, weil sein Werk- und Wirkstoff feinstes Porzellan ist.

Und deshalb haben er und drei Dutzend seiner Branchenkollegen und Konkurrenten aus ihrer neuen Stärke etwas getan, was "längst überfällig" war, wie er selbst sagt. Sie haben sich vereinigt - zum Meisterkreis, dem ersten Deutschen Forum für Luxus.

Ihr Ziel ist nichts Geringeres als eine Kulturrevolution in Deutschland, wie das Handelsblatt exklusiv erfahren hat. Sie wollen dafür sorgen, dass ihre Manufakturen, Produkte und Dienste noch stärker als deutsche Kulturgüter wertgeschätzt werden und deren Wertschöpfung steigt.

Über 40 Marken haben sich zum Meisterkreis zusammengeschlossen. Dazu zählen neben der Porzellanmanufaktur Meissen das Hotel Adlon, Gaggenau (Küchen), Porsche mit Porsche Design, Brenner's Park Hotel, Montblanc (Füller), Comtesse (Taschen), Leica (Kameras), Robert Weil (Wein), das KaDeWe, Talbot & Runhof (Mode) und Lange & Söhne (Uhren). Offiziell verkündet und gefeiert werden soll das konsumkulturhistorische Ereignis am 21./22. Oktober im Adlon in Berlin.

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