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13.04.2014

17:40 Uhr

Magiciens de la Terre

Rückblick auf eine visionäre Schau

VonOlga Grimm-Weissert

Als Jean-Hubert Martin vor 25 Jahren in Paris seine Ausstellung "Magiciens de la Terre" eröffnete, war das Wort Globalisierung noch nicht geläufig. Zum ersten Mal fiel der Blick auch auf die nicht westliche Kunst und Kultur. Heute sind asiatische, afrikanische und australische Künstler weltweit in den Museen und Galerien zuhause. Paris wirft einen Blick zurück auf eine prophetische Ausstellung.

Jean-Hubert Martin auf dem Kolloquium "Magiciens de la terre" (2014) vor der Projektion eines Werkes von Barbara Kruger von 1989. Hervé Véronèse, Centre Pompidou, Paris

Jean-Hubert Martin auf dem Kolloquium "Magiciens de la terre" (2014) vor der Projektion eines Werkes von Barbara Kruger von 1989.

Paris„Magiciens de la Terre“ (Magier der Erde) hieß vor 25 Jahren eine Aufsehen erregende Ausstellung in Paris, mit der Jean-Hubert Martin, damals Leiter des Centre Pompidou, den Blick zum ersten Mal auch auf die nicht westliche Kunst und Kultur lenkte. In diesem Jahr kommt das Museum mit einem Kolloquium, einer Ausstellung und einer Sommeruniversität für Wissenschaftler (1. bis 10. Juni 2014) auf dieses prophetische Ausstellungsereignis zurück, das die Globalisierung von Kunst und Markt gleichsam vorwegnahm. Darüber hinaus soll ein Buch erscheinen, das den historischen Einschnitt dieser Schau mit ihrer Öffnung zur Weltkunst unter kunsthistorischen, philosophischen und ideologischen Aspekten analysiert.

Prophet der Globalisierung

Den Anfang der Veranstaltungsreihe machte in diesem Frühjahr ein Kolloquium. Hans Belting (ZKM Karlsruhe) nannte Jean-Hubert Martin, den Initiator der Ausstellung, einen „Propheten“ der Globalisierung, der selbstverständlich unerwünscht war, und verwies auf den Globus, der 1989 symbolisch über dem Dach des Centre Pompidou schwebte. Das Wort „Globalisierung“ existierte damals noch nicht. Andere bezeichneten Martin als Provokateur oder auch als Pionier.

Martin selber erinnerte an die seit 25 Jahren andauernden Diskussionen um sein Ausstellungskonzept. Sein Anliegen, die Anthropologie in den Kunstbereich mit einzubeziehen, sei bis heute nicht gelungen. Der Kunsthistoriker und Gründer der Kunstmesse „Art14London“, Niru Ratnam, kritisierte die Entwicklung des globalisierten Kunstmarkts anhand der indischen Künstler Suboth Gupta und Bharti Kher. Sie seien von Investment-Sammlern wie Charles Saatchi, François Pinault oder Frank Cohen zu Weltstars gemacht worden, weil ihre Werke der westlichen Kunst formal ähnlich seien.

Auf den Vorwurf an die Adresse von Martin, dieser habe mit seiner Weltkunst-Schau die Türe zu einem vereinheitlichenden Kunstmarkt geöffnet, entgegnete der Angegriffene: „Ich plädiere für Künstler, die ihrer Kultur und ihrer Geschichte treu bleiben und sich nicht durch unseren Modernismus formatieren lassen.“ Es ist das Verdienst dieser manifestartigen Schau, dass viele der 1989 erstmals in Europa gezeigten afrikanischen, asiatischen und australischen Künstler weltweit bekannt wurden und in westlichen Museen, Galerien und auf internationalen Kunstmessen präsent sind.

„Retour sur ‚Magiciens de la terre’“, Centre Pompidou, Paris, 2. Juli bis 8. September 2014

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