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12.12.2011

11:06 Uhr

Malerei 19. Jahrhundert

Landschaft ohne Eisenbahn

Die holländische und belgische Malerei des 19. Jahrhunderts erlebt eine erstaunliche Wiederentdeckung. Verursacher des neu entfachten Interesses ist die Privatsammlung von Jef Rademakers. In Petersburg zog sie ein großes Publikum an. Nach Zwischenstationen in Holland, Belgien und Kleve wandert sie weiter in die baltischen Ostsee-Staaten und nach Moskau.

Barend C. Koekkoek: "Der Sturm", 1840. (Ausschnitt) Haus Koekkoek, Kleve

Barend C. Koekkoek: "Der Sturm", 1840. (Ausschnitt)

KleveAuf einer Caspar David Friedrich-Schau in Amsterdam lernten sie sich kennen: Jef Rademakers, ehemaliger Fernsehproduzent und leidenschaftlicher Sammler romantischer Kunst und Boris Asvarish, Kustos für Kunst des 19. Jahrhunderts in der Eremitage in St. Petersburg. Rademakers witterte seine Chance. Kurzerhand lud der Niederländer den Russen in sein Zuhause nach Antwerpen ein. Die dort hängenden Werke niederländisch-flämischer Romantik beeindruckten den Museumsmann derart, dass er Rademakers vorschlug, seine Sammlung in der Eremitage zur Schau zu stellen.

So reisten im vergangenen Winter 70 Bilder in die alte Zarenstadt, wo sie neben den Sälen mit Picasso und Co ihren Platz fanden. Mehr als 100.000 Besucher kamen, um die feine Auswahl romantischer Gemälde zu bestaunen und einzutauchen in eine längst vergangene Zeit. Nach Präsentationen im Gemeentemuseum Den Haag und im belgischen Löwen ist die Schau nun im B.C. Koekkoek-Haus in Kleve zu sehen.

Vision einer Landschaft

In der niederrheinischen Provinz werden es weit weniger Besucher sein, wenngleich der Andrang ungewöhnlich groß ist. Das mag auch daran liegen, dass dieses, an einen italienischen Palazzo der Renaissance erinnernde Haus aus dem Jahr 1848 geradezu prädestiniert dafür ist, Romantik des 19. Jahrhunderts zu zeigen; besitzt es doch selbst von seinem einstigen Bewohner und Namensgeber Barend Cornelis Koekkoek wichtige Werke aus dieser Zeit.

Koekkoek galt als der bedeutendste niederländische Landschaftsmaler der Romantik. Er und seine Schüler repräsentierten einen Stil, der sich von der übrigen europäischen Romantik-Vorstellung unterschied. „Im Gegensatz zur deutschen Romantik gibt es bei Koekkoek keine zeitgenössischen Motive wie beispielsweise die Eisenbahn, die es damals schon gab“, veranschaulicht der Direktor Hauses, Guido de Werd. Im Zuge einer Rückbesinnung versuchte man, eine romantische Vision auf die Landschaft zu projizieren, um so die Großartigkeit der Natur als Schöpfung hervorzuheben und mehr noch: zu überhöhen. „Der Mensch wird dabei der Natur untergeordnet und erscheint in vielen Abbildungen nur marginal“. Deutlich wird dies bei den Unwetter-Themen, Bildern wie Koekkoeks „Der Sturm“, auf dem eine bedrohliche Wolkenformation zwei Drittel der Fläche ausmacht. Die mit Planwagen reisenden „Menschlein“ kämpfen verzweifelt gegen die Windgewalt an. Hier wurde kein Element gescheut, um die Größe der Schöpfung gegenüber der Nichtigkeit des Menschen hervorzuheben.

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