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05.04.2006

13:06 Uhr

Manga und Anime

Deutsche Mangabranche boomt weiterhin

VonBastian Knümann

Noch immer herrscht in Deutschland bei vielen Menschen das Vorurteil, dass Manga, japanische Comicserien, hauptsächlich von Gewalt und Sexualität handeln. Doch von diesem schädlichen und falschen Image befreit sich die Branche immer weiter, wie die aktuellen Zahlen beweisen.

Ein Regal voller Manga in Japan. Foto: Onsmith

Ein Regal voller Manga in Japan. Foto: Onsmith

HB DÜSSELDORF. Knapp 70 Mill. Euro Bruttoumsatz brachte der Verkauf von Manga im vergangenen Jahr. Immer mehr Verlage wollen deshalb auch ein eigenes Angebot an Serien anbieten. Neben den seit Jahren existierenden Verlegern Egmont Manga & Anime, Carlsen Comics und Panini beackern neue Verlage wie Tokyopop, Heyne oder Schwarzer Turm das profitable Marktsegment.

Auf dem deutschen Markt ist für die japanischen Serien trotz der steigenden Anzahl an Wettbewerbern noch sehr viel Platz. Sind es in Deutschland insgesamt fünf große und mehrere kleine Verlage, so kämpfen in Frankreich rund 25 Herausgeber um die Gunst der Leser. „Von diesem Geschäft, dass wir alleine für Manga bei einem Potenzial von deutlich über 100 Mill. Euro prognostizieren, wollen wir uns ein ansehnliches Stück sichern“, kommentiert Dr. Joachim Kaps, früherer Verlagsleiter von Carlsen Comics, der die seit 2004 bestehende Tokyopop Deutschland GmbH leitet. Der neugegründete Manga-Verlag ist ein Schwesterunternehmen der Tokyopop USA, die in Amerika über 50 Prozent des Manga-Marktes beherrscht. Der Hauptsitz des japanischen Mutterkonzerns Tokyopop K.K. liegt in Tokyo.
In Japan wird mit Manga-Büchern und Magazinen ein jährlicher Umsatz von umgerechnet 4 Mrd. Euro erzielt.

Auch etablierte Herausgeber von Literatur wie der Münchener Verlag Heyne befassen sich neuerdings mit dem Medium Manga. Im vergangenen Jahr erzielte der Markt ein Wachstum von 6,9 Prozent und liegt damit im Vergleich zu dem Wachstum des gesamten deutschen Buchmarktes deutlich über diesem, da er nicht einmal um ein Prozent gewachsen ist.

„Manga sind keine Genre“

In vielen Buchhandlungen stehen die Tankobons - so heißen die Manga-Taschenbücher - meist völlig unsortiert in der hintersten Ecke. Der frühere Verlagsleiter von Carlsen Comics, Dr. Joachim Kaps, zeigt dafür nur wenig Verständnis: „Ebenso gut könnte man einen hypothetischen Aktionstisch mit Literatur gestalten, der in etwa so aussehen müsste: Thienemanns Reihe »Freche Mädchen – freche Bücher« liegt neben Stephen King und Wolfgang Hohlbein, gleich anschließend »Die Tagebücher der Anne Frank«, vielleicht der neueste Paulo Coelho, der geht ja immer ganz gut, daneben »Neues vom Moppel-Ich« und – Jungs sollen ja auch zum Zuge kommen – noch ein paar Bände der »Wilden Kerle«.“

Mittlerweile reicht die Themenauswahl an die der „normalen“ Bücher heran. Für jedes Geschlecht, für jedes Alter und für jedes Interessensgebiet publizieren die deutschen Verlage die passenden Geschichten. Manga sind schon lange keine Comicbücher für kleine Kinder mehr, sondern für alle Altersschichten interessant. Sogar Mangaserien für Senioren gibt es im Land des Lächelns, in Deutschland wagen sich die Verlage an diese ältere Zielgruppe noch nicht heran.

Wesentlich offener in der Unterscheidung zwischen Manga für Jungen (Shônen) und Mädchen (Shôjo) sind die deutschen Leser allemal. Während in Japan sehr deutlich getrennt wird, ist hier jedem Leser freigestellt, was er liest.

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