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18.03.2012

10:56 Uhr

Marktbericht

Alte Meister neu bewertet

VonChristian Herchenröder

Dem Markt für Alte Kunst fehlt der Nachschub an Werken allererster Qualität. Nun entwickelt eine neue Sammlergeneration neue Vorlieben etwa für die Goldgrund-Malerei der alten Niederländer.

Jakob Philipp Hackerts „Blick über den Golf von Pozzuoli nach Ischia und Capri“ ist bereits für einen Privatsammler reserviert. Foto: Daxler & Marschall Daxer & Marschall

Jakob Philipp Hackerts „Blick über den Golf von Pozzuoli nach Ischia und Capri“ ist bereits für einen Privatsammler reserviert.

Foto: Daxler & Marschall

BerlinAuch der Altmeistermarkt lebt von Sensationen. Gerade haben wieder einmal die Nationalgalerien in London und Edinburgh Schlagzeilen gemacht, als sie gemeinsam Tizians Gemälde „Diana und Callisto“ für 45 Millionen Pfund aus der Sammlung des Herzogs von Sutherland angekauft haben. Schon 2009 hatten die Museen das Pendant „Diana und Aktäon“ für 50 Millionen Pfund erworben. Auf solche Preise verweist der Handel gern, denn sie rechtfertigen auch seine Preispolitik, wenn es um Spitzenwerke geht. Doch die sind seit einem halben Jahrzehnt Mangelware geworden.

Wer die maßgeblichen New Yorker und Londoner Auktionen der letzten Jahre Revue passieren lässt, muss einen deutlichen Schwund an Topqualität konstatieren. Es handelte sich immer nur um ein halbes Dutzend wirklich herausragender Werke, dem eine Parade des Mittelmaßes folgte. So waren es bei den New Yorker Januar-Auktionen 2012 auch die musealen Werke, die Millionenpreise erzielten: Tiepolo, Canaletto, Cranach, Fra Bartolomeo, Botticelli. Von den Top-Ten-Bildern ging die Mehrzahl in Privatbesitz, nur zwei gingen in den Handel.

Das zeigt, wie gering der Spielraum für den Handel geworden ist. Er muss sich in Grabenkämpfen gegen die Auktionshäuser durchsetzen, um an frisches Material aus Privatbesitz zu gelangen. Das gelingt zurzeit recht gut, denn viele gewachsene Sammlungen setzen auf Diskretion, so dass hochkarätige Verkäufe gar nicht erst publik werden. Es gibt auch Sammlungen, die gleich en bloc in den Privathandel gehen. Ein Paradebeispiel sind die Bilder des frühen 19. Jahrhunderts aus der Sammlung des Hamburger Architekten Cäsar Pinnau, die von der Münchener Galerie Daxer & Marschall neben Werken aus anderen Quellen in einem Sonderkatalog offeriert werden.

Hauptbilder wie zwei große Landschaften von Jacob Philipp Hackert sind bereits reserviert. In Museumsbesitz sind zwei Ruinenlandschaften des hessischen Romantikers Johann Heinrich Schilbach übergegangen. Aus diesem Katalog werden in Maastricht ferner eine sonnendurchflutete, 1819 datierte Ansicht des Golf von Neapel von Franz Ludwig Catel (250.000 Euro) und eine frühe Hügellandschaft von Carl Rottmann (80.000 Euro) gezeigt. Solche Bilder der Frühromantik sind die neuen Altmeister einer neuen Sammlergeneration, die in der heroischen und lieblichen Landschaft das historisch Gewachsene und Bewahrte erkennt.

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