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25.04.2016

09:38 Uhr

Markus Lüpertz wird 75

Störfaktor Kunst

Markus Lüpertz polarisiert wie kaum ein anderer Künstler. Sein Auftritt: immer groß. Seine Kunst: oft ein öffentliches Ärgernis.

Der Maler und Bildhauer wird 75 Jahre alt. dpa

Markus Lüpertz

Der Maler und Bildhauer wird 75 Jahre alt.

DuisburgNadelstreifen, schwarze Krawatte, Ohrring, grauer Spitzbart, dicker Klunker am Finger und ein Gehstock mit silbernem Totenkopf - der Auftritt von Markus Lüpertz ist immer groß. Der „Malerfürst“ wird Lüpertz seit Jahren genannt, doch erst kürzlich verriet er, dass er diese Bezeichnung „widerlich“ finde: „Quatsch, an welchem Hof denn?“

Nicht nur der exzentrische Auftritt des Malers und Bildhauers ist für manchen eine Provokation. Auch Lüpertz' Skulpturen im öffentlichen Raum sind für viele ein Störfaktor. Lüpertz weiß sich selbst und seine Kunst zu inszenieren. Schick und Schock - er kann beides. Am 25. April wird der 1941 in Böhmen geborene Künstler 75 Jahre alt.

Eitelkeit ist dem langjährigen Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie nicht abzusprechen. Er habe einen „Hang zu guten Klamotten“, sagte Lüpertz kürzlich bei einer Ausstellungseröffnung in Duisburg. An die 50 Gehstöcke mit Silberknauf besitze er wohl. Neben Gerhard Richter, Sigmar Polke, Georg Baselitz und Anselm Kiefer wird Lüpertz von namhaften Kuratoren zu den „Big Five“ der deutschen zeitgenössischen Kunst gezählt.

Markus Lüpertz: „Der Künstler ist kein Mensch“

Markus Lüpertz

„Der Künstler ist kein Mensch“

Der gefeierte Maler, Graphiker und Bildhauer Markus Lüpertz erwartet, dass Wirtschaft und Gesellschaft von der Kunst lernen. Im Interview spricht er über das Wesen der Kunst, über Genie, Selbstbewusstsein und Schönheit.

Künstlerisch hat Lüpertz in jüngster Zeit vor allem mit umstrittenen Skulpturen wie der armamputierten und knetartigen Beethoven-Statue in Bonn Proteste ausgelöst. Dem gängigen Schönheitsideal entsprechen auch weder sein 23 Tonnen schwerer und 18 Meter hoher einarmiger Gelsenkirchener Herkules mit blauen Haaren und roten Lippen noch der morbide „Mozart“ in Salzburg.

In Augsburg waren die üppigen Rundungen der Brunnenfigur „Aphrodite“ zu viel für die Bürger - sie verhinderten die Aufstellung. Und der trotzig auf dicken Beinchen im Karlsruher Bundesgerichtshof stehende „Bundesadler“ ist alles andere als ein ehrwürdiges Staatssymbol.

Als „Rache am Banalen“ wird Lüpertz' Kunst auch beschrieben. Seinen Erfolg schmälern die beständigen Kritiker-Attacken nicht. Bis ins Kanzleramt schaffte es seine 2,50 Meter hohe dralle „Philosophin“ mit den unförmigen Gliedmaßen. Der mit Lüpertz befreundete Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte sie in Auftrag gegeben.

Überhaupt haben es Großformate dem Künstler angetan, dessen kraftvolle gegenständliche Malerei häufig als „neo-expressiv“ bezeichnet wird. Wuchtig und expressiv ist seine Handschrift auch in der Malerei. 15 Meter lang ist seine frühe „Lüpolis“-Arbeit von 1977. „Westwall“ kommt auf 12 Meter - die verfremdeten Rauten des abstrakten Großwerks erinnern an das einstige Nazi-Bollwerk aus Panzersperren, aber irgendwie auch an „Toblerone“-Schokolade.

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