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24.03.2012

12:58 Uhr

Martin Walser

Ein Provokateur und Puppenspieler

Er ist einer der wichtigsten zeitgenössischen deutschen Schriftsteller: Martin Walser. Der Erzähler, Sprachvirtuose und Provokateur - bekannt durch Werke wie „Tod eines Krtikers“ - wird am heutigen Samstag 85 Jahre alt.

Schriftsteller Martin Walser: Durch konsequente Stellungnahme hat er über die Jahre hinweg einige Weggefährten verloren. dpa

Schriftsteller Martin Walser: Durch konsequente Stellungnahme hat er über die Jahre hinweg einige Weggefährten verloren.

ÜberlingenMit Schubladen und Etiketten kennt Martin Walser sich aus. Als was ist der Schriftsteller nicht schon alles bezeichnet worden - er galt als Kommunist, als Nationalist, und immer wieder stand auch das Wort Antisemitismus im Raum.

Es sind Vorwürfe, die den Autor heute noch kränken. „Versuche, mich zu erledigen“, nennt er sie. Das Schlimme dabei sei, dass man ständig in eine Verteidigungsrolle gedrängt werde. „Man fühlt sich angegriffen. Aber ich weiß, dass man durch nichts so dumm wird, wie durch Verteidigung.“

Martin Walser - der am 24. März 85 Jahre alt wird - ist gleich einige Male angeeckt in seinem Leben. Für provokante Äußerungen zu aktuellen Diskussionen hat er öfter heftige Hiebe bezogen. Als er sich gegen den Vietnamkrieg ausspricht, wird er als Kommunist bezeichnet.

1988 bekennt Walser, er könne sich nicht mit der deutschen Teilung abfinden - daraufhin wird der Autor, der in den 60er Jahren noch Wahlkampf für die SPD gemacht hatte, in die rechtskonservative Ecke gedrängt.

Der Literat Martin Walser

Geboren am Bodensee

Martin Walser wird am 24. März 1927 als Sohn eines katholischen Gastwirts in Wasserburg am Bodensee geboren. Mit zwölf schreibt er erste Gedichte.

Dissertation über Kafka

In den 40er Jahren studiert Walser in Regensburg und Tübingen Literaturwissenschaft, Philosophie und Geschichte. 1951 wird Walser zum Dr. phil. promoviert. Titel der Dissertation: „Beschreibung einer Form. Versuch über Franz Kafka“.

Roman-Erstling und Auszeichnungen

Walsers Romanerstling „Ehen in Philippsburg“ wird 1957 mit dem Hermann-Hesse-Preis ausgezeichnet. 1981 erhält Walser den Georg-Büchner-Preis.

Gegen die deutsche Teilung

1988 erregt Walser Aufsehen mit dem Bekenntnis, er könne sich nicht mit der deutschen Teilung abfinden - obwohl er sogar mal als DKP-Sympathisant galt.

Streit mit Reich-Ranicki

1998 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels - dabei löst er eine Kontroverse aus mit seiner Kritik an einer „Instrumentalisierung von Auschwitz“. 2002 gibt es die nächste Kontroverse, als viele im Protagonisten seines Romans „Tod eines Kritikers“ den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki erkennen.

Bekannteste Werke

Zu Walsers bekanntesten Stücken zählen die Novelle „Ein fliehendes Pferd“ (1978) sowie die Romane „Seelenarbeit“ (1979), „Das Schwanenhaus“ (1980) und „Angstblüte“ (2006). 2008 landete er einen Erfolg mit dem Goethe-Roman „Ein liebender Mann“.

Walser privat

Der Schriftsteller ist seit 1950 verheiratet, das Ehepaar hat vier Töchter.

1998 löst er bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels mit seiner Kritik an einer „Instrumentalisierung von Auschwitz“ eine monatelange Kontroverse aus. Und immer wieder geht es auch um sein schwieriges Verhältnis zu dem Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki. Den erkennen viele im Protagonisten seines 2002 erschienenen satirischen Roman „Tod eines Kritikers“ wieder.

Der Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAZ), Frank Schirrmacher, weigerte sich damals, den Text vorab zu drucken. Sein Argument: Walser spiele mit „antisemitischen Klischees“.

Durch Provokation, durch Einmischen, durch konsequente Stellungnahme hat der Schriftsteller über die Jahre hinweg einige Weggefährten verloren. Und man sieht ihm an, dass das noch immer schmerzt. „Das bleibt unangenehm. Man denkt nur nicht mehr dauernd daran.“

Wenn man ihn fragt, ob die Zeit alte Wunden heilen kann - beispielsweise auch den Zwist mit Reich-Ranicki -, schweigt er. Er sitzt in seinem Arbeitszimmer in Überlingen am Bodensee, lehnt sich auf dem Sofa zurück und wischt sich mit der Hand über die Augen. „Es muss ja auch nicht alles gelingen“, sagt er dann.

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