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23.12.2015

08:00 Uhr

Max Beckmann

Der skeptische Passant

VonChristian Herchenröder

Die Berlinische Galerie würdigt ihren 40. Geburtstag mit einer fulminanten Max Beckmann-Schau. Im Zentrum der Ausstellung stehen die Beziehungen des Malers zur Stadt Berlin. Daneben gelingt es dem Museum, den Blick für die Qualität des Frühwerks zu schärfen.

Max Beckmann in seinem "Selbstbildnis Florenz" (1907). Die Leihgabe aus einer Privatsammlung hängt gewöhnlich in der Hamburger Kunsthalle. Quelle: VG Bild-Kunst Bonn, 2015, Foto: Elke Walford

Kompromisslose Selbstvergewisserung

Max Beckmann in seinem "Selbstbildnis Florenz" (1907). Die Leihgabe aus einer Privatsammlung hängt gewöhnlich in der Hamburger Kunsthalle. Quelle: VG Bild-Kunst Bonn, 2015, Foto: Elke Walford

BerlinRund 17 Jahre lang war er ein Berliner: Max Beckmann, dessen Gesamtwerk seit den Kölner und Berlin/Münchner Retrospektiven zum 100. Geburtstag (1984) in über 30 Ausstellungen bis in den letzten thematischen und biographischen Winkel ausgeleuchtet wurde. Jetzt kann er in der Berlinischen Galerie eine Art Heimkehr feiern. „Max Beckmann und Berlin“ heißt die Ausstellung zum 40. Geburtstag des Museums.

Ins Exil nach Hitlers Rede

Man fragt sich, warum nicht schon längst eines der vielen mit Beckmann vertrauten Museen auf den Gedanken gekommen ist, den Ursprüngen und Beziehungen des Malers in der Spreestadt nachzuspüren. Hier hat der gebürtige Leipziger von 1903 bis 1915 gelebt, stand in den Frankfurter Jahren mit seinen Galeristen Israel B. Neumann, Paul Cassirer, Alfred Flechtheim und Karl Buchholz in engem Kontakt und kehrte nach der Entlassung aus der Städelschule 1933 noch einmal für vier Jahre in die Reichshauptstadt zurück.

Kurz vorher hatte Ludwig von Justi, Direktor des Berliner Nationalmuseums, im Kronprinzenpalais einen Beckmann-Raum mit zehn Gemälden eingerichtet. Er wird nach der Zwangsversetzung Justis noch vor Jahresende geschlossen, das Kronprinzenpalais wird drei Jahre später liquidiert. Nach einer Rede Hitlers zur Eröffnung des Hauses der Kunst verlassen Beckmann und seine Frau im Juli 1937 Deutschland und gehen ins Amsterdamer Exil.

Ankauf der Universität Harvard

Beckmann und Berlin: das ist für den Künstler ein kontinuierliches Spannungsfeld, das mit Selbstfindung, Triumph und Verfemung eng verbunden ist. Justi, der gegenüber den Künstlern stets auf seine Unabhängigkeit bei der Auswahl von Bildern pochte, hatte 1926 Beckmanns Gemälde „Die Barke“ zu seinem 60. Geburtstag als Geschenk für die Nationalgalerie empfangen und zwei Jahre später das „Selbstbildnis im Smoking“ angekauft. Es war zwar nicht in der Schandausstellung „Entartete Kunst“ zu sehen, wurde aber nach der Beschlagnahme 1940 vom Busch-Reisinger Museum der Universität Harvard erworben.

Zwei Hauptwerke fehlen

Diese beiden Hauptwerke sind in der Berliner Schau nicht vertreten, dafür aber die „Große Gewitterlandschaft“ (1932) und die „Fastnacht Paris“ (1930), die ebenfalls im Beckmann-Raum der Nationalgalerie hingen. Sie zeigen den Maler auf der Höhe seiner Kunst, die sich aus postimpressionistischen und veristischen Anfängen in eine konturenscharfe, an der Dingwirklichkeit orientierte Malweise wandelte, die 1937 in den symbolgeladenen Spätstil mündet.

Die Berliner Ausstellung zeichnet diesen Stilwandel chronologisch nach und begleitet ihn mit einigen Werken anderer zeitgenössischer Künstler, die einen Kontrapunkt zu seinem Lebenswerk bilden.

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