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27.11.2015

10:39 Uhr

Max Ernst

Geheimnis der Bronzegießer ausgegraben

VonBarbara Kutscher

Wenn es in der Malerei nicht rund lief, entspannte sich Max Ernst lustvoll mit Skulpturen. Die Galerie Paul Kasmin zeigt jetzt gut dokumentierte posthume Bronzegüsse aus dem Besitz der Erben. Ihr Preisniveau reicht an Lebzeitengüsse heran. Doch das scheint die Käufer nicht zu schrecken.

Blick in die Max Ernst-Ausstellung bei Paul Kasmin in New York. Quelle: VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Posthume Bronzegüsse der Familie Ernst

Blick in die Max Ernst-Ausstellung bei Paul Kasmin in New York. Quelle: VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Galerien in Manhattans Kunstbezirk Chelsea schauen immer häufiger in den Rückspiegel der Geschichte. Vor allem Paul Kasmin machte mit ehrgeizigen Ausstellungen von sich reden. Im vergangenen Jahr beleuchtete er etwa den einflussreichen New Yorker Kollegen Alexandre Iolas (1955-87), der den Surrealismus in die USA brachte, oder auch den wegweisenden Kurator Henry Geldzahler, der 1969 das ehrwürdige Metropolitan Museum oft Art zu einer riesigen Überblicksausstellung „New York Painting and Sculpture: 1940-70“ überzeugte. Kasmins besonders ergiebige Mine ist das Pariser Künstlerviertel Impasse Ronsin. Dort, im 15. Arrondissement nahe am Montparnasse, unterhielten in den Nachkriegsjahren viele heutige Berühmtheiten ihre Ateliers. Zu den eng befreundeten Künstlern gehörten Jean Tinguely, Niki de Saint Phalle, William Copley, Constantin Brancusi, François-Xavier Lalanne und auch Max Ernst. Einige hatten schon Solo-Shows in der Galerie, jetzt ist Ernst (1891-1976) an der Reihe.

Ausgelebte Doppelbegabung

Ausschließlich sein bislang unterbewertetes und auch in den großen US-Museums-Retrospektiven nicht genügend gewürdigtes kleines Skulpturenoeuvre wird noch bis zum 5. Dezember gezeigt. „Da können New Yorker noch viel lernen“, so Nick Olney, Senior Director der Galerie. Nicht jeder kennt das Max Ernst Museum in Brühl, das einen beinahe vollständigen Überblick über diese Facette von Ernsts Produktion liefern kann. Hier stehen 60 Skulpturen aus seinem Nachlass als Dauerleihgabe der Kreissparkasse Köln. Rund ums Highlight, die bekannte schlanke, 1,80 Meter hohe Kalksteinfigur „La Plus Belle” (1967), versammelt die Galerie 14 Bronzen, die in den Jahren 1934 bis 1967 konzipiert wurden.

Humorvolle Zusammenstellungen

Ernst kombinierte gefundene Alltagsgegenstände wie Dosen, Eierkartons, Blumentöpfe oder Muscheln zu humorvollen Figuren. Dem Regisseur Peter Schamoni erklärte er 1963: „Wenn ich mit meiner Malerei in eine Sackgasse komme, so bleibt mir die Skulptur als Ausweg übrig, denn Skulptur ist noch mehr eine Spielerei als Malerei. Bei der Skulptur spielen beide Hände eine Rolle, wie bei der Liebe.“

Von den Zeitgenossen wurden diese Assemblagen nicht ernst genommen – eine Ausnahme war der Kritiker Clement Greenberg. Nachdem er Ernsts neue Gruppe von Gipsskulpturen im Sommer 1944 sah, fand er: „Max Ernst beweist sich als unermesslich besserer Bildhauer denn als Maler“.

Mückenplage als Inspirationsschub

Dabei waren die Werke eher zufällig entstanden: das von Ernst auf Long Island für die Saison gemietete Haus wurde so sehr von Mücken belagert, dass an Schwimmen und Sonnenbaden nicht zu denken war. Schnell funktionierte er die Garage zum Atelier um und schuf heute so hochbewertete Werke wie „Le Roi jouant avec la reine“. Der Lebzeitenguss von 1954 und mit Provenienz des Malerkollegen William Copley ausgestattet, hält seit 2002 den Auktionsrekord von 2,4 Millionen Dollar. Auch „Un ami empressé“ (Guss 1957), der soeben im November bei Christie’s 869.000 Dollar einspielte, gehört dazu.

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