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30.11.2014

09:17 Uhr

Merkel trifft Tom Hanks und Steven Spielberg

Hollywood im Kalten Krieg

Star-Regisseur Steven Spielberg holt den Kalten Krieg zurück. 25 Jahre nach dem Mauerfall ist die Glienicker Brücke zwischen Berlin und Brandenburg wieder Sperrgebiet. Doch die Kanzlerin hat Zutritt.

Treffen am Drehort: Regisseur Steven Spielberg (links) mit Kanzlerin Angela Merkel (mitte) und Schauspieler Tom Hanks (rechts). Reuters

Treffen am Drehort: Regisseur Steven Spielberg (links) mit Kanzlerin Angela Merkel (mitte) und Schauspieler Tom Hanks (rechts).

PotsdamDie Brücke liegt im Nebel. Die Auffahrt ist von Stacheldraht umgeben, Panzersperren liegen auf schneebedecktem Asphalt. Am Bogen der Eisen-Stahl-Konstruktion hängt das Staatswappen der DDR. 25 Jahre nach dem Mauerfall ist die Glienicker Brücke wieder Sperrgebiet. Für seinen Agenten-Thriller „St. James Place“ (Arbeitstitel) beschreibt Hollywood-Regisseur Steven Spielberg (67, „Schindlers Liste“) am Originalschauplatz den Kalten Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion. Seit Freitag dreht Spielberg mit Oscar-Preisträger Tom Hanks (58) auf dem Unesco-Welterbe, das einst Ost und West trennte.

„Es fühlt sich bedrohlich an, an dem Setting zu sein, das wir museal aufbereiten“, sagt Ina Grätz, Leiterin der Villa Schöningen am Fuß der Glienicker Brücke. Das Haus zeigt neben Kunstausstellungen die bewegte Geschichte der Grenzbrücke zwischen Berlin und Brandenburg, auf der während des Kalten Krieges mehrfach Agenten ausgetauscht wurden. „Wir, die hier arbeiten, kennen dieses Bild nicht mehr aus der Realität. Es nun so zu sehen, ist sehr spannend“, meint Grätz.

Die Filmarbeiten stellen den normalen Rhythmus des Hauses auf den Kopf. Fotografen und Kamerateams hoffen auf einen Schnappschuss. Fehlanzeige - das obere Stockwerk ist abgesperrt. „Ich kann es nicht verantworten, dass sich Besucher an die Fenster drängen und möglicherweise etwas zu Schaden kommt“, erklärt Grätz.

Bis in die späten Abendstunden zieht es Schaulustige trotz frostiger Temperaturen zu der angestrahlten Brücke. Da nur in der Dunkelheit gedreht wird, setzt das Filmstudio Babelsberg - Koproduzent des Streifens - riesige Lichtanlagen ein. „Das ist wie eine kleine Zeitreise. Geschichte wird wieder lebendig“, meint ein Anwohner.

Von den Dreharbeiten ist jedoch wenig zu sehen. Die Havel-Brücke zwischen Potsdam und Berlin ist weiträumig abgesperrt und wird von aufmerksamen Sicherheitsleuten bewacht. Autogrammjägern macht Filmstudio-Sprecher Eike Wolf wenig Hoffnung.

Die 27-Jährige Franziska versucht es dennoch. Stundenlang beobachtet sie den Drehort. Sie sieht, wie die Schneemaschine künstliche Flocken spuckt, wie Mitarbeiter einen tschechischen Tatra und einen russischen Tschaika auf die Brücke fahren, wie mit Einbruch der Dämmerung erste Komparsen in Militärkleidung an ihre Plätze gehen. „Ich hoffe auf ein Foto mit Tom Hanks“, sagt die Potsdamerin.

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