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19.01.2015

21:10 Uhr

Michel Houellebecq

„Mein Buch ist kein islamophobes Buch“

Die Vorstellung von Michel Houellebecqs neuem Roman „Unterwerfung“ in Köln war schon lange ausverkauft. Aber nach dem Terror von Paris wurde sie mit allergrößter Spannung erwartet. Und der Autor kam tatsächlich.

Michel Houellebecq in Köln

„Jeder hat das Recht, einen islamfeindlichen Roman zu schreiben!“

Michel Houellebecq in Köln: „Jeder hat das Recht, einen islamfeindlichen Roman zu schreiben!“

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KölnDer französische Schriftsteller Michel Houellebecq (56) hat am Montagabend in Köln seinen Roman „Unterwerfung“ vorgestellt. Am Anfang habe er nur das Problem gehabt, immer wieder erklären zu müssen, dass „Unterwerfung“ kein islamfeindliches Buch sei.

„Jetzt muss ich zwei Dinge in einer Endlosschleife erklären: Erstens, dass mein Buch kein islamophobes Buch ist, und zweitens, dass man das Recht dazu hat, ein solches Buch zu schreiben“, sagte Houellebecq zwölf Tage nach dem Mordanschlag auf die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ in Paris. Es war sein erster öffentlicher Auftritt seit dem Erscheinen des Buchs und dem Anschlag am selben Tag.

Der Roman spielt im Jahr 2022 in Frankreich. Der Autor kritisiert darin sowohl die Demokratiemüdigkeit, den Egoismus und den Opportunismus des Establishments als auch die Islamisten, die in diese Lücke stoßen.

Der Auftritt Houellebecqs in Köln war seit Dezember ausgebucht und wurde live im Internet von Köln.tv übertragen. Die Polizei hatte nach eigenen Angaben „angemessene Sicherheitsvorkehrungen“ ergriffen, wollte aber keine Einzelheiten nennen. Vor dem Gelände waren nur einzelne Polizisten zu sehen. Die Lit.Cologne als Veranstalter begründete das Festhalten an der Buchvorstellung damit, dass man sich der Freiheit der Kunst und des Worts verpflichtet fühle.

Konservative und Rechte: Wer sagt was zu Integration und Islam?

Debatten

Die Debatte um Zuwanderung, Asyl, Integration und den Islam in Deutschland wird immer schriller. Kleinster gemeinsamer Nenner ist die Ablehnung radikaler islamistischer Tendenzen. Die Grenze zwischen „Anti-Islamismus“ und Rassismus ist dabei aber oft nicht klar erkennbar. Einige Positionen dazu:

Quelle: dpa

Politischer Islam und Salafismus

- „Stoppt die Islamisierung Europas!“ lautet der zentrale Slogan der „Pegida“. Die Bewegung will nach Angaben der Organisatoren der Dresdner Demonstrationen „gewaltfrei und vereint gegen Glaubenskriege auf deutschem Boden“ kämpfen.

- Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagt: „Wir haben keine Gefahr der Islamisierung.“

- Die AfD ist „zunehmend besorgt über den Einfluss und die Gewaltbereitschaft der Islamisten in Deutschland“.

Islam

- Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner und der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Spahn fordern ein Burka-Verbot. In der Partei ist das umstritten. Spahn: „Burka geht gar nicht.“ Klöckner findet, es sei nicht akzeptabel, dass die Frauenverhüllung von linken Politikern als Ausdruck „kultureller Vielfalt“ verstanden werde.

- Bei der „Hogesa“ (Hooligans gegen Salafisten) heißt es plakativ: „Keine Scharia in Europa“.

- Die NPD behauptet: „Das sichtbarste Zeichen der ungebremsten Überfremdung unseres Landes ist die expansive Ausbreitung des Islam.“

Deutsche Identität

- Die Angst vor einem vermeintlichen Verlust der deutschen kulturellen Identität schürt vor allem die Bewegung „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ („Pegida“). Eine Rednerin sagte kürzlich bei einer Veranstaltung des Düsseldorfer Ablegers der Bewegung („Dügida“): „Heimat, Freiheit und Tradition“ sollten in Deutschland wieder wichtiger genommen werden. Es gehe darum, „die eigene Identität zu verteidigen“.

- Sachsens AfD-Fraktionschefin Frauke Petry fordert: „Mehr deutschsprachige Lieder im öffentlich-rechtlichen Rundfunk“.

Zuwanderung und Asyl

- FDP und AfD plädieren für das kanadische Modell: Einwandern sollen nur Fachleute aus Bereichen, in denen Arbeitskräfte fehlen. Der Familiennachzug wird eingeschränkt. Das Recht auf Asyl für politisch Verfolgte wird nicht angetastet. Die AfD favorisiert „heimatnahe“ Hilfe für Bürgerkriegsflüchtlinge.

- Die CDU/CSU fordert: „Bei Armutszuwanderung zügig handeln“.

- Die „Hogesa“ schürt vor allem Ängste in der bildungsfernen Unterschicht. In einem Lied heißt es wörtlich: „Alt, arm, obdachlos, einfach ausrangiert - doch für Fremde wird frisch renoviert.“

Integration

- Die CSU will Migranten, die dauerhaft in Deutschland leben wollen, motivieren, im täglichen Leben Deutsch zu sprechen.

- Der neue Chef der Jungen Union, Paul Ziemak, erntete auf dem JU-Deutschlandtag Applaus für Sätze wie „Wer die Scharia mehr achtet - da hilft kein Integrationskurs, da hilft nur Gefängnis“.

Das Werk, dessen deutsche Übersetzung vor knapp einer Woche erschienen war, schildert, wie bei der französischen Präsidentschaftswahl 2022 Marine Le Pen, die Kandidatin des rechtsextremen Front National (FN), den ersten Durchgang gewinnt. Um ihren Sieg bei der Stichwahl zu verhindern, unterstützen Sozialisten und Konservative einen gemäßigten muslimischen Kandidaten, der dann auch tatsächlich an die Macht kommt.

Der Roman war am 7. Januar in Frankreich erschienen. Am selben Tag hatten zwei islamistische Attentäter in der Redaktion von „Charlie Hebdo“ in Paris zwölf Menschen ermordet. Die aktuelle Ausgabe des Satireblatts zeigte eine Karikatur über den Autor auf dem Titel.

Der DuMont Buchverlag hatte „Unterwerfung“ am vergangenen Mittwoch in einer Auflage von 100.000 Exemplaren auf den deutschen Markt gebracht. Der Roman verkaufte sich sofort gut, eine zweite Auflage mit 50.000 Stück ist schon in Arbeit. Der Auftritt Houellebecqs in Köln ist der einzige, der bislang geplant ist.

Von

dpa

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