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02.03.2012

08:51 Uhr

Michelangelo

Verdächtiger Preissturz

VonEva Clausen

Italiens Kulturministerium erwarb 2008 eine Michelangelo zugeschriebene Christus-Figur für 3,3 Millionen Euro. Lächerlich niedrig für ein echtes Werk des Renaissance-Meisters, zu viel für einen anonymen Schnitzer.

Michelangelo zugeschriebener Kruzifixus (Ausschnitt) Aurelio Amendola

Michelangelo zugeschriebener Kruzifixus (Ausschnitt)

RomSie misst nur 41,3 x 39, 7 Zentimeter, die kleine Lindenholz-Figur des Gekreuzigten, doch wirbelt sie gewaltig viel Staub auf. Denn entweder ist sie Gold wert oder aber der Staat ist jemandem auf dem Leim gegangen. Letzteres scheint zuzutreffen, doch die Frage ist, ob mehr oder minder wissentlich. Offenkundig scheint die These der Mitwisserschaft nicht ausgeschlossen, sonst hätte der italienische Rechungshof wohl kaum eine Ermittlung wegen Staatsschädigung gegen den früheren Direktor der Abteilung Kunstgüter im Ministerium, Roberto Cecchi, die Leiterin der Florentiner Museen, Cristina Acidini, und vier weitere Funktionäre eingeleitet. Es geht um 3,3 Mio. Euro, die die Verantwortlichen im Falle des Schuldspruchs zurückerstatten werden müssen. Doch beteuern sie weiter ihre Unschuld und vor allem, im guten Glauben gehandelt zu haben, und Gutgläubigkeit wird bekanntlich nicht bestraft.

Was heißt Zuschreibung?

Sie haben nämlich fest daran geglaubt, dass der besagte gekreuzigte Christus Michelangelo zuzuschreiben ist. Nur bedeutet das Wort Zuschreibung - auch für den Laien - eine Annahme und für eine solche das Geld des Steuerzahlers auszugeben, ist zumindest steuerrechtlich relevant.

Zweifel ausländischer Fachleute

Die Geschichte der gekreuzigten Figur beginnt im September 2004, als sie erstmal im Florentiner Museum Horne als „Vorschlag für ein Frühwerk Michelangelos“ gemeinsam mit einer Reihe von andern, ähnlichen Renaissance-Kruzifixen präsentiert wurde. Das Werk gehörte dem Turiner Antiquitätenhändler Giancarlo Galliano, über dessen nicht immer orthodoxe Methoden in Insiderkreisen gemunkelt wird. Während die von Galliano vorgeschlagene Zuschreibung von den dem damaligen Denkmalpfleger von Florenz, Antonio Paolucci, heute Präsident der Vatikanischen Museen, dem Leiter des Museums Horne, Umberto Baldini, wie auch dem im Renaissance Experten Luciano Bellosi, die beide mittlerweile verstorben sind, unterstützt wurde, äußerte eine Reihe ausländischer Fachleute Zweifel daran. Angefangen von James Beck über Frank Zöllner, Autor der Michelangelo-Biographie, bis zu Margrit Lisner, der die heute wissenschaftlich beglaubigte Zuschreibung des großen Holzkruzifix’ von Michelangelo (1492/93) in der Kirche Santo Spirito zu verdanken ist.

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