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12.04.2011

12:20 Uhr

Miniaturen

Begehrte Heldentaten und Liebesgeschichten

VonChristian Herchenröder

Miniaturen aus dem „Schahname“, dem persischen Buch der Könige, gehören zu den teuersten und prachtvollsten Objekten des Markts für islamische Kunst. Eine Berliner Ausstellung punktet mit den kostbarsten Exemplaren.

Deckfarben-Miniatur aus einem wohl um 1350 entstandenen "Buch der Könige: "Rostam wirft einen Gegner in die Luft". Quelle: Katalog Berlin

Deckfarben-Miniatur aus einem wohl um 1350 entstandenen "Buch der Könige: "Rostam wirft einen Gegner in die Luft".

BerlinDas persische Nationalepos „Schahname“ ist eines der frühen poetischen Meisterwerke der Weltliteratur, dem Nibelungenlied oder dem in Tontafeln überlieferten sumerischen Gilgamesch-Epos vergleichbar. In rund 50 000 Versen erzählt sein Autor Abu‘l Qasem Firdausi (940 – 1020) die Geschichte der alten Herrscher Irans, vom Erscheinen Zarathustras bis zur Eroberung durch die Araber im Jahr 651. Die Heldendichtung ist in die Regierungszeit von 50 persischen Königen aufgegliedert. Das Mammutwerk preist Heldentaten, schildert Grausamkeiten, besingt Liebe und Tod. Es feiert charismatische Kämpfer, übt aber auch Kritik an tyrannischen und überheblichen Königen, gibt zeitlose Ratschläge und Lebensweisheiten.

Das Jubiläum

Vor 1000 Jahren wurde dieses Mammutwerk vollendet, das bis heute die iranische Kulturgeschichte prägt. In illuminierten, d.h. reich verzierten Handschriften und Drucken wurde es immer wieder neu verbreitet. Junge Iraner lesen es, als es gestern erschienen. Das Museum für Islamische Kunst in Berlin nimmt dieses Jubiläum zum  Anlass einer vorbildlich inszenierten Ausstellung, in der neben privaten Leihgaben vor allem Handschriften und Miniaturen aus eigenem Besitz und aus dem Bestand der Berliner Staatsbibliothek Revue passieren.

Ergänzt wird die Schau durch Keramik, Fliesen, Waffen und Textilien, deren Bildprogramm sich auf das beliebte Epos beziehen. Auch die deutsche Rezeption wird in den Panoramablick einbezogen: der Romantiker Friedrich Rückert, der als einer der Begründer der deutschen Orientalistik gilt, hat nämlich nicht nur den Koran, sondern auf 1400 Buchseiten 25 Sagen aus Firdausis Königsbuch übersetzt. Den Abschluss des Rundgangs bilden britische Propagandaposter aus dem Zweiten Weltkrieg, die sich stilistisch an Miniaturen des 16. Jahrhunderts anlehnen.

Das Auge überrumpeln

Vor unserem Auge werden bei gedämpftem Licht Zimelien der persischen Bildkunst ausgebreitet. Bebilderte Schahname-Handschriften gibt es erst seit dem 13. Jahrhundert. Einzigartig sind die um 1330 in Isfahan entstandenen rotgrundigen Deckfarben-Illustrationen aus dem „Großen Mongolischen Schahname“ der Staatsbibliothek. Aus deren orientalischer Handschriftensammlung stammt auch ein äußerst prachtvoll illuminiertes Exemplar des 16. Jahrhunderts aus dem Schriftkunst-Zentrum Shiraz, das mit seiner üppigen Farbgebung, Vergoldung und Figurenreichtum das Auge  überrumpeln und fesseln will. Zu Restaurierungszwecken wurde die Handschrift in Einzelblätter zerlegt und so ergibt sich jetzt die einmalige Gelegenheit, die farbfrischen Darstellungen von Kampf, Mord, Hinrichtung und höfischem Zeremoniell an den (leider nicht entspiegelten) Vitrinen kennen zu lernen.

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