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08.02.2005

10:45 Uhr

Mit dem Kauf seines ersten Bildes wollte Frieder Burda gegen seinen Vater aufmucken: Heute ist aus der Rebellion ein Museum geworden

Der mit dem Herzen sammelt

VonSusanne Schreiber

Frieder Burda zieht sein Gegenüber in Bann, gleich bei der ersten Begegnung. Weil er natürlich geblieben ist. Der Verlegersohn, Unternehmer und Sammler mit eigenem Museum hat es nicht nötig, sich besser zu machen, als er ist: eine Seltenheit im prahlerischen Kunstbetrieb.

DÜSSELDORF. So kommt es vor, dass der Weitgereiste im schönsten Dialekt seiner badischen Heimat erzählt, dass er Joseph Beuys nie richtig verstanden habe, obwohl er sich lange mit dessen Ansatz beschäftigte. Vielleicht spielte aber auch eine Rolle, dass „sich Beuys 1972 an der Kampagne ‚Enteignet Springer’ beteiligt hat. Das stieß mich ab.“

Der persönliche Bezug zur Kunst und die Liebe zu Frankreich haben den 1938 geborenen Spross der berühmten Verlegerfamilie in all seinen Kunstaktivitäten geleitet. Leben, Kunst und Leidenschaften sind bei Burda aufs Engste verknüpft. Wenn er über seine Vorlieben, seine Begegnungen und Freundschaften mit Künstlern spricht, wird spürbar: Hier ist ein Aficionado am Werk, dem beim Thema Kunst das Herz aufgeht. Die Worte kommen dann gar nicht mehr nach.

Seit rund dreißig Jahren pflegt der gelernte Verlagskaufmann seine Passion für die Kunst, vor allem für die Malerei. Absoluter Höhepunkt war im vergangenen Herbst die Eröffnung seines Museums in Baden-Baden. Der vom amerikanischen Stararchitekten Richard Meier entworfene Bau, ein antimonumentales Museum im Stil einer Villa, zog bereits in den ersten Monaten fast 75 000 Besucher an.

Unabhängigkeit ist für den Musenfreund und Museumsgründer ein zentraler Wert. Deshalb hat er den Museumsneubau mit 20 Millionen Euro selbst finanziert. Auch den Unterhalt überlässt er nicht dem Staat, wie es die Mehrheit der deutschen Sammler tut: Er finanziert alles selbst. Das Land übergab „lediglich“ den 1A-Baugrund in Erbpacht. „Damit gehört Burda zu der in Deutschland so raren Spezies der echten Mäzene“, lobt Götz Adriani, Direktor der Kunsthalle Tübingen: „Als Sammler hat sich Burda in den letzten Jahren einen Blick für Qualitäten erarbeitet, den ich bewundere. Als Mensch schätze ich seine Toleranz und seinen großen Humor.“

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