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31.10.2014

18:58 Uhr

Münchener Messen

Spielraum für Optimierung

VonChristiane Fricke

Nach der traditionsreichen Regionalmesse auf dem Nockherberg und vor der „Highlights“ in der Residenz hat nun die Kunst-Messe München eröffnet. Schauplatz ist die historische Rotunde im Postpalast. Ein Blick auf die Stärken und Schwächen der einst wichtigsten Antiquitätenmesse Deutschlands.

Eine Meißener Porzellantoilette für diskrete Verrichtungen der Damen. Ein "Bourdalou", bemalt nach Lancret bei Elfriede Langeloh. Elfriede Langeloh / Kunst Messe München

Eine Meißener Porzellantoilette für diskrete Verrichtungen der Damen. Ein "Bourdalou", bemalt nach Lancret bei Elfriede Langeloh.

MünchenEuropaweit ist der Antiquitätenhandel auf dem Rückzug, in vielen Städten  – Beispiel Köln oder Düsseldorf – gar nicht mehr sichtbar. Messen werden als Aushängeschild deshalb immer wichtiger. Für manchen Kunden sind sie der einzige Ort, an dem er das Gebotene im Original in Augenschein nehmen, das eine mit dem anderen vergleichen und gegeneinander abwägen kann. Vorausgesetzt dass dies die Offerte zulässt – quantitativ und qualitativ.

Mit der Angebotsvielfalt wird es indes immer schwieriger, je kleiner die Messen werden. 38 Teilnehmer zählt die „Kunst-Messe München“, die heute im historischen Rundbau des Postpalastes eröffnet wird. Das sind zwar vier mehr als im letzten Jahr, als sie durch die von unzufriedenen Händlern neu gegründete Art Classix Federn lassen musste. Doch es sind nicht genug, insbesondere wenn das Niveau nicht gleichbleibend hoch ist und wenn das Timing mit den beiden anderen Münchener Herbstmessen unzureichend ist. Die „Kunst & Antiquitäten“ auf dem Nockherberg, die sich nur an diesem einen Wochenende mit der Postpalast-Messe überschneidet, geht bereits am 2. November 2014 zu Ende; die „Highlights – Internationale Kunstmesse München“ beginnt mit sechstägiger Laufzeit erst am 6. November.

Hingucker mit Unterhaltungswert

Ein Mercedes Benz Cabriolet aus den späten 1930er-Jahren und eine Damentoilette aus dem 18. Jahrhundert gehören zu den formschönsten und originellsten Antiquitäten der Messe. Wie man sich auf den Ständen von Arthur Bechtel Classic Motors und Langeloh Porcelain überzeugen kann, sind beide prinzipiell sogar alltagstauglich, unterscheiden sich jedoch gravierend im Handling. Während das zierliche, ein wenig wie eine Muschel geformte Porzellangefäß den Damen am Hofe Ludwigs XIV von hinten unter die bauschigen Kleider gereicht wurde (80.000 Euro), kann die rot lackierte Karosse mit ihren verschwenderisch ausladenden Kotflügeln nur mit Hilfe kräftiger Arme von zwei starken Männern eingeparkt werden (600.000 Euro).

Anders als die transportable Toilette, die sich dank eines weiteren spezialisierten Händlers (Oberacker) in einem Vergleiche herausfordernden Umfeld wiederfindet, steht die Oldtimer-Offerte des Böblinger Händlers ziemlich allein da. Sie ist an dieser Stelle vor allem ein Hingucker mit Unterhaltungswert.

Wegbereiter des Fauvismus

Insgesamt verzeichnet der Postpalast ein halbes Dutzend Neuzugänge, darunter kurioserweise auch den Veranstalter der neu gegründeten Kunstmesse Frankfurt, Manfred Möller, für den der Veranstalter der Postpalast-Messe, Wolf Krey, seinerseits die Akquise der Händler besorgt. Möller, der viel Raum für sein umfängliches Angebot an Drucken und Papierarbeiten (in Kooperation mit The Gilden’s Art) füllt, ist bislang eher bekannt als Verleger. Erst vor zweieinhalb Jahren hat er sich in der Gestalt von „Der Kunsthandel Möller“ ein weiteres Standbein als Händler geschaffen.

Ebenfalls neu ist Manfred Ehrl, der sich mit dem Gemäldehändler Sven Zibelius, seinem Geschäftspartner, einen Stand teilt. Dahinter steht ein sehr breit aufgestelltes Unternehmen, das im bayerischen Greding auf großer Fläche Kunst und Interior Design für innen und außen anbietet. Im Postpalast vereinen sie auf kleinstem Raum ein eklektisches Angebot, das von einem Satz Wiener Empire-Sessel und -Stühle (85.000 Euro) über chinesische Glasvasen in chicken Farben bis hin zu Bildern von Louis Valtat, dem laut Zibelius „wichtigsten Wegbereiter“ vom Impressionismus zum Fauvismus, reicht (zwischen 30.000 und 60.000 Euro).

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