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27.11.2013

16:15 Uhr

Münchner Kunstfund

Gurlitt verweigert Terminabsprache mit Behörden

Die Behörden wollen dem Kunstsammler einige Bilder zurückgeben. Doch Gurlitt hat sich noch nicht zu einer Terminvereinbarung bereit erklärt. Indes fordern das erste Museum mögliche Bilder aus früherem Besitz zurück.

Bilder aus dem Kunstschatz von Cornelius Gurlitt. Ein Wuppertaler Museum will mögliche Bilder aus früherem Besitz nun zurück. AFP

Bilder aus dem Kunstschatz von Cornelius Gurlitt. Ein Wuppertaler Museum will mögliche Bilder aus früherem Besitz nun zurück.

München/WuppertalDer Münchner Kunstsammler Cornelius Gurlitt hat nach Angaben der Behörden bislang keinen Termin zur Übergabe seiner Bilder vereinbaren wollen. „Es ist so, dass sich der Beschuldigte bislang nicht bereiterklärt hat zu einer Terminvereinbarung“, sagte der Münchner Generalstaatsanwalt Christoph Strötz am Mittwoch im Kunstausschuss des bayerischen Landtags. Die Behörden hätten den Kontakt zu ihm „über einen bestimmten Zeitraum gepflegt“.

Auch für die Taskforce „Schwabinger Kunstfund“ war Gurlitt bislang nicht zu erreichen. „Für ein Gespräch braucht man einen Gesprächspartner“, sagte die Leiterin der Expertengruppe, Ingeborg Berggreen-Merkel. „Ich habe versucht, ihn zu erreichen, es ist mir aber bislang nicht gelungen.“

Die Staatsanwaltschaft Augsburg hatte vor einer Woche erklärt, Gurlitt rund 300 Bilder aus seiner – je nach Zählweise – 1406 oder 1280 Werke umfassenden Sammlung zurückzugeben, die ihm zweifelsfrei gehören. Das sind nach Angaben von Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) Bilder, die Mitglieder der Familie Gurlitt selbst angefertigt haben oder die erst nach 1945, nach dem Ende des Nazi-Regimes, entstanden sind.

Die Sitzung des Landtags-Ausschusses war das erste Mal, dass der Fall, der längst politische Bedeutung über die Grenzen Deutschlands hinaus erlangt hat, auf dem politischen Parkett behandelt wurde. Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) erstattete den Abgeordneten umfassend Bericht und kritisierte schwere Mängel im Umgang der Behörden – auch seiner eigenen – mit dem spektakulären Fund.

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Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, die nach Angaben Bausbacks früh in die Ermittlungen eingebunden waren, informierten das Kunstministerium nicht. Fünf Berichte über die Bildersammlung seien im Justizministerium angekommen, einige davon wurden nach Angaben Bausbacks sogar von dem persönlichen Referenten seiner Amtsvorgängerin Beate Merk (CSU) abgezeichnet – ohne die Chefin zu informieren. Merk und ihr Nachfolger Bausback erfuhren nach eigenen Angaben erst aus den Medien von dem Fund. Für Bausback ein Grund, aufzuräumen in seinem Haus: Künftig solle es eine regelmäßige Besprechung über wichtige laufende Verfahren geben.

Die Aufarbeitung des Falls sei viel zu langsam in Gang gekommen. „An diesem Verlauf ist aus heutiger Sicht zu kritisieren, dass die Provenienzrecherche lange – zu lange – gedauert hat“, sagte Bausback. Mehr als ein Jahr lang nur eine einzige Expertin mit der Begutachtung der Bilder zu beauftragen, sei deutlich zu wenig gewesen. „Bund und Länder hätten hier früher mehr Experten an die Provenienzrecherche setzen müssen, um in kurzer Zeit zu validen Ergebnissen zu kommen.“ Die inzwischen eingesetzte Taskforce soll voraussichtlich aus acht bis zehn Experten bestehen – zusätzlich zu einem „breiten Unterbau“, wie Berggreen-Merkel betonte. Voraussichtlich soll auch eine US-amerikanische Expertin Teil der Gruppe werden.

Bausback forderte, die Provenienzrecherche in Deutschland müsse insgesamt auf eine breitere Basis gestellt werden und wiederholte seine Forderung nach einer Gesetzesänderung zur Rückgabe von NS-Raubkunst. In einer Bundesratsinitiative, die sein Ministerium gerade vorbereite, wolle er aufzeigen, „wo und wie es geht“. „Keiner bemüht sich, zu sagen, wie es gehen könnte“, sagte er auch an die Adresse der noch amtierenden Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), die einer Gesetzesänderung kritisch gegenübersteht.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

27.11.2013, 16:46 Uhr

@"Künftig solle es (im Bayr. Justizministerium) eine regelmäßige Besprechung über wichtige laufende Verfahren geben."
Das wär schon im Fall Mollath eine gute Idee gewesen, oder?

Damit zeigt sich wieder mal, was der Steuerzahler so alles an inkompetenten Behörden finanzieren muss.
In jeder Gemischtwarenhandlung gibt es 'regelmäßige Besprechung über wichtiges...'--- offenbar in Ministerien eine Selbstverständlichkeit.

Account gelöscht!

27.11.2013, 16:57 Uhr

Soll natürlich heißen: -- offenbar in Ministerien KEINE Selbstverständlichkeit.

Ersichtlich war man 1937 im 'Städtischen Museum Wuppertal' nicht manns genug, sich dem Entwenden der Bilder entgegen zu stellen. Das ist heute beim 80jährigen Gurlitt viel einfacher.

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