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02.10.2012

08:02 Uhr

Museum Ludwig, Köln

Benefiz-Auktion als Unterhaltungsstück

VonChristiane Fricke

Eine Auktion für das Museum Ludwig in Köln gehört zu den letzten Amtshandlungen ihres scheidenden Direktors Kasper König. Der Erlös stärkt das Kapital der museumseigenen Kunststiftung um etwas mehr als 125.000 Euro.

Auktionator Philipp Herzog von Württemberg versteigert zugunsten des Museum Ludwig in Köln. Foto: Saša Fuis. Kunststiftung im Museum Ludwig, Köln

Auktionator Philipp Herzog von Württemberg versteigert zugunsten des Museum Ludwig in Köln. Foto: Saša Fuis.

KölnBenefiz-Auktionen veranstaltet inzwischen jeder kleine Kunstverein. Für das Museum Ludwig in Köln war es jedoch eine Premiere und eine der letzten Amtshandlungen des scheidenden Direktors Kasper König. Über 125.000 Euro (inkl. MwSt.) hämmerte Philipp Herzog von Württemberg, Sotheby’s-Auktionator und Deutschland-Chef, am 29. September für 22 der insgesamt 30 ausgebotenen Kunstwerke ein – ohne Aufgeld. Eine zweite Tranche mit 40 Werken wird Sotheby’s London in der Tag-Auktion für Contemporary Art am 13. Oktober versteigern – zu den üblichen Versteigerungsbedingungen.

Den Erlös darf sich die 2009 gegründete „Kunststiftung im Museum Ludwig Köln“ gut schreiben lassen, ein dem städtischen Betrieb inkorporiertes juristisches Konstrukt zur Aufnahme von Stiftungen kunstsinniger Bürger und Sammler, die damit gleichzeitig Steuern sparen. Kasper König hatte mit seiner Stiftungsgründung klug und schnell reagiert, nachdem im Herbst 2007 das „Gesetz zur weiteren Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements“ in Kraft getreten war. Das Vorbild lieferten die Landesstiftung Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen und die Stiftung Museum Kunst Palast in Düsseldorf.

Publikum ließ sich unterhalten

Dass sich die Bürger Kölns dennoch lieber unterhalten lassen als sich selber mutig für die Kunst und die Zukunft ihres Museums zu „engagieren“, zeigte am Ende das leicht disproportionale Verhältnis zwischen Publikums- und Umsatzzahlen. Der Saal war zwar bestens besetzt, doch erreicht wurde noch nicht einmal die untere Schätzpreissumme, die nach eigenen Berechnungen bei etwas über 155.000 Euro gelegen haben muss.

Fast alle Lose hatten die von Kasper König in den letzten zwölf Jahren ausgestellten Künstler persönlich zur Verfügung gestellt. Unter ihnen Hilla Becher, die sich von einem raren Abzug aus den frühen siebziger Jahren trennte. Der monumental erfasste „Kohlebunker, Zeche Hannibal, Bochum, D.“ wechselte nach einem schönen Bietgefecht für 12.000 Euro, also für das Doppelte der unteren Schätzung in eine Kölner Privatsammlung, die damit recht günstig an diese Fotoarbeit des berühmten Fotografen-Ehepaars Bernd und Hilla Becher kam.

Kampf um hübsche Objekte

Preisverdopplungen gab es auch für die Monotypie zweier Ball spielender Strichmännchen von David Shrigley (Taxe 2.500 bis 3,500 Euro) und für eine farbstarke und dynamische Schrift-Arbeit der Nonne Corita Kent (Sister Mary Corita) aus dem Jahr 1966 (2.000 bis 3.000 Euro). Richard Artschwagers schönes Wandobjekt „port“, für das 3.000 Euro erwartet wurden, gelangte für 6.200 Euro in eine deutsche Privatsammlung. In 50-Euro-Schritten wurde um die hübsche „Lampe“ von Tobias Rehberger gekämpft, bis bei 6.500 Euro der Hammer fiel (Taxe 5.000 bis 7.000 Euro).

Ein deutlich höheres Schätzpreis-Niveau haben die Werke, die von Württemberg für die Tag-Auktion am 13. Oktober in London ausgewählt hat. Darunter befindet sich Thomas Schüttes interessante Vitrinen-Arbeit „General“, eine polierte Aluminiumfigur mit Käppi, die bewegungsunfähig in einen gelben Mantel gepackt ist und sich mit hellblauer Schleife wie ein makabres Geschenk präsentiert. Ihre Taxe von umgerechnet 127.000 bis 191.000 Euro gehört zu den höchsten. Preisgünstig ist die hübsche rosa Edition „Blume und Stock“ von Katharina Fritsch, für die 7.700 bis 10.200 Euro erwartet werden.

Kommentare (1)

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ludwigmuseum

06.10.2012, 14:59 Uhr

Es ist eigentlich eine Schande,dass Künstler ihre Werke stiften sollen,damit aus dem Erlös sich das Museum Werke von anderen Künstlern kaufen kann.Und warum braucht man einen ausländischen Auktioinator?Die Freunde der Tate würden doch niemals einen Versteigerer aus Brüssel,Paris oder Köln darum bitten.Nationale Minderwertigkeitsgefühle!

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