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29.06.2011

09:15 Uhr

Musikrechte-Verwertung

Die fragwürdigen Methoden der Gema

VonBernd Mertens
Quelle:WirtschaftsWoche

Ob Künstler, Weihnachtsmarkt- oder Konzertveranstalter: Der Widerstand gegen den undurchsichtigen Musikrechte-Verwerter Gema und sein krass einseitiges Geschäftsgebaren wächst. Die Liste der Klagen ist lang.

Sänger Peter Fox: Einer der Künstler dessen Rechte die Gema vertritt. Quelle: dpa

Sänger Peter Fox: Einer der Künstler dessen Rechte die Gema vertritt.

DüsseldorfDas Convention Center auf dem Gelände der Hannover Messe war voll besetzt. Das Computermagazin "Chip" hatte geladen, um die "Bremse des Jahres" zu verleihen. Das Publikum lachte und feixte. Auf der Bühne hielt der stellvertretende Chefredakteur Josef Reitberger eine Bremsscheibe in die Luft. Empfänger des verächtlichen Lorbeers: die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte - besser bekannt unter dem Kürzel Gema. 

Die Spotttirade vom März bildet nur einen von vielen Tiefpunkten des in München ansässigen Musikrechte-Verwerters. Die nächste Watsche droht, wenn sich noch in diesem Jahr der Bundestag mit einer Petition befassen wird, die den Totalumbau der Organisation fordert. 

Die Bittschrift, die vor zwei Jahren die Kulturveranstalterin Monika Bestle im bayrischen Sonthofen verfasste, wird inzwischen von 110.000 Musikschaffenden unterstützt. Anstelle fragwürdiger Gebühren und überbordender Bürokratie, so die Forderung, solle sich die Gema endlich durchschaubarer Geschäfts- und Inkassobedingungen befleißigen. Vor allem aber solle es ein Ende mit der krassen Bevorzugung der Großverdiener des hiesigen Musikbetriebs haben. 

Die Liste der Klagen über die Gema ließe sich beliebig verlängern. Musiker, die live ihre eigenen Werke aufführen, beschweren sich, finanziell zu kurz kommen. Konzertveranstalter laufen Sturm gegen hohe Gebühren. Und wegen Streits mit der Internet-Plattform YouTube können deutsche Fans keine Musikvideos ihrer Lieblingsidole verfolgen. 

1903 von dem Komponisten Richard Strauss mitbegründet, hat es der Apparat mit seinen 1100 Mitarbeitern inzwischen in den Augen vieler zur Inkarnation des rückwärtsgewandten Pfründenverwalters gebracht. Das Mitgliedermagazin "Virtuos" gleicht nicht selten einer Hochglanz-Ahnengalerie. In der März-Ausgabe huldigte das Blatt - neben anderen gereiften Geburtstagskindern - zum Beispiel dem kölschen Gassenhauer-Komponisten Gerhard Jussenhoven ("Darum trinkt Rheinwein, Männer seid schlau, dann seid am Ende auch ihr kornblumenblau"). 

Unstrittig sind lediglich das Anliegen und das Geschäftsprinzip der Traditionsorganisation. Der eingetragene Verein, der vom Staat überwacht wird, hütet als Vereinigung von 65.000 überwiegend deutschen Komponisten, Textautoren und Verlegern etwa 30 Millionen geschützte musikalische Werke: von "Schöne Maid, hast Du heut’ für mich Zeit" über "Flugzeuge im Bauch" bis "Haus am See". Sobald jemand eines dieser Werke nutzt, kassiert die Gema im Namen ihrer Mitglieder dafür eine bestimmte Gebühr. Zahlen muss jeder, egal, ob Radio- oder Fernsehsender, Kneipier, Künstler, Konzertveranstalter, Musikgruppe, Friseur, Großparty-Gastgeber oder Drehorgelspieler. Damit sichert die Gema so manchem Komponisten und Texter den Lebensunterhalt. 

Kommentare (5)

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GEMAdialog

29.06.2011, 19:26 Uhr

Guten Tag,

die angebliche "Faktenlage" in diesem Artikel kann man nicht unkommentiert stehenlassen und daher möchte ich an dieser Stelle ein paar Dinge klarstellen:

- Zum Thema Petition: Diese wurde bereits 2009 eingereicht und der Bundestag beschäftigt sich bereits seit geraumer Zeit damit.

- Ad Konzertveranstalter: Der „Streit“ auf Grund von Tariferhöhungen wurde bereits 2010 mit einem Neuvertrag beigelegt und man begegnet sich seitdem wieder freundschaftlich, wie etwa die Ansprache von Herrn Michow zusammen mit GEMA-Vorstand Georg Oeller beim jährlichen "Get together" im Rahmen der LEA Preisverleihung zeigt.

- Zum Thema Weihnachtsmärkte: Der Aachener Weihnachtsmarkt hat - wie man bei einer gründlichen Recherche hätte feststellen können - nie eine Rechnung über den genannten Betrag von der GEMA erhalten. Der Veranstalter hatte den – falschen - Betrag im Rahmen einer "Eigenrecherche" ermittelt. Dieser Irrtum konnte in einem Kundengespräch mit der GEMA innerhalb von 36 Stunden aufgeklärt werden.

Beste Grüße,
Bettina Müller, Pressesprecherin GEMA

erika

04.07.2011, 18:37 Uhr

Die fragwürdigen Methoden DER PRESSE, will ich da mal sagen. Jeder schreibt den gleichen Unsinn und keiner gibt sich Mühe wirklich zu recherchieren was Sache ist. Gilt dann leider auch fürs Handelsblatt.

Account gelöscht!

06.07.2011, 23:49 Uhr

@Erika: Na ja...selbst wenn diese Randnotizen einer Korrektur bedürfen bleibt doch die Kritik im Kern immer noch dieselbe. Die Artikel-Überschrift "fragwürdige Methoden" auf die Sie anspielen, beschreibt schließlich das GEMA-System im Ganzen mit seiner fragwürdigen internen Geschäftspolitik, dem 2-Klassen-Modell, und nicht zuletzt der in höchstem Maße unkreativen Bürokratie. Um irgendwann als "zeitgemäß" durchgehen zu können, muss dieses System von Grund auf komplett saniert werden.

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