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26.01.2007

15:14 Uhr

Nach 21 Jahren Bauzeit

Dresdner Schloss außen vollendet

Fast 61 Jahre nach der Zerstörung durch alliierte Bomben hat das Dresdner Schloss sein historisches Aussehen zurück: Nach 21-jähriger Bauzeit ist die einstige kurfürstliche und königliche Residenz der Wettiner äußerlich wiederhergestellt.

Die kupferne Turmhaube wird mit Hilfe eines Kranes auf einen Treppenturm des Residenzschlosses in Dresden gehoben. Foto: dpa ap

Die kupferne Turmhaube wird mit Hilfe eines Kranes auf einen Treppenturm des Residenzschlosses in Dresden gehoben. Foto: dpa

HB DRESDEN. Damit wurde eine weitere Kriegswunde im historischen Zentrum der Barockstadt geschlossen. „Mit dem Wiederaufbau gibt der Freistaat den Bürgern ein Stück Heimat und Identität zurück“, sagte der Chef der Staatlichen Hochbauverwaltung im Finanzministerium, Wolf Karl Reidner, am Freitag beim Aufsetzen der Turmhaube auf den Nordost-Treppenturm.

Die Bekrönung des aus der Renaissance stammenden, 1549 errichteten Turmes und damit der letzte Akt des Rohbaus gelang wegen der Stürme „Franz“ und „Kyrill“ erst mit dreiwöchiger Verspätung. Auf das Kommando „Hebt an!“ wurde die mit Kupfer beschlagene, 12 Meter hohe und 8,3 Tonnen schwere Holzkonstruktion mit einem Kran langsam über den rund 30 Meter hohen First des Nordflügels gehoben, auf den Turm abgesenkt und montiert.

Die wegen ungünstigen Wetters zweifach verschobene Zeremonie, die knapp 30 Minuten dauerte, wurde von zahlreichen Schaulustigen beobachtet, gefilmt und fotografiert. „Mit Aufsetzen der Haube ist der Rohbau endgültig abgeschlossen“, sagte Reidner. Der nun etwa 35 Meter hohe Turm, dessen Rekonstruktion allein rund eine Million Euro koste, schmückt den großen Schlosshof. „Er wird künftig frei begehbar sein und einen Rahmen für Konzerte und Theater geben“, kündigte Reidner an.

Bereits seit einigen Jahren läuft parallel zum Roh- der Innenausbau des Komplexes zum Museumszentrum der Staatlichen Kunstsammlungen. Der Freistaat investiert in seine größte Baumaßnahme insgesamt rund 337 Millionen Euro. „Es ist eines der aufwendigsten Projekte“, sagte Reidner. Bisher wurden zwei Drittel des Geldes, rund 208 Millionen Euro, verbaut. 2007 stehen weitere 18,5 Millionen Euro zur Verfügung. In Hochzeiten waren in den vergangenen Jahren bis zu 400 Bauarbeiter, die meisten aus Sachsen, im Schloss beschäftigt.

„Das Schwierigste war, in welchem Stil wir bauen sollen“, erinnerte sich Schlossbauleiter Ludwig Coulin. Die größte Herausforderung aber seien die Arbeiten der Kollegen gewesen, die in den 1980er Jahren unter Lebensgefahr die Ruine sicherten und die Leistungen derer, die die Ruine nach dem Krieg erhalten hatten. Für die Natursteinarbeiten war althergebrachte Handwerkskunst gefragt, wobei von den sächsischen Traditionen profitiert werden konnte.

Die nächste Etappe ist 2008 die Überdachung des kleinen Schlosshofs, durch die ein Museumsfoyer geschaffen werden soll, und 2009 die Einrichtung der Türkenkammer im Zwischenflügel Nord, sagte Coulin. Bis 2008 soll auch die Englische Treppe von 1692/93 wiedererstehen. Zudem wird das Kernstück, der 1550 errichtete und knapp 60 mal 13 Meter große Riesensaal, in seinen Dimensionen als Ausstellungsraum für die Rüstkammer ausgebaut.

Das aus dem 16. Jahrhundert stammende und mehrfach erweiterte Schloss beherbergt bereits drei Museen - Münz- und Kupferstich- Kabinett, Grünes Gewölbe - Verwaltung und Kunstbibliothek. Allein für die Rekonstruktion des letzten Teilstücks, den Ostflügel, wurden seit Oktober 2004 rund 28,4 Millionen Euro investiert. Dieser wurde 1985 für die Baufreiheit durchbrochen. Die Vollendung des Museumszentrums wird laut Reidner 2012/13 angestrebt.

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