Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.01.2015

13:08 Uhr

Nach „Charlien Hebdo“-Attentat

Houellebecq will neues Buch in Köln vorstellen

Die Angst vor der angeblichen Islamisierung des Westens ist Thema in Houellebecqs neuem Roman. Nach dem Terroranschlag in Paris hatte sich der Autor zurückgezogen - eine Lesung in Köln soll aber stattfinden.

Michel Houellebecq: Der französische Schriftsteller erwartet die rechte Marine Le Pen als neue Staatspräsidentin der Grand Nation. dpa

Michel Houellebecq: Der französische Schriftsteller erwartet die rechte Marine Le Pen als neue Staatspräsidentin der Grand Nation.

KölnDer französische Autor Michel Houellebecq will trotz seines Rückzugs aus Paris nach dem Terroranschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ seinen islamkritischen Roman „Unterwerfung“ in Köln vorstellen. Das teilte der DuMont Buchverlag am Montag mit. Das Buch kommt am Freitag (16.1.) in Deutschland in die Läden, die Lesung soll am darauffolgenden Montag (19.1.) stattfinden.

Die Sicherheitsmaßnahmen im „Depot 1“ des Kölner Schauspiels würden voraussichtlich strenger sein als zunächst geplant, sagte Verlagssprecherin Julia Giordano. Der Veranstalter Lit.Cologne klärt derzeit nach Aussage seiner Sprecherin Doro Zauner die Sicherheitsanforderungen.

Nach Angaben von DuMont ist die Lesung am 19. Januar die einzige, die bisher in Deutschland geplant ist. Beim Erscheinungstermin der deutschen Ausgabe mit einer Startauflage von 100 000 bleibe es, sagte Giordano: „Wir liefern ab dem 14. Januar aus, bis Freitag sollte das Buch dann in 80 Prozent der Läden zu kaufen sein.“ Eine Werbekampagne beispielsweise mit Zeitungsanzeigen sei ohnehin nicht geplant gewesen. „Welches Buch könnte besser in unsere Zeit passen als dieses?“, heißt es auf der Verlagswebsite.

Konservative und Rechte: Wer sagt was zu Integration und Islam?

Debatten

Die Debatte um Zuwanderung, Asyl, Integration und den Islam in Deutschland wird immer schriller. Kleinster gemeinsamer Nenner ist die Ablehnung radikaler islamistischer Tendenzen. Die Grenze zwischen „Anti-Islamismus“ und Rassismus ist dabei aber oft nicht klar erkennbar. Einige Positionen dazu:

Quelle: dpa

Politischer Islam und Salafismus

- „Stoppt die Islamisierung Europas!“ lautet der zentrale Slogan der „Pegida“. Die Bewegung will nach Angaben der Organisatoren der Dresdner Demonstrationen „gewaltfrei und vereint gegen Glaubenskriege auf deutschem Boden“ kämpfen.

- Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagt: „Wir haben keine Gefahr der Islamisierung.“

- Die AfD ist „zunehmend besorgt über den Einfluss und die Gewaltbereitschaft der Islamisten in Deutschland“.

Islam

- Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner und der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Spahn fordern ein Burka-Verbot. In der Partei ist das umstritten. Spahn: „Burka geht gar nicht.“ Klöckner findet, es sei nicht akzeptabel, dass die Frauenverhüllung von linken Politikern als Ausdruck „kultureller Vielfalt“ verstanden werde.

- Bei der „Hogesa“ (Hooligans gegen Salafisten) heißt es plakativ: „Keine Scharia in Europa“.

- Die NPD behauptet: „Das sichtbarste Zeichen der ungebremsten Überfremdung unseres Landes ist die expansive Ausbreitung des Islam.“

Deutsche Identität

- Die Angst vor einem vermeintlichen Verlust der deutschen kulturellen Identität schürt vor allem die Bewegung „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ („Pegida“). Eine Rednerin sagte kürzlich bei einer Veranstaltung des Düsseldorfer Ablegers der Bewegung („Dügida“): „Heimat, Freiheit und Tradition“ sollten in Deutschland wieder wichtiger genommen werden. Es gehe darum, „die eigene Identität zu verteidigen“.

- Sachsens AfD-Fraktionschefin Frauke Petry fordert: „Mehr deutschsprachige Lieder im öffentlich-rechtlichen Rundfunk“.

Zuwanderung und Asyl

- FDP und AfD plädieren für das kanadische Modell: Einwandern sollen nur Fachleute aus Bereichen, in denen Arbeitskräfte fehlen. Der Familiennachzug wird eingeschränkt. Das Recht auf Asyl für politisch Verfolgte wird nicht angetastet. Die AfD favorisiert „heimatnahe“ Hilfe für Bürgerkriegsflüchtlinge.

- Die CDU/CSU fordert: „Bei Armutszuwanderung zügig handeln“.

- Die „Hogesa“ schürt vor allem Ängste in der bildungsfernen Unterschicht. In einem Lied heißt es wörtlich: „Alt, arm, obdachlos, einfach ausrangiert - doch für Fremde wird frisch renoviert.“

Integration

- Die CSU will Migranten, die dauerhaft in Deutschland leben wollen, motivieren, im täglichen Leben Deutsch zu sprechen.

- Der neue Chef der Jungen Union, Paul Ziemak, erntete auf dem JU-Deutschlandtag Applaus für Sätze wie „Wer die Scharia mehr achtet - da hilft kein Integrationskurs, da hilft nur Gefängnis“.

„Unterwerfung“ (im Original: „Soumission“) spielt im Jahr 2022. Die Präsidentschaftswahlen stehen an. Um einen Sieg Marine Le Pens von der rechtsextremen Front National (FN) zu verhindern, unterstützen Sozialisten und Konservative einen gemäßigten muslimischen Kandidaten. In Paris kommt es zu gewalttätigen Ausschreitungen.

Zwei islamistische Attentäter hatten in der Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris am Tag des Erscheinens von Houellebecqs Roman zwölf Menschen ermordet. Houellebecq (56) beschreibt in seinem Buch das Leben in Frankreich unter einem muslimischen Präsidenten. „Charlie Hebdo“ hatte eine Karikatur über den Autor auf der Titelseite.

Houellebecq zog sich nach dem Massaker aus Paris zurück. Sein Verlag Flammarion teilte mit, Houellebecq trauere um seinen Freund Bernard Maris, der bei dem Anschlag getötet wurde. Houellebecq sei tief betroffen. Zudem wolle Houellebecq seinen Roman vorläufig nicht mehr bewerben.

In einem Interview mit „The Paris Review“ hatte Houellebecq gesagt, er spiele mit der Angst, glaube aber eher an einen FN-Sieg. Bis sich die Muslime in Frankreich vereinten, um an die Macht zu kommen, könne es Jahrzehnte dauern.

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

12.01.2015, 13:28 Uhr

Man darf ihn schon noch Philosophen nennen, der er ja eigentlich ist.
Nur, weil er ein paar aufsehenerregende Bücher veröffentlicht, bleibt er im Kern doch, was er immer war, nämlich ein weitsichtiger und stets dazu lernender Philosoph.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×