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27.09.2012

15:22 Uhr

Nach „Harry Potter“

Run auf Rowlings Erwachsenen-Erstling bleibt aus

Fünf Jahre nach dem Riesenerfolg „Harry Potter" wechselt J. K. Rowling das Metier - ein Gesellschaftsroman soll die Bestsellerlisten erklimmen. Am ersten Verkaufstag bliebt der Ansturm der Leser in Deutschland aber aus.

J.K. Rowlings neuestes Werk

Video: J.K. Rowlings neuestes Werk

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Berlin/DüsseldorfWeltweit das gleiche Bild zur gleichen Zeit: 6 Uhr morgens in den USA, 8 Uhr in Großbritannien und 9 Uhr in Mitteleuropa, 17 Uhr in Australien, 19 Uhr in Neuseeland: Die Türen der Buchläden öffnen für die Schlangen von Rowling-Begeisterten, die in einer synchron getakteten, weltweiten Aktion ihren Erwachsenen-Erstling „Ein plötzlicher Todesfall“ herausbringt.

Wer mehr als 450 Millionen „Harry Potter“-Exemplare verkauft hat und reicher ist als die Queen, darf schon mal solche Regeln vorgeben. Über ihren neuen Roman „Ein plötzlicher Todesfall“ hat die britische Erfolgsautorin Joanne K. Rowling allerstrengste Geheimhaltung verhängt. Die Spannung vor dem Verkauf der ersten Exemplare am Donnerstag 9 Uhr war deshalb groß – natürlich auch, weil Rowling erstmals für Erwachsene geschrieben hat. „Das ist das geheimste Buch, das wir je gemacht haben“, sagt Ullstein-Verlegerin Siv Bublitz.

In Deutschland ist der große Ansturm auf das Buch am Erscheinungstag vorerst ausgeblieben. Auf der Königsallee in Düsseldorf gab es zum Verkaufsstart kein großes Gedränge. Die wenigen Exemplare von „Ein plötzlicher Todesfall“, die die Mayerschen Buchhandlung präsentierte, beachteten die Kunden kaum. Dabei habe das Geschäft den Roman in „Harry-Potter-Dimensionen„ geordert, sagte eine Verkäuferin. Auch in der Buchabteilung im benachbarten „Galeria Kaufhof“ hielt sich die Kauflust in Grenzen. Gerade einmal neun Exemplare versteckten sich in der Auslage zwischen den anderen Titeln. „Wir dachten, wir kriegen wieder so einen Knaller wie Harry Potter", sagt Verkäuferin Monika Ruther. „Es hat aber kein Mensch danach gefragt."

Gleiche Situation in München: Vor einer der größten Buchhandlungen am Marienplatz gab es keine Schlange, niemand habe vor dem Laden gewartet, sagte ein Sprecher der Buchhandelskette Hugendubel: „Kein Vergleich mit Harry Potter“. Die Bücher hätten wegen der strengen Geheimhaltungsauflagen des Verlages erst um 9 Uhr überhaupt ausgepackt werden dürfen. Daher hätten die Verkäufer das Buch erst einmal selbst querlesen müssen, um ihren Kunden wenigstens eine kleine Einschätzung geben zu können.

Bekannt geworden war im Vorfeld vom Inhalt des Buches kaum etwas: Aber was wäre eine weltweit geölte PR-Maschinerie, wenn nicht ein paar Blicke durchs Schlüsselloch den Hype noch mehr anheizen würden? Das renommierte US-Magazin „The New Yorker“ und die britische Tageszeitung „The Guardian“ durften offenbar schon recht ausführlich ins Manuskript schauen. Die anderen berufsmäßigen Buchbesprecher wurden auf den offiziellen Verkaufsstart vertröstet. Sie müssen sich dann im Eiltempo durch die – auf Deutsch – 567 Seiten fressen.

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Die Harry-Potter-Autorin hat erstmals ein Buch für Erwachsene geschrieben.

Sie habe so viele Verträge unterzeichnen müssen wie normalerweise bei einem Hauskauf, verriet die Autorin des „Guardian“. Alles zusammengenommen ist „Ein plötzlicher Todesfall“ offenbar eine leidenschaftliche Anklageschrift gegen die Kluft zwischen Arm und Reich, Macht und Ohnmacht, Liebe und Vernachlässigung in einer kleinen Stadt im Westen Englands. „Ich glaube, es gibt einen roten Faden – Vergänglichkeit und Moral, die beiden Dinge, von denen ich besessen bin“, verriet Rowling dem „New Yorker“.

Stille Hauptfigur ist der 40-jährige Gemeinderat Barry Fairbrother, der gleich zu Anfang stirbt. Weil sein Sitz im Gemeinderat neu besetzt werden muss, entbrennt in dem beschaulichen Ort ein erbittertes Hauen und Stechen. Stein des Anstoßes ist vor allem ein Armenviertel mit heruntergekommenen Häusern und vernachlässigten Kids, um das Fairbrother sich bisher gekümmert hat. Seine konservativen Nachbarn wollen diesen „Schandfleck“ der Stadt loswerden.

Warum die Meisterin der Hexengeschichten ihr Metier gewechselt hat und nun von sehr realen gesellschaftlichen Problemen schreibt, dafür hat sie eigenen Angaben zufolge keine direkte Erklärung. „Es ist einfach das, was ich jetzt schreiben wollte“, sagte die seit langem sozial engagierte Rowling am Mittwoch dem Sender BBC. Ausdrücklich fügte sie hinzu, es sei „wirklich kein Buch für Kinder“. Schließlich geht es den Berichten zufolge auch um Drogen, Sex, Gewalt, benutzte Kondome vor der Haustür und einen Jungen, der „mit einem Stechen im Herzen und in den Eiern“ im Schulbus sitzt.

Harry Potter Teile

Harry Potter und der Stein der Weisen

Der Waisenjunge Harry wächst bei seiner Tante und seinem Onkel auf. Die behandeln ihn allerdings ziemlich schlecht. Statt in einem eigenen Zimmer muss er in einer Kammer unter der Treppe schlafen. An seinem 11. Geburtstag taucht plötzlich ein Magier auf, der Harry mitteilt, dieser sei selber ein berühmter Zauberer. Er nimmt Harry mit auf die Zauberschule Hogwarts, wo er seine Freunde Ron und Hermine kennenlernt und erste Abenteuer erlebt.

Harry Potter und die Kammer des Schreckens

Nachdem die Kammer des Schreckens in Hogwarts geöffnet wurde, wird die Zauberschule von einem Monster heimgesucht. Harry und seine Freunde müssen dagegen kämpfen. Dabei erfährt Harry auch viele neue Einzelheiten über sein Schicksal. Weil der böse Zauberer Voldemort seine Eltern getötet hat, Harry selber aber nicht verletzten konnte, scheint auch viel böse Magie-Kraft in Harry zu schlummern.

Harry Potter und der Gefangene von Askaban

Ein angeblicher Massenmörder ist aus dem Zauberei-Gefängnis Askaban ausgebrochen und verbreitet Angst und Schrecken. Doch es stellt sich heraus, dass der Gefangene Harrys Patenonkel ist und eigentlich auf der Seite der guten Zauberer steht.

Harry Potter und der Feuerkelch

In Hogwarts findet ein wichtiger Zauber-Wettkampf statt. Dabei allerdings zeigt auch der böse Lord Voldemort seine wachsende Macht. Zum ersten Mal in den „Potter“-Geschichten stirbt jemand - und zwar Harrys Mitschüler
Cedric Diggory. Im Film wird er gespielt von Robert Pattinson, der mittlerweile durch die „Twilight“-Filme zum Star aufgestiegen ist.

Harry Potter und der Orden des Phönix

Die „Potter“-Geschichten werden dunkler. Lord Voldemort und seine Gefolgschaft dunkler Magier sind immer mächtiger. Der Orden des Phönix will sich dagegen stellen und für das Gute in der Welt kämpfen.

Harry Potter und der Halbblutprinz

Harry entdeckt ein Zauberbuch, dessen Besitzer ein mysteriöser Halbblutprinz ist. Im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, dass sich dahinter Voldemort selber versteckt. Harry und der Schuldirektor Albus Dumbledore finden
neue Wege, um gegen Voldemort zu kämpfen. Doch am Ende steht eines der tragischsten Ereignisse der Reihe: Dumbledore wird getötet.

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil I

Harry, Ron und Hermine machen sich auf die Suche nach den sogenannten Horkruxen - Gegenstände, die für Voldemort überlebenswichtig sind. Nur wenn sie alle zerstört sind, kann der böse Magier besiegt werden. Das Trio muss bei seiner Suche mit vielen Gefahren fertig werden.

Rowlings Stil sei nicht einfach zu übersetzen, finden Susanne Aeckerle und Marion Balkenhol, die gemeinsam für die deutsche Fassung verantwortlich zeichnen. „Anfangs legt man munter los, aber der Teufel steckt im Detail“, berichteten sie laut Verlag. Das Duo hatte nur vier Wochen Zeit für die mehr als 500 Seiten, es musste im Gebäude des Verlags Little, Brown in London arbeiten. Die Laptops seien mit dreifachen Codewörtern gesichert und mit einem Sicherheitsschloss am Schreibtisch angekettet gewesen, erzählten die beiden. In der Druckerei gab es Taschenkontrollen für die Mitarbeiter, die Auslieferung erfolgte in verplombten Lastwagen.

Carlsen-Geschäftsführer Joachim Kaufmann, der auch schon die ebenfalls geheime Auslieferung der Potter-Bände gemanagt hat, verteidigt die Strategie. „Der Inhalt ist so gut und so überraschend anders als Harry Potter, dass er es verdient hat, dass mit dem Erscheinungstermin ALLE gleichzeitig lesen können und sich nicht durch Vorabgerüchte ihre Meinung bilden müssen“, sagte Kaufmann. Zudem sei es nötig, sich vor dem immer größer werdenden Problem der Piraterie zu schützen.

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