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23.01.2014

15:43 Uhr

Nach Wagenknecht-Sendung

Alle gegen Lanz

VonDésirée Linde

Markus Lanz war stets der Gegenentwurf zum Alphamann. Dann wurde er fies. Das allein erklärt nicht den Hass, der sich über den Moderator ergießt. Er droht am Anspruch zu scheitern, eine eierlegende Wollmilchsau zu sein.

Sendung des Anstoßes: Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht bei „Markus Lanz“. Foto: ZDF/Screenshot

Sendung des Anstoßes: Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht bei „Markus Lanz“.

Foto: ZDF/Screenshot

Markus Lanz ist ein Linker. Er hat das öffentlich-rechtliche ZDF infiltriert. Heimlich über so unverdächtige Sendungen wie „Lanz kocht“ oder später das Dickschiff „Wetten, dass..?“ hat er sich tief ins Herz der als konservativ geltenden Sendeanstalt eingeschlichen und dann zugeschlagen.

Sein Meisterstück war die Talkshow am 16. Januar mit der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht. Anders ist nicht zu erklären, warum er die Partei-Vize derart glänzen ließ. Von allen Seiten wurde Wagenknecht für ihre Standhaftigkeit gegenüber dem Lanz'schen Gewitter aus dumm-dreisten Unterbrechungen, seinem oberlehrerhaften Beharren auf abwegigen, pseudo-investigativen Fragen und dem empörten Schulterschluss mit Wut-Journalist Hans-Ulrich Jörges vom „Stern“ gelobt. Besser ins Licht gesetzt war Wagenknecht selten.

Stationen im Leben von Markus Lanz

Die Geburt

Im Jahr 1969 wird Lanz im Südtiroler Bruneck in Italien geboren.

Die Ausbildung

Mit 22 Jahren beginnt der Südtiroler eine zweijährige Lehre als Kommunikationswirt.

Nächster Halt: RTL

Nach seiner Ausbildung und einem Volontariat bei Radio Hamburg fängt Markus Lanz 1995 bei RTL in Hamburg als Nachrichtensprecher eines Regionalmagazins an.

Aufstieg bei RTL

1997 startet Lanz als Moderator der Sendung „Guten Abend RTL“. Als Schwangerschaftsvertretung von Barbara Eligmann übernimmt er ein Jahr später die Moderation von „Explosiv“. Fünf Jahre später ist er Redaktionsleiter.

Kurzes Zwischenspiel bei „Outback“

Im Jahr 2002 präsentiert der Südtiroler elfmal die Reality-TV-Serie „Outback“.

Der Wechsel zum ZDF

Der Moderator wechselt 2008 zum ZDF und präsentiert seitdem die Talkshow „Markus Lanz“ an drei Abenden in der Woche. Außerdem startet er mit der Kochshow „Lanz kocht“. 2012 wird er Nachfolger von Thomas Gottschalk bei „Wetten, dass..?“

Privates Glück

Nachdem 2006 seine Beziehung zu Birgit Schrowange, mit der er den zwölfjährigen Sohn Laurin hat, auseinandergeht, heiratet Markus Lanz Mitte 2011 die Betriebswirtin Angela Gessmann. Die Trauung findet in seinem Südtiroler Heimatdorf gut abgeschirmt von Fans und Presse statt. (Quelle: dpa)

Für seine aufopferungsvolle Tat für die deutschen Roten steckt Lanz jetzt mächtig Prügel ein. In der Internet-Petition wächst stündlich die Zahl derer, die fordern „Lanz raus aus meiner Rundfunkgebühr“. Am Donnerstagnachmittag waren es schon mehr als 130.000. Seine offizielle Fanpage bei Facebook hat nicht mal 30.0000. Über die einschlägigen Kanäle – Facebook, Twitter und in den Kommentarbereichen unter den Berichten über Lanz – ergießt sich nicht mehr nur Spott und Hohn, sondern regelrecht Hass. Und Menschen, die sich „wahrlich nicht links“ nennen, ergreifen für Sahra Wagenknecht Partei.

Dass sein Plan so gut funktionieren würde, damit dürfte Lanz nicht gerechnet haben.

Jahrelang hatte der heimliche Linke an seinem Schwiegersohn-Image gebastelt. Er war der Nette, der Besonnene, der Bescheidene, den ein Journalist mal als Beta Male – im Gegensatz zum Alphamann – bezeichnet hat. Heute wissen wir: Alles ein Ablenkungsmanöver. Denn dann, als sich alle in der Gegenwart vom netten Lanz wohl und sicher fühlten, wurde er fies. Denn welcher Schwiegersohn lässt schon sein Gegenüber, gerade wenn es eine Frau ist, nicht ausreden? Den Damen, die ihn gern als Schwiegersohn gehabt hätten, dürfte während des Wagenknecht-Verhörs das Likörgläschen aus der Hand gefallen sein.

Man möchte Lanz fast wünschen, dass genau das sein Plan gewesen ist. Denn der setzt Gradlinigkeit voraus. Aber es ist wohl doch alles viel einfacher.

Kommentare (19)

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Boehm

23.01.2014, 14:17 Uhr

Es bestätigt sich immer mehr der Eindruck, dass das ZDF nahezu ausschließlich aus Herrn Lanz besteht. Seine Moderation, gleich bei welcher Sendung, war schon immer äußerst fragwürdig.

Libero

23.01.2014, 14:29 Uhr

Fragwürdig ist eher, warum Frau Wagenknecht, der man zumindest ansatzweise unterstellen könnte, dass sie es mit unserem Grundgesetz und unserem freiheitlichen Denken nicht so genau nimmt, beim ZDF eine Plattform bekommt um sich zu profilieren.

zarakthuul

23.01.2014, 14:33 Uhr

Hass?
Ich habe überwiegend sachliche Kritik gelesen. Wer sein Geld in der Öffentlichkeit verdient, muss auch mit der Kritik dieser Öffentlichkeit leben können. Zumal es auch Stimmen für Herrn Lanz gibt.
Auch gibt es Menschen, die keine Konsumenten von ARD und ZDF sind, aber die dort angestellten Dampfplauderer mitfinanzieren müssen, so wie ich. Da stimmt man dann schon mal pro forma gegen das System der Zwangsfinanzierung.

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