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04.07.2016

17:56 Uhr

Nach Warhol-Versteigerung

NRW wendet weiteren Verkauf von Kunstwerken ab

Die landeseigenen Unternehmen Westspiel, WDR und Portigon besitzen millionenschwere Kunst und wollen sie verkaufen – oder haben es schon. Zumindest die Portigon-Sammlung rettete das Land NRW vor dem Verkauf ins Ausland.

Die zwei Tafeln „Geburt Johannes des Täufers“ und „Johannes vor Herodes Antipas“ von Giovanni di Paolo gehören ebenfalls zur Kunstsammlung des WestLB-Nachfolgers Portigon. dpa

NRW kauft Portigon-Sammlung

Die zwei Tafeln „Geburt Johannes des Täufers“ und „Johannes vor Herodes Antipas“ von Giovanni di Paolo gehören ebenfalls zur Kunstsammlung des WestLB-Nachfolgers Portigon.

DüsseldorfWochenlang dauerte es im Herbst 2014, bis die Kulturszene in Nordrhein-Westfalen begriff, was für ein Kunstverlust dem Land drohte. Doch als sich der öffentliche Protest erhob, war es schon zu spät: Der Casino-Betreiber Westspiel ließ zwei Siebdrucke von Andy Warhol aus der Aachener Spielbank in New York versteigern. Es war ein Riesengeschäft. Rund 120 Millionen Euro brachten „Triple Elvis“ und „Four Marlons“ ein. Westspiel war erst einmal saniert. Die Kunst war weg.

Dass Kunst aus landeseigenen Unternehmen verkauft wird, um diese zu sanieren, galt bisher als Tabubruch in der Kultur. Museumsdirektoren sprachen von einer „kulturpolitischen Bankrotterklärung“.

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Doch schon Anfang 2015 kam die nächste Hiobsbotschaft: Die WestLB-Nachfolgerin Portigon AG kündigte an, die millionenschwere Kunstsammlung der einst mächtigen und nun zerschlagenen Westdeutschen Landesbank abzustoßen. Ein bundesweiter Proteststurm zog auf, auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) warnte vor einer Abwanderung von national wertvollem Kulturgut – und diesmal reagierte die rot-grüne Landesregierung früh genug. Monatelang verhandelten das Land und Portigon über einen Ankauf der Kunstwerke, die von mittelalterlichen Altartafeln bis zu einem Nagelbild von Günther Uecker reichen.

Am Montag wurde der Vertrag besiegelt: Der Großteil der fast 400 Kunstwerke wird vom Land gekauft und in eine landeseigene Stiftung überführt. 30 Millionen Euro kosten die 297 wichtigsten Kulturgüter, deren Marktwert aber inzwischen bereits höher liegen dürfte. In der Gesamtsumme inbegriffen ist auch die auf fünf Millionen Euro geschätzte Stradivari „Lady Inchiquin“. Stargeiger Frank Peter Zimmermann hatte sie zehn Jahre gespielt, musste sie abgeben und bekommt sie nun in Kürze zurück. Binnen zehn Wochen sollen die gekauften Kunstwerke an Museen in ganz NRW verteilt werden.

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