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29.01.2005

09:00 Uhr

Nach zehn Jahren wieder ein Werk von Hans W. Geißendörfer: „Schneeland“ ist schön – und viel zu lang

Irren durch die weiße Wüste

VonThomas Knüwer

Es gibt Hochzeiten, die machen einfach keinen Spaß. Arrangiert werden sie meist von liebenden Paaren, die diesen Tag als Höhepunkt ihres Lebens inszenieren und nichts dem Zufall überlassen wollen.

HB DÜSSELDORF.Heraus kommen dann überorganisierte Feiern, die zwar mit großem Prunk begangen werden, dem Auge viel bieten. Aber Spaß? Spaß machen sie keinem der Gäste - außer dem Brautpaar vielleicht.

So ähnlich verhält es sich mit "Schneeland", dem ersten Film von Hans W. Geißendörfer nach zehn Jahren. "Irgendwann explodiert?s. Dann will man die Enge des Studios mit den Weiten der Landschaft tauschen", sagt der Autorenfilmer, der seit 20 Jahren die "Lindenstraße" produziert und gerade die 1000. Folge feiert.

"Kino und Fernsehen sind für mich getrennte Dinge. Kino schreit nach dem großen Bild. Man erzählt über das Bild mindestens genauso viel wie über die Sprache, während das Fernsehen sich hauptsächlich über den Dialog mitteilt."

Allein, da liegt wohl das Problem: Geißendörfer verliert sich in großen Bildern und vernachlässigt Charakterzeichnung und Dialoge. Hölzern wirken seine Figuren trotz hervorragender Darsteller. In Monologen teilen sie ihre Gefühle mit, weil die Bilder diese nicht verraten.

Dabei steckt hinter "Schneeland" der gleichnamige Roman der schwedischen Autorin Elisabeth Rynell, ein "faszinierender Wechselgesang über das Motiv der Liebe und des Verlusts", wie die Stockholmer Tageszeitung "Svenska Dagbladet" bei der Veröffentlichung jubelte.

Erzählt werden zwei Geschichten: zum einen die der jungen Inna (Julia Jentsch), die mit ihrem buckeligen Vater (Ulrich Mühe) in der Einöde Lapplands lebt. Der zwingt sie mit Schlägen dazu, die Rolle ihrer verstorbenen Mutter zu übernehmen - in jeder Beziehung.

Sie aber verliebt sich in den Pferdehirten Aron (Thomas Kretschmann). Doch der will vor einer Hochzeit reinen Tisch mit seiner Familie und seiner dunklen Vergangenheit machen. Beim Versuch, einen Brief in die Stadt zu bringen, erfriert er.

Umrahmt wird diese Handlung aus den 30er-Jahren mit dem Versuch einer Schriftstellerin aus unserer Zeit (Maria Schrader), sich nach dem Tod ihres Mannes im Eis umzubringen. Dort aber trifft sie auf die vereiste Leiche von Inna und deren Geschichte.

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