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17.09.2013

10:02 Uhr

Nachwuchsfilmpreis

Filmpreis für umstrittenen Hitler-Spot

Eine 91 Jahre alte Omi tanzt für Rosa von Praunheim und Mercedes „erkennt Gefahren bevor sie entstehen“. Ein umstrittener Werbefilm gewinnt einen Preis. In Berlin wurden die First Steps Awards verliehen.

Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg haben einen provokanten Spot mit einem Mercedes gedreht – und damit den Unmut des Autobauers erregt. In dem Video erkennt das Auto dank seines Fahrerassistenzsystems Gefahren, „bevor sie entstehen“ – und tötet dabei kurzerhand den jungen Adolf Hitler. dpa

Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg haben einen provokanten Spot mit einem Mercedes gedreht – und damit den Unmut des Autobauers erregt. In dem Video erkennt das Auto dank seines Fahrerassistenzsystems Gefahren, „bevor sie entstehen“ – und tötet dabei kurzerhand den jungen Adolf Hitler.

BerlinEin Spot, in dem Adolf Hitler als kleiner Junge von einem Mercedes überfahren wird: Darf Werbung so etwas? Die Jury des Nachwuchsfilmpreises First Steps Award fand den Clip gut. Und so durfte sich Regisseur Tobias Haase, Absolvent der Filmakademie Ludwigsburg, am Montagabend in Berlin die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für den besten Werbefilm abholen.

Normalerweise geht es bei dem renommierten Preis, der von der Deutschen Filmakademie ausgerichtet wird, mehr um die nominierten Spielfilme. Dieses Mal waren etwa Helmut Dietls Sohn David („König von Deutschland“) und Frauke Finsterwalder („Finsterworld“) unter den Kandidaten. Aber der an die Grenzen gehende Werbespot von Tobias Haase war schon vorab im Internet ein Hingucker. Als er bei der Verleihung auf der großen Leinwand lief, ging das Publikum richtig mit.

Hitler wird darin dank moderner Autotechnik in seinem österreichischen Heimatdorf als Kind überfahren. Am Ende erscheint der Slogan „Erkennt Gefahren, bevor sie entstehen“.

Der Autohersteller Mercedes-Benz, ein Unterstützer des Filmpreises, hatte sich von dem Clip distanziert. Die Jury stärkte Haase den Rücken, er bleibe seinen Idealen treu. „Solche Ideen-Verfechter braucht die Kreativbranche.“ Als Zuschauer werde man durch den Spot förmlich gezwungen, sich eine Meinung zu bilden. Noch nie habe die Jury so kontrovers diskutiert.

Kommentare (1)

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Torsten_Steinberg

17.09.2013, 10:52 Uhr

Der umstrittene Werbespot trifft sehr gut den Zeitgeist und spiegelt wahrheitsgetreu das Gedankengut wider, mit dem die Amerikaner - und nicht nur die - ihren "War against Terror" legitimieren: Terroristen eliminieren, bevor sie Attentate begehen können. Der Werbespot spinnt die Botschaft noch einen Schritt weiter: Menschen töten, schon bevor sie Terroristen werden können. In was für einer Welt leben wir eigentlich?

Man muss der Jury eigentlich dankbar sein für diese Preisverleihung. Sollte doch die Tatsache, dass manch einer sich über so einen Spot freuen kann, jedem dafür die Augen öffnen, wie weit wir in Deutschland Zynismus und Kaltblütigkeit schon wieder auf die Spitze treiben. Dem Menschen wird eine deterministische Funktionalität zugeschrieben, als würde er als Terrorist, als Diktator oder Versager oder was auch immer geboren. Als würde er nicht die Chance haben, sich in jedem Moment seines Lebens neu zu entscheiden und seinem Leben eine ganz andere Richtung zu geben (vielleicht doch Maler werden?).

Da lobe ich mir einen Steinbrück, der sich nicht zu schade ist, in der Spaßshow "Circus Halligalli" aufzutreten und auf die Frage, wofür er steht, nachdem er in der Schule zweimal sitzengeblieben war, genau die gegenteilige Botschaft zu verkünden, nämlich "Für eine zweite Chance (in seinem wohl sogar dritte Chance) für all jene, denen es ähnlich geht." Dafür ein Medienpreis wäre ehrlicher verdient, als der Preis, den die Deutsche Filmakademie für diesen gedankenlosen Werbespot vergeben hat.

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