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08.07.2015

08:22 Uhr

Nagel Auktionen

Chinas Sammler entdecken den Orientalismus

VonSabine Spindler

Zurückhaltende Bieter prägen die Kunst- und Antiquitäten-Auktionen bei Nagel in Stuttgart. Lebhafteres Interesse gilt den Gemälden des späten 19. Jahrhunderts. Ein vielteiliges Jugendstil-Besteck von Richard Riemerschmid erzielt rund 20 Prozent des Umsatzes.

Unverkennbar ist Max Nonnenbruchs Werk von den englischen Symbolisten des ausgehenden 19. Jahrhunderts beeinflusst. In München hatte er mit seinem dekorativen, leicht pathetischen Stil eine Schlüsselposition. Bis heute sind seine Werke gefragt. "Die Jugend" wurde mit 29.000 Euro (inkl. Aufgeld)  teuerstes Gemälde der Auktion. Foto: Nagel Auktionen

Halbakt im mediterran-antikischen Stil

Unverkennbar ist Max Nonnenbruchs Werk von den englischen Symbolisten des ausgehenden 19. Jahrhunderts beeinflusst. In München hatte er mit seinem dekorativen, leicht pathetischen Stil eine Schlüsselposition. Bis heute sind seine Werke gefragt. "Die Jugend" wurde mit 29.000 Euro (inkl. Aufgeld)  teuerstes Gemälde der Auktion. Foto: Nagel Auktionen

StuttgartMit dem sogenannten „Secessionsbesteck“ brachte Richard Riemerschmid 1899 die Moderne auf die großbürgerliche Tafel. Die ergonomische Kühnheit erregt selbst 100 Jahre später die Gemüter, zumindest im Auktionssaal. Weit mehr als ein Dutzend Museen, Händler und Sammler engagierte sich, als Nagel in Stuttgart am 1. Juli 2015 in seiner Auktion „Kunst & Antiquitäten“ diesen Meilenstein eines Jugendstilentwurfs aufrief. In zwei Positionen zu äußerst moderaten Taxen von 2.500 und 9.500 Euro hatte das Auktionshaus die 180 Silberteile offeriert. Für insgesamt 266.000 Euro (alle Erlöse inkl. Aufgeld) gingen sie komplett in die Hände eines Sammlers aus Deutschland. Ein stattlicher Preis. Ein etwas kleinerer Satz hatte vor fünf Jahren in einem anderen Haus 145.000 Euro eingespielt.

Antiquitäten sind wenig gefragt

Auf ein Schnäppchen hofften wohl auch zahlreiche Interessenten aus London, Paris und Deutschland im Falle eines fein gearbeiteten Kokosnusspokals aus dem frühen 16. Jahrhundert. Das bei 1.800 Euro aufgerufene, kupferne Kunstkammerobjekt ging für 26.500 Euro in den süddeutschen Handel.

Das Besteck und der Kokosnusspokal blieben die großen Ausnahmen. Der Antiquitätenmarkt floriert derzeit nicht. Ein ausländischer Händler sicherte sich etwas über der Schätzung für ca. 36.000 Euro eine gotische Madonnenskulptur aus dem 14. Jahrhundert mit vieldeutigem Lächeln. Der bronzene Napoleon zu Pferd als Kaminuhr reizte einen russischen Sammler. Die französische Arbeit aus dem 19. Jahrhundert ging taxgerecht für 13.300 Euro in seine Hände.

Doch ca. 60 Prozent des Angebots wurde nicht versteigert. Selbst Qualität animiert derzeit nicht zur Investition, wenn die Taxen bereits ausgereizt scheinen. Das betraf besonders den attraktiven Satz handgemalter, Piemonteser Papiertapeten von 1770, für die 28.000 Euro erwartet wurden.

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