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12.02.2013

10:40 Uhr

Nagel Auktionen

Rundmöbel ohne Patina und Makel

VonSabine Spindler

Ein ausgefallener Schreibschrank krönt die Februar-Auktionen von Nagel in Stuttgart. Mit 50 kleinen Schubläden und Geheimfächern gehört er zu den besten Stücken seiner Zeit. Der Schwerpunkt des Angebots liegt auf Einrichtungen, die ein internationales Publikum anziehen sollen.

Spitzenlos bei Nagel: musealer Wiener Kabinett-Sekretär von 1816/17, Gesamthöhe: 220 cm, Taxe: 130.000 Euro Nagel Auktionen

Spitzenlos bei Nagel: musealer Wiener Kabinett-Sekretär von 1816/17, Gesamthöhe: 220 cm, Taxe: 130.000 Euro

StuttgartDer Markt für historische Möbel ist seit Jahren ein heikles Pflaster. Nur noch Außergewöhnliches reizt zu hohen Investitionen. Mit großem Interesse rechnet der Stuttgarter Versteigerer Nagel, wenn auf seiner Auktion Kunst & Antiquitäten am 20. und 21. Februar ein österreichischer Sekretär in Form eines Tempietto (Rundtempels) zum Aufruf kommt. Das Schreibmöbel entstand 1816/17 und ist auf 130.000 Euro geschätzt. Vieles an dem Stück, das von Georg Fischer aus Klosterneuburg bei Wien geschreinert wurde, ist beeindruckend. Sekretäre in Zylinderform sind schon für sich eine seltene Spezies. Doch öffnet man hier die gebogenen Türen, erscheint ein opulent ausgeschmücktes, detailreiches und drehbares Kabinett. 50 kleine Schubläden, Geheimfächer und verschließbare Kassiber vereint das originäre Werk. Der Möbelhistoriker Hans Ottomeyer zählt es aufgrund seiner hohen Qualität in der von Nagel herausgegebenen Sonderbroschüre „zu den besten Stücken seiner Zeit“.

Umstrittene Restaurierung

Der hoch polierte, makellose Zustand des Möbels wird von Sammlern hingegen kritisch betrachtet. Sie wollen Patina und einen authentischen Zustand. Die preislichen Erwartungen dämpft das im Hause Nagel nicht.  „In Amerika zum Beispiel legt man in punkto Restaurierung andere Maßstäbe an“, sagte Geschäftsführer Rudolf Pressler dem Handelsblatt.

Bei der Taxierung hat man sich an den Top-Exemplaren des internationalen Auktions-Marktes orientiert. Wie zum Beispiel an dem Wiener Lyra-Sekretär aus belgischem Adelsbesitz, den 2006 die Galerie Neuse bei Christie´s in Amsterdam für 314.000 Euro (inkl. Aufgeld)  ersteigerte. Erst vor wenigen Wochen wurde das Möbel für 550.000 Euro an das Museum für angewandte Kunst in Köln verkauft. Auch das Dorotheum in Wien erzielte 2010 für einen österreichischen Empiretisch nach einem Entwurf der napoleonischen Designheroen Percier und Fontaine mit 202.800 Euro inkl. Aufgeld einen Spitzenpreis.

50 Schubläden und Geheimfächer: musealer Wiener Kabinett-Sekretär von 1816/17. Nagel Auktionen

50 Schubläden und Geheimfächer: musealer Wiener Kabinett-Sekretär von 1816/17.

Frage der Provenienz

Mit großen Architektennamen kann man im Falle des Kabinett-Sekretärs nicht aufwarten. Doch wundert es, dass ein so ambitioniertes Möbel mit Griffen aus Silber keine Besitzer-Genealogie haben soll. „Man kann davon ausgehen, dass die Provenienz bedeutend ist.“, beteuerte Rudolf Pressler. Aber man habe darüber mit dem Einlieferer Stillschweigen vereinbart.

Nicht nur mit dem Sekretär scheint Nagel eine internationale Kundschaft ansprechen zu wollen. Das Auktionshaus, das jahrzehntelang in Sachen Interieur breit aufgestellt war,  hat sein Angebot auf diesem Gebiet stringenter ausgerichtet. „Es geht dem Markt heute nicht nur um Einrichtungen, sondern um bedeutende Objekte.“, so Rudolf Pressler. Ein mit 20.000 Euro taxiertes Eckschränkchen von ca. 1800 und eine klassizistische Konsole in der Art des Luxemburger Ebenisten Bernard Molitor (8.000 Euro) unterstreichen diesen eingeschlagenen Weg.  Das Eckschränkchen ist dem Stuttgarter Hof-Ebenisten Johannes Klinckerfuss zugeschrieben und war noch vor zwei Jahren auf der Tefaf bei einem deutschen Möbelhändler zu sehen.

Abraham Brueghel (1631-1697): "Früchtestilleben mit junger Frau und Putto als Allegorie des Herbstes", Öl auf Leinwand. (Ausschnitt) Nagel Auktionen

Abraham Brueghel (1631-1697): "Früchtestilleben mit junger Frau und Putto als Allegorie des Herbstes", Öl auf Leinwand. (Ausschnitt)

Alte Meister aus Italien

Insgesamt  umfasst die Auktion 740 Lose. Aus einer alten italienischen Sammlung stammen die bedeutendsten Altmeistergemälde. Mindestens  60.000 und 50.000 Euro erwartet man für ein Paar Früchtestillleben von 1670/75 und eine mit Feigen und Kürbissen versinnbildlichte Allegorie des Herbstes, beide von  Abraham Brueghel, einem Urenkel Pieter Brueghels. Moderat ist mit  3.000 Euro Franz von Stucks Bronze „Reitende Amazone“ taxiert. 2011 erzielte ein Exemplar der Skulptur bei Sotheby’s in Paris 28.000 Euro.

Vorbesichtigung vom 15. bis 18. Februar von 11 bis 18 Uhr

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