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30.01.2014

21:26 Uhr

Nazi-Raubkunst

Suche beginnt jetzt auch im Heiligen Land

Israel betrachtete die Rückerstattung geraubter Kunst aus der Zeit des Nationalsozialismus bisher als eine Herausforderung „für die anderen“. Nun werden israelische Sammlungen aufgefordert, Provenienzforschung zu betreiben.

Für Lesser Urys beeindruckendes Nachtbild vom Potsdamer Platz (ca. 1925) sind die Erben noch nicht ausfindig gemacht. (Ausschnitt) Israel Museum, Jerusalem

Für Lesser Urys beeindruckendes Nachtbild vom Potsdamer Platz (ca. 1925) sind die Erben noch nicht ausfindig gemacht. (Ausschnitt)

JerusalemWährend weltweit seit Jahren Anstrengungen zur Identifizierung und Rückerstattung von NS-Raubkunst unternommen werden, geraten jetzt auch Israels Museen unter Druck. Auch sie sollen ihre Sammlungen systematisch auf Objekte durchsuchen, die die Nazis den Eigentümern weggenommen hatten. Das hat zum Jahresbeginn Hashava (hebräisch für "Rückerstattung") gefordert, eine vom israelischen Parlament gegründete Organisation mit 60 Angestellten. Hashava spürt den Besitz von Holocaustopfern in Israel auf, um ihn den Erben der ursprünglichen Eigentümer zurückzuerstatten. Denn inzwischen weiß man: Viele dieser verwaisten Kunstobjekte gelangten in den 1950er-Jahren nach Israel.

Seit ihrer Gründung vor sechs Jahren hat sich Hashava vor allem auf die Rückerstattung von Ländereien, Aktien und Bankkonten im Wert von umgerechnet mehreren hunderttausend Dollar konzentriert.  Vor dem Holocaust investierten Tausende von europäischen Juden im damaligen Palästina. Hashava ist es bisher gelungen, 20 Prozent der Vermögenswerte ermordeter Juden auf die rechtmäßigen Erben zu übertragen.

Egon Schieles Ölbild der Altstadt von Krumau (1915). Die Erben sind unbekannt. (Ausschnitt) Israel Museum, Jerusalem

Egon Schieles Ölbild der Altstadt von Krumau (1915). Die Erben sind unbekannt. (Ausschnitt)

Neues Gesetz in Vorbereitung

Jetzt will Hashava zusätzlich auch die Restitution von Kunstgegenständen vorantreiben. Israels Museen sind offiziell aufgerufen, bei der Suche nach gestohlenen Bildern aus der Nazizeit mitzuhelfen. Ein neues Gesetz, das in Vorbereitung ist, soll diese Verpflichtung regeln. Als ersten Schritt mahnte Kulturministerin Limor Livnat die Museen Anfang Januar zur Provenienzforschung in ihren Sammlungen. Sie sollen bis Ende des Monats abschätzen, wie teuer die Abklärungen sein werden. Dann will sie beim Finanzminister entsprechende Mittel beantragen.

Für Israel ist das ein Novum. Die Rückerstattung geraubter Kunst aus der Nazi-Zeit wurde bisher als Herausforderung „für die anderen“ betrachtet. Ob oder wie viele Bilder in Israels Museen hängen, die die Nazis den Eigentümern entwendet hatten, wurde kaum systematisch überprüft. In Israel, der Heimat des jüdischen Volkes, Raubkunst zu finden, hielt man für unwahrscheinlich, zumal der Staat erst nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde.

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