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15.05.2015

19:00 Uhr

Nazi-Raubkunst

Zwei Gemälde aus Gurlitt-Sammlung zurückgegeben

Ein Meilenstein im Fall Gurlitt: Das Matisse-Gemälde „Sitzende Frau“, erklärtermaßen Nazi-Raubkunst, ist zu seinen rechtmäßigen Besitzern zurückgekehrt. Auch ein Bild von Max Liebermann wurde zurückgegeben.

Das Matisse-Gemälde „Sitzende Frau“ aus der Raubkunst-Sammlung Gurlitt, ist wieder bei seinen rechtmäßigen Besitzern. AFP

Familie hofft auf Signalwirkung

Das Matisse-Gemälde „Sitzende Frau“ aus der Raubkunst-Sammlung Gurlitt, ist wieder bei seinen rechtmäßigen Besitzern.

MünchenZwei Gemälde aus der umstrittenen Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt sind zu ihren rechtmäßigen Besitzern zurückgekehrt. Es handelt sich um „Zwei Reiter am Strand“ von Max Liebermann und um die „Sitzende Frau“ von Henri Matisse. Das Liebermann-Bild ging bereits am Mittwoch an die Erben. Das Werk von Matisse, das der Familie Rosenberg gehört, wurde am Freitag in der Nähe von München in Empfang genommen: „Das ist ein sehr glücklicher Tag“, sagte der Rechtsanwalt der Familie, Christopher Marinello, der Deutschen Presse-Agentur. „Meine Mandanten sind sehr froh und dankbar.“

Gurlitts Nachlassverwalter Stephan Brock bestätigte die Übergabe der „Zwei Reiter am Strand“. Was mit dem Kunstwerk nun geschieht, sagte er nicht. Der New Yorker Anwalt David Toren hatte das Bild des Berliner Malers Liebermann (1847 - 1935) schon frühzeitig für sich und seinen Bruder zurückgefordert und im März 2014 die Bundesrepublik Deutschland und Bayern sogar wegen Kunstraubes durch die Nazis vor einem Gericht in Washington verklagt. Der heute in New York lebende Toren hatte nach Angaben seines Anwalts mit 14 Jahren aus Deutschland fliehen müssen.

Unklar ist auch, wo das Gemälde von Matisse (1869 - 1954) in Zukunft hängen wird. „Es ist in einem guten Zustand“, sagte der Rosenberg-Anwalt Marinello. Bevor es an die Familie zurückgehe, werde es aber dennoch gründlich gereinigt und restauriert. Seit Matisse habe niemand mehr Hand an das Gemälde angelegt.

Die Familie Rosenberg hatte lange für die Rückgabe des Ölgemäldes gekämpft, das jahrzehntelang verschollen war. Mit Hunderten anderen Kunstwerken wurde es 2012 in Gurlitts Wohnung in München-Schwabing gefunden und von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Immer wieder verzögerte sich die Rückgabe. „Die vergangenen 18 Monate waren eine Achterbahnfahrt“, sagte Marinello. „Wir hatten nicht erwartet, dass es so lange dauert.“

Das Bild war dem jüdischen Kunsthändler Paul Rosenberg von den Nationalsozialisten geraubt worden, wie die mit der Herkunftsforschung beauftragte Taskforce „Schwabinger Kunstfund“ bestätigte. Insgesamt verlor Rosenberg nach Angaben Marinellos rund 400 Kunstwerke - 60 davon fehlen noch immer.

Die Familie Rosenberg hofft auf eine positive Signalwirkung ihres Falles für die Kunstwelt und den Umgang mit Kunstwerken, die von den Nationalsozialisten geraubt wurden. „Ich denke, es muss eine Balance geben zwischen der Bürokratie und den Ansprüchen der rechtmäßigen Besitzer“, sagte Marinello. „Wir haben es hier mit Menschen zu tun, und zwar mit Menschen, von denen einige schon sehr alt sind.“

Laut einer Vereinbarung zwischen Deutschland und dem Kunstmuseum Bern liegt der Teil der Sammlung, der unter Raubkunst-Verdacht steht, in der Verantwortung des Bundes. Gurlitt hatte das Kunstmuseum Bern vor seinem Tod am 6. Mai 2014 als Erben eingesetzt. Ob das Erbe tatsächlich an das Kunstmuseum geht, ist noch nicht endgültig entschieden. Ansprüche hat auch eine Cousine erhoben, die derzeit noch um einen Erbschein streitet.

Cornelius Gurlitt, Sohn von Hildebrand Gurlitt, einem der vier Kunsthändler Adolf Hitlers, stand mit seiner Sammlung monatelang im Zentrum einer Debatte um Nazi-Raubkunst. Neben den beiden Bildern, die nun zurückgegeben wurden, bestätigte die Taskforce bislang noch bei zwei weiteren Werken den Verdacht auf Nazi-Raubkunst: Bei Carl Spitzwegs „Das musizierende Paar“ und bei „La Seine vue du Pont-Neuf, au fond le Louvre“ von Camille Pissarro. Bei Hunderten anderen Bildern dauern die Untersuchungen an.

Von

dpa

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