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12.11.2015

07:50 Uhr

Neu im Kino

Der Flop mit Jobs

VonBritta Weddeling, Astrid Dörner

In den deutschen Kinos startet „Steve Jobs“. In den USA ist der kontrovers diskutierte Film bereits seit Anfang Oktober zu sehen. Doch ein Kassenschlager ist er nicht. Nun hilft nur noch eine Oscar-Nominierung.

Kinostarts der Woche

Schöpfer und Schinder: Film über Apple-Legende Steve Jobs

Kinostarts der Woche: Schöpfer und Schinder: Film über Apple-Legende Steve Jobs

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San Francisco, New YorkDieser Film, so scherzen die Tech-Blogger, könnte der größte Flop in der Geschichte von Apple sein – seit dem unliebsamen Newton zu Beginn der 90er Jahre. Tatsächlich ähnelt die Bruchlandung, die „Steve Jobs” in den US-Kinos derzeit hinlegt, in vielem dem Misserfolg des tragbaren Hand-PCs mit dem Plastik-Stift.

Die rührselige Geschichte, die Regisseur Danny Boyle nach dem Drehbuch von Aaron Sorkin auf die Leinwand zaubert, reduziert das Drama des Apple-Gründers auf die schwierige Beziehung zu seiner Tochter und spielt mit einem der größten Mythen der Tech-Geschichte: Hat Jobs den ersten Rechner nun nach Tochter Lisa benannt oder nicht?

Steve-Jobs-Drehbuchautor Aaron Sorkin: Theater auf der Leinwand

Steve-Jobs-Drehbuchautor Aaron Sorkin

Premium Theater auf der Leinwand

Der Film über den Apple-Gründer Steve Jobs ist ein Drama in drei Akten – eines, das vor allem von den Dialogen zwischen den Charakteren lebt. Das kommt nicht von ungefähr, schaut man auf den Lebenslauf von Aaron Sorkin.

Jahrelang hatte der Designer und Ex-Hippie, der sich manchmal monatelang nur von Äpfeln ernährte, seine Tochter nicht anerkannt. Der Film fokussiert sich auf das ewige Hin und Her zwischen der Nähe, die der Gründer zu seiner Familie suchte und dann wieder auch nicht zulassen konnte.

Das ist dramaturgisch ein guter Kniff, weil er dem Film emotionale Tiefe verleiht. Aber die ganze Geschichte des genialen Erfinders und seinen Kampf gegen die etablierte Computerindustrie von IBM erzählt das natürlich nicht. Wie sich Firmengründer Jobs, der zunächst bei Apple scheiterte und 1985 vom damaligen Apple-Chef John Sculley gefeuert wurde, sich zu Apples Heilsbringer verwandelte? Diese Frage bleibt unbeantwortet.

Steve Jobs - Stationen seines Lebens

Der Visionär

56 Jahre alt ist Steve Jobs geworden, dann starb der Apple-Gründer im Kreise seiner Familie. Ein Überblick über wichtige Stationen im Leben und in der beruflichen Laufbahn des Computer-Visionärs.

Kindheit und Jugend

Stephen Paul Jobs kommt am 24. Februar 1955 zur Welt. Seine leiblichen Eltern geben ihn zur Adoption frei, Paul und Clara Jobs nehmen ihn auf - er ist Automechaniker, sie ist Büroangestellte. 1972 schreibt sich Steve im Reed College in Portland im US-Staat Oregon ein, er bricht das Studium aber nach einem Semester ab. Er experimentiert mit Drogen und beschäftigt sich mit dem Hinduismus. 1974 nimmt er einen Job beim Videospiele-Hersteller Atari an und besucht zusammen mit seinem einige Jahre älteren Schulfreund Steve Wozniak Treffen des Homebrew Computer Clubs.

Von der Garage an die Börse

Kein Scherz: Jobs und sein Kumpel Steve Wozniak gründeten die Firma Apple Computer am 1. April 1976. Der dritte, heute fast vergessene Gründer war Ron Wayne. In einer Garage im Silicon Valley bauten die beiden den Prototypen des Apple I, der im Sommer für einen Preis von 666,66 Dollar auf den Markt kommt. 1977 stellt das Unternehmen den Apple II vor, den ersten Heimcomputer, der Farbgrafiken generieren kann. Er bringt den Durchbruch und einen Jahresumsatz von einer Million Dollar. 1980 geht Apple an die Börse, Jobs wird zum Multimillionär. Zwei Jahre später steigt der Jahresumsatz auf eine Milliarde Dollar. Jobs' Freundin Chrisann Brennan bringt 1978 die gemeinsame Tochter Lisa zur Welt.

Jobs gibt die Kontrolle ab

Mit dem Börsengang geben die Gründer die Mehrheit ab. Ein erfahrener Manager soll an die Unternehmensspitze - Jobs wirbt 1983 für den Posten des Apple-CEO John Sculley von Pepsico ab. Apple entwickelt den Computer Lisa, der aber zum Misserfolg wird und nach zwei Jahren wieder vom Markt verschwindet. Anfang 1984 kommt der erste Mac auf den Markt, den ein Team um Steve Jobs entwickelt hat. Vermarktet wird der Rechner mit einem mittlerweile berühmten Werbespot von Regisseur Ridley Scott. Ein Jahr später kommt es zum Zerwürfnis zwischen Jobs und Sculley, das zu Jobs' Rücktritt führt. Auch Wozniak verlässt das Unternehmen.

Jobs ohne Apple: Next und Pixar

Im Herbst 1985 verlässt Jobs mit einigen Vertrauten Apple und gründet Next. Das Unternehmen entwickelt hochwertige, teure Computer, die sich schlecht verkauften. 1993 stellt Next die Hardware-Produktion ein und konzentriert sich auf Software. Mehr Erfolg hat Jobs mit dem Trickfilmstudio Pixar, das er für zehn Millionen Dollar kauft. Die Firma bringt 1995 „Toy Story“ in die Kinos, den erste vollständig computeranimierten Film. Bald danach geht die Firma an die Börse. 2006 verkauft wird Pixar für 7,4 Milliarden Dollar an Disney verkauft. Jobs wird größter Einzelaktionär des Unterhaltungsriesen. 1991 heiratet er Laurene Powell, mit der er drei Kinder bekommt.

Apple ohne Jobs: Krisenzeiten

Apple und IBM gehen 1991 eine Kooperation zur Entwicklung neuer Microprozessoren und Software ein. Apple stellt das PowerBook vor, das einigen Erfolg hat. 1993 stellt das Unternehmen den Newton vor, einen tragbaren Computer. 1995 kommen die ersten Mac-Klone anderer Anbieter heraus. Unter dem Druck der Windows-Konkurrenz rutscht Apple in die roten Zahlen, schließlich wird CEO Sculley im Februar 1996 vom bisherigen Apple-Präsidenten Michael Spindler abgelöst.

Die Rettung von Apple

Apple braucht 1996 dringend ein neues Betriebssystem und kauft Jobs' Unternehmen Next für 430 Millionen Dollar. Ein Jahr später kehrt Steve Jobs zu Apple als Berater und bald als De-Facto-Chef zurück - er nennt sich iCEO: Interimschef. Jobs krempelt das Management des fast insolventen Unternehmens um und räumt die Produktpalette auf, die Mac-Klone werden eingestellt. 1998 kehrt Apple in die Gewinnzone zurück und stellt den iMac vor. Im Jahr 2000 wird Jobs wieder CEO.

iPod, iPhone, iPad

In wenigen Jahren krempelt Apple mehrere Branchen um. 2001 kommt der iPod heraus, zwei Jahre später geht die Musik-Plattform iTunes wird mit 200.000 Songs für jeweils 99 Cent online. In der ersten Woche werden eine Million Songs verkauft. 2007 folgt das iPhone, das den Handymarkt revolutioniert. Menschenmassen warten in der Nacht vor dem Verkaufsstart vor den Geschäften, um eines der ersten Telefone zu erwerben. 2010 kommt das iPad heraus - es wird zu einem Renner: 15 Millionen Exemplare gehen in nur neun Monaten über den Ladentisch. Mit dem iPad wird die neue Kategorie der Tablet-Computer begründet.

Zweifel an Jobs' Gesundheit

Im Herbst 2003 erfährt Jobs, dass er Bauchspeicheldrüsenkrebs hat. Mehrere Monate versucht er, die Erkrankung ohne die Methoden der Schulmedizin zu bekämpfen. Erst 2004 unterzieht er sich einer Operation. Die Sorge um Jobs' Gesundheit bleibt und bewegt sogar den Aktienkurs von Apple. 2009 erklärt der CEO seinen deutlich sichtbaren Gewichtsverlust mit einem behandelbaren hormonellen Ungleichgewicht und bekräftigt, Apple weiterhin zu führen. Im selben Jahr unterzieht er sich einer Lebertransplantation.

Abschied in Raten

Im Januar 2011 kündigt Jobs einen befristeten Ausstieg aus dem Tagesgeschäft aus gesundheitlichen Gründen an, hält aber an seinem Amt als CEO fest und stellt fest, dass er an strategischen Entscheidungen weiterhin beteiligt ist. Im August veröffentlicht Apple eine Erklärung, nach der Jobs als CEO zurücktritt und in den Aufsichtsrat des Unternehmens wechselt. Am 5. Oktober 2011 stirbt der Apple-Gründer.

Sehr wohl jedoch unterstreicht der Film die Bedeutung von Steve Wozniak, Apple-Mitgründer und einer der engsten Weggefährten von Jobs. In mehreren Szenen zeigt Regisseur Boyle die heftigen Auseinandersetzungen der zwei so ungleichen Partner und macht den stillen Wozniak, der Apple so maßgeblich mitgeprägt hat, zum Hauptprotagonisten im Drama Jobs. Kein Wunder, dass dieser den Film positiv bewertet: „Die Film-Crew hat einen preisverdächtigen Job gemacht.”

Der Film spaltet die Gemüter: Wochenlang wurde in Amerikas Technologieszene über „Steve Jobs“ diskutiert. Der heutige Apple-Chef Tim Cook warf den Machern noch vor dem Start vor, der Film sei „opportunistisch“ und „unfair“. Cook hatte jahrelang unter Jobs gearbeitet und war seinem Vorgänger geradezu treu ergeben.

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