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02.04.2012

10:18 Uhr

Neue Autobiografie

Das zweite Leben des Bud Spencer

VonThorsten Giersch

Vor rund einem Jahr hat Carlo Pedersoli alias Bud Spencer einen Riesenerfolg mit seiner Autobiografie gefeiert. Heute kommt der zweite Teil in die Buchläden. Ein Gewinn für Fans des 82-Jährigen oder reine Geldmacherei?

Bud Spencer lehnt privat jegliche Form von Gewalt ab, im Kinohit 'Banana Joe' muss er bei Verbrechern im südamerikanischen Dschungel dagegen ordentlich hinlangen. Quelle: picture-alliance

Bud Spencer lehnt privat jegliche Form von Gewalt ab, im Kinohit 'Banana Joe' muss er bei Verbrechern im südamerikanischen Dschungel dagegen ordentlich hinlangen.

DüsseldorfBegeisterte Kinder, gespannte Erwachsene, ja sogar einige Rentner kann Bud Spencer bewegen, zu einer seiner Buchpräsentationen in Düsseldorf zu kommen. Schüchtern gibt der 82-Jährige zu, dass sein Deutsch eingerostet ist: „Ich muss das wieder anpacken.“ Er habe in seiner Kindheit fließend Deutsch gesprochen, jedoch alles wieder vergessen. Eine wichtige Vokabel kennt der Italiener aber noch: „Guten Tag“.

Vor gut einem Jahr hatte Carlo Pedersoli alias Bud Spencer seine Autobiografie veröffentlicht und nicht zuletzt wegen solcher Spektakel großen Erfolg beim Verkauf. Heute kommt der zweite Teil seiner Autobiografie - von der in der ersten übrigens nie die Rede war - in die Buchläden. Dafür ist er reichlich herumgereist. Allein vergangene Woche stellte er das Werk in Berlin, Paderborn, Bochum, Düsseldorf und Kaiserslautern vor.

Was Sie noch nicht über Bud Spencer wussten

Gewicht bei der Geburt

Das Sternzeichen Skorpion gilt typischerweise für physisch starke Menschen, aber bei Carlo war es schon besonders heftig: Er war zwar klein, aber mit sechs Kilogramm alles andere als leicht („Meine arme Mama“).

Deutsch statt Italienisch

Carlos Gouvernannte hieß Rosa Polacek – eine Deutsche. Sie kümmerte sich um den Jungen und seine Schwester Vera, die vier Jahre nach Carlo geboren wurde. Nach ihrer Zeit im Hause der Pedersolis ging Rosa nach Rom und wurde Lehrerin. Carlo wuchs daher mit der deutschen Sprache auf, ohne Italienisch zu können.

Stolz auf Neapel

„Ich sage es voller Stolz: Mein Neapel lebt in meinem Inneren.“ Bud Spencer schreibt, wie gern er sein Leben lang nach Neapel zurückkehrte und wie speziell die Stadt für ihn ist. Auch wenn sie die heitere Stimmung voller Eleganz, die sie vor dem Krieg auszeichnete, inzwischen ein gutes Stückweit verloren hat.

Begabt für Scherereien

Der kleine Carlo machte seinen Eltern mit größer Unbekümmertheit größten Ärger: „Für Scherereien war ich einfach begabt, sie gelangen mit ganz wie von selbst.“

Das Schwimmen entdecken

Es geschah im Urlaub in Seiano, als der kleine Carlo ins Meer fiel. Er paddelte wie wild, um sich über Wasser zu halten. Der „fabelhafte Seemann“ Nimuccio Savarese rettete ihn. Er schipperte Touristen durch die Gegend und nahm von da an Carlo mit, um ihm das Schwimmen beizubringen. Daraus sollte noch viel entstehen ...

Schrecken des Krieges

Lange Zeit war der kleine Carlo von den Schrecken des Krieges verschont geblieben. Obwohl die Familie ihr Vermögen weitgehend verlor, erlitt er nie Hunger. Selbst die Nächte in Bunkern erlebte Carlo nie als dramatisch, auch weil er den Ernst der Situation noch nicht begriff. Allerdings erinnerte er sich, wie seine Eltern ihre Eheringe dem Vaterland spendeten.

Das Bombardement

Am 19. Juli 1943 nahm sich Carlo am römischen Bahnhof San Lorzeno ein Taxi, weil er nicht auf den Anschluss warten wollte. Kurz darauf machten US-Bomber den Stadtteil dem Erdboden gleich – 3000 Menschen starben. Es war reines Glück, dass Carlo überlebte. Aber er schiebt das nicht auf göttliche Vorhersehung: „Das würde ja bedeuten, dass dieser Jemand all jene nicht gernhatte, die umkamen.“

Leben in Rom

Die Pedersolis waren nach Rom geflohen und lebten im Haus des Onkels. Die Familie konnte nur einen Teil des Ersparten retten. Zudem arbeitete die Mutter als Schneiderin.

Begegnung mit der SS

In Rom hatte Carlo regelmäßig Kontakt mit SS-Männern, die sich über sein „Makkaroni-Deutsch“ lustig machten. Als er mal beim Klauen erwisch wurde, zeigten die Soldaten aber auch Mitleid, weswegen sein Verhältnis zu Deutschen nie ganz schlecht war. Wenn möglich blieb er zu Hause, um von der „hässlichen Seite der deutschen Besatzung“ möglichst wenig mitzubekommen.

Der jüngste Student Italiens

Carlo ging auf das staatliche Gymnasium Mariani und übersprang gleich zwei Klassen. Später wurde er der jüngste Italiener, der sich an einer Universität einschrieb, und zwar an der Chemie-Fakultät mit 16 Jahren. „Ich war sicher kein Genie, aber ich hatte ein ausgezeichnetes Gedächtnis.“ Allerdings musste Carlo 1947 sein Studium abbrechen, um mit den Eltern nach Südamerika zu gehen. Es war kein Geld mehr da.

Sportlich

Abgesehen von den großen Erfolgen als Schwimmer spielten auch andere Sportarten für Carlo eine große Rolle: Mit 14 wurde er Teammitglied in der Rugby-Mannschaft und holte mit dieser die Meisterschaft.

Der erste Job

In der neuen Welt gründete Carlos Vater mit einem Freund eine Firma, die Ölkanister herstellte. Carlo arbeitete derweil als Träger von Mehlsäcken am Hafen. „Für mich war es eine tolle Erfahrung, zum ersten Mal selbst verdientes Geld in der Tasche zu haben.“

Das erste Auto

Natürlich hatte Carlo noch lange kein eigenes Auto. Aber immerhin dürfte er den Hudson eines befreundeten Konsuls fahren. Man konnte den etwa tausend Kilometer langen Strand von Recife nach Bahia mit dem Auto am Strand zurücklegen, weil der Sand bei Ebbe hart genug war. Ein großes Vergnügen.

Neuer Job dank Chemiekenntnissen

Das im Studium erworbene Wissen nutzte Carlo: Er fand einen neune Job bei Dupont, heute einem der größten Chemiefirmen der Welt. Damals in Brasilien stellte Dupont Lackleder für Bezüge aus Krokodilhaut her. Carlo wurde bald „Der Chemiker“ genannt und arbeite sich hoch.

Zwei Himmelhunde

Die Erfahrungen in Brasilien blieben Carlo in bester Erinnerung: „Wäre ich Peter Pan, dann wäre Brasilien mein Nimmerland.“ 25 Jahre später sollten die Erfahrungen in den Film „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“ einfließen.

Nun lautet die spannende Frage: Warum sollte man auch dieses Buch lesen? Oder ist es nur etwas für hartgesottene Fans? Zugegeben, Carlo Pedersoli ist ein äußerst interessanter Mensch mit einer spannenden Lebensgeschichte. Die erste Autobiografie war über weite Strecken ein Lesegenuss - nicht nur für Bud-Spencer-Enthusiasten.

Aber was soll nun der zweite Tel, wenn der erste doch eigentlich die Geschichte von Geburt bis heute erzählt hat? Nun, offensichtlich liebt Spencer das Spiel mit den Lesern, das Feedback, das Signieren von Büchern (10.000 sollen es bisher gewesen sein) und natürlich auch das Geldverdienen.

Sofort erfolgreich

Seine Physis erlaubte es Carlo, direkt nach dem Restart als Schwimmer Erfolge zu feiern: Er wurde umgehend italienischer Meister im Freistil, blieb sieben Jahre lang italienischer Rekordhalter und nahm 1952 und 1956 an den Olympischen Spielen teil.

Elende Raucherei

Über die 50 Meter Freistil erreichte Carlo die Zeiten der Weltmeister. Über die 100 Meter hatte er jedoch seine Schwierigkeiten. Weil er wenig trainierte und rauchte: „Wenn ich das Laster der Zigaretten nicht gehabt hätte, wäre ich vielleicht sogar unter die drei Besten der Welt gekommen.“

Der Wasserballer

Quasi nebenbei ließ sich Carlo auch noch als Mittelstürmer in der Wasserball-Nationalmannschaft verpflichten, die amtierender Weltmeister war. „Gar nicht so übel für jemanden, der einfach nur ins Wasser sprang und schwamm, wie es ihm passte“, schreibt er heute.

Nie mit blindem Eifer

Auch wenn sportlich mehr möglich gewesen wäre als Carlo ohnehin erreichte hat, er würde es wieder genauso machen: „Ich habe nie mit blindem Eifer für meine sportlichen Erfolge gekämpft, was die anderen eifrigen Leistungsschwimmer, die sich mit speziellen Diäten quälten, auf Sex verzichteten und sich im Training völlig verausgabten, noch zusätzlich brüskierte.

Die Groupies

„Ich wurde von den Fans bejubelt und von den weiblichen Fans bezirzt“, sagt Bud Spencer heute und fügt an: „Ich gab mir Mühe, nicht eine Einzige von ihnen auszulassen.“ Er habe aber Respekt vor den Damen  empfunden, auch wenn er damals „unreif“ gewesen sei.

„Es gibt keine hässlichen Frauen“

Carlo lernte viele Frauen kennen und die Beziehungen basierten, wie er selbst heute sagt, auf Ausnutzung. Wenn er betrogen wurde, war das eine gute Gelegenheit, um selbst fremdzugehen. Hässliche Frauen gäbe es nicht, ihr Aussehen muss nur zur Epoche passen. Erst als Carlo die jüngere Maria Amato kennenlernt, reifte er. Die beiden heirateten später.

Die politische Wirklichkeit

Carlo war in diesen Jahren ein „gleichgültiger und unpolitischer“ Egoist, der Niederlagen praktisch nicht kannte. Aber ab und an mal schaute er hinter die Fassaden dieser Welt. Während der Wasserball-Weltmeisterschaft 1951 in Russland erkannte er, dass in dem Land wegen des Kommunismus „etwas nicht stimmte“.

Begegnung mit Fidel Castro

Eine weitere politische Erfahrung war die Begegnung mit Fidel Castro 1957. Viele Jahre später erfuhr Bud Spencer, dass Fidel alle seine Filme gesehen habe. Schließlich hätten die Kapitalisten immer eins auf die Mütze bekommen. Allerdings hat Bud Spencer stets auf die vielen Einladungen das Maximo Líder nach Havanna mit Ablehnung reagiert.

Wer schwimmt, hat Hunger

Während der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Rom hat der Trainer in einem Restaurant einen Pauschalpreis ausgehandelt, für den Mannschaft bei ihm essen konnte. Der Wirt veranschlagte 750 Lire pro Person. Doch der Trainer bekam da ein schlechtes Gewissen und meinte, 3000 Lire seien angemessener. Er wusste, was Carlo und die anderen verputzten. Als der Restaurantchef die Truppe dann essen sah, widerrief er sein Angebot und verlangte 5000 Lire.

Jura-Studium

Nebenbei hatte sich Carlo wieder an der Universität Rom eingeschrieben – diesmal jedoch nicht für Chemie, sondern für Jura. Trotz der Unterbrechungen durch den Sport schloss er einige Übungen mit sehr guten Noten ab. Zum Abschluss reichte es aber nicht.

Nebenjob als Autoverkäufer

Rom war für Carlo aber auch ein wichtiger Wirtschaftsstandort, in dem man leicht Geld verdienen konnte. Und da war er sehr erfinderisch: Carlo kaufte amerikanische Automodelle von den Botschaftern, die sie alle sechs Monate abgaben, zu einem guten Preis und verkaufte sie weiter. Seine Erfolge als Schwimmer hatten Carlo die Türen zu den Salons der Wohlhabenden geöffnet, wo es ausreichend Käufer gab.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

02.04.2012, 12:00 Uhr

Biographien von prägenden menschen wie Bud Spencer und Co, sind tausendmal wertvoller, als von so nichtsnutzen Gestalten wie Wulff, Westerwelle und Co..!

BudhautSiealleWeg

02.04.2012, 15:27 Uhr

yes. ich hab mir sein letztes sogar signieren lassen, auch wenn er nur einen buchstaben reingeschrieben hat:-/

ChrisW

02.04.2012, 21:51 Uhr

also eigentlich ist es wie die autobiographie von bruce lee zu lesen, die es nicht gibt... wäre sicher ein spannendes duell geworden... allerdings ist es doch eine liebevolle rechte von spencer gewesen und keine brutale gewalt... SCHÖN!

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