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27.05.2012

10:14 Uhr

Neue Leitung

Art Basel pusht die Kunstmesse in Hongkong

VonBarbara Kutscher

Die Übernahme der Kunstmesse in Hongkong durch die Art Basel lockt mehr internationale Galerien an. Der Einfluss aus der Schweiz macht sich jetzt schon bemerkbar. Doch es gibt weitere harte Nüsse zu knacken.

„Modern Boy“ des südkoreanischen Künstlers Kang-Hoon Kang  auf der „Hong Kong International Art Fair“. dapd

„Modern Boy“ des südkoreanischen Künstlers Kang-Hoon Kang auf der „Hong Kong International Art Fair“.

HongkongHongkong bietet ideale Bedingungen für eine Kunstmesse. Der asiatisch-pazifische Knotenpunkt lockt mit leichtem Zugang zu etwa drei Millionen Millionären Asiens und etwa 60 Milliardären in China. Zudem entfallen in der Sonderwirtschaftszone Import- und Exportsteuer. Seit fünf Jahren agiert die "Hong Kong International Art Fair" als wichtiger Katalysator für die wachsende Kunstszene. Aber auf der am 20. Mai zu Ende gegangenen Messe spürten internationale Großgalerien sehr wohl auch, dass man Zeit braucht, diesen vielversprechenden Markt anzuzapfen.

Angelockt von der Übernahme eines Mehrheitsanteils durch die Schweizer Messegesellschaft, die auch die Art Basel betreibt, erprobten sich mehr internationale Galerien als je zuvor auf dem noch ungewohnten Parkett. Auf der fünften Art Hong Kong, die ab dem nächsten Jahr als "Art Basel Hong Kong" firmieren wird, boten 266 Galerien aus 38 Ländern von ganz jungen Künstlern bis hinauf zu sicher etablierten Größen des Kunstmarkts alles.

Weiter wachsen wird man jedoch erst einmal nicht, kündigte Messedirektor Magnus Renfrew an. Auch am 50:50- Verhältnis von asiatischen Händlern zu Anbietern aus dem Rest der Welt soll festgehalten werden. Offiziell wird das Team der Art Basel erst im nächsten Jahr die Messe übernehmen, seine versierte Erfahrung machte sich aber schon mit dieser Ausgabe bemerkbar. Der nicht unproblematischen Situation von zwei Messehallen auf zwei Etagen begegnete man mit einer neuen Lösung. Im letzten Jahr monopolisierte auf der zweiten Etage eine Konzentration asiatischer Galerien die Aufmerksamkeit östlicher Käufer, während die westlichen Kollegen im Erdgeschoss in Halle eins Däumchen drehten. Beide Hallen wurden nun gut durchmischt. Aber es gibt weitere harte Nüsse zu knacken: Führende Händler, die in der oberen Etage angesiedelt waren, beklagten die langen Wege für ihre Kunden, denn sämtliche VIP-Lounges lagen dummerweise im unteren Geschoss.

Galerien, die wie gewohnt Andy Warhol, Gerhard Richter und Pablo Picasso aufhängten, hatten es in Hongkong nicht leicht. "Von wenigen Ausnahmen abgesehen, kaufen Chinesen Chinesisches", wiederholte ein New Yorker Händler eine Binsenweisheit. Andere sehen das nicht so: "Den typischen chinesischen Sammler gibt es nicht", konterte Nicole Hackert von Contemporary Fine Arts (Berlin) und verkaufte zum Beweis eines der wilden Werke des Immendorff-Schülers Marcel Eichner an ein chinesisches Museum.

Aber asiatische Stars gingen doch am schnellsten weg. Die große Lin & Lin Gallery (Taipei, Beijing) hielt mit dem 47-jährigen Liu Wei, der in den 90ern "zynischen Realismus" praktizierte, einen Trumpf mit Warteliste bereit. In den letzten Jahren wandte sich Liu pastelligen, impressionistischen Landschaften zu. Alle wurden verkauft, manche schon vor Messebeginn nach China, Taiwan und auch Europa. Lius größtes Format, das mannshohe "Shan Shui" (2011), kostete 680 000 Dollar.

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