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24.11.2011

07:32 Uhr

Neue Sachlichkeit

Beobachtungen in der Hyperinflation

Präzise und nüchtern registrieren die Künstler krasse gesellschaftliche Zustände nach dem Ersten Weltkrieg. Dresden gehörte zu den Hochburgen des Stils, der als „Neue Sachlichkeit“ in die Kunstgeschichte einging.

Erich Ockert: "Mädchenbildnis", 1927. (Ausschnitt) Erich Ocker - skd-Dresden

Erich Ockert: "Mädchenbildnis", 1927. (Ausschnitt)

DresdenDer Erste Weltkrieg war vorüber, nationales Pathos, Überschwang und Großmachtsträumereien lagen im Staub. Der Alltag in der Nachkriegszeit der Weimarer Republik warf viele neue Probleme auf. Nicht zuletzt drängte die Hyperinflation. Die Künstler reagierten, indem sie genau hinschauten. Sie registrierten die krassen sozialen Unterschiede, Armut, Hoffnungslosigkeit, aber auch die rasche Wiederkehr der Hurra-Patrioten und Militaristen. Statt expressionistischer Farborgien dominierte nach 1919 ein nüchterner, beobachtender, mitunter ironischer Stil. 1923 prägte Gustav Friedrich Hartlaub, der damalige Direktor der Mannheimer Kunsthalle, für die junge Kunstströmung den Begriff „Neue Sachlichkeit“.

Blick in die Ausstellung "Neue Sachlichkeit in Dresden". Hans-Joachim Krumnow-skd Dresden

Blick in die Ausstellung "Neue Sachlichkeit in Dresden".

Städte als Epizentren

Es war eine urbane Kunst. Neben Städten wie Hannover, Karlsruhe, München oder Berlin war Dresden eines der Zentren der Neuen Sachlichkeit. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben in den vergangenen Jahren ihren umfangreichen Bestand an Werken aus dieser Zeit wissenschaftlich aufarbeiten lassen und zeigen jetzt im schönen Lipsiusbau an der Brühl’schen Terrasse die große Ausstellung „Neue Sachlichkeit in Dresden“. Zu sehen sind rund 140 Gemälde und 40 Zeichnungen und Grafiken von nahezu 80 Künstlern. Ihren eigenen Bestand haben die Ausstellungsmacher um Leihgaben aus bedeutenden Sammlungen ergänzt.

Die Reichhaltigkeit der Dresdner Szene in der Zeit der Weimarer Republik überrascht. Neben bekannten Vertretern dieser Epoche wie Otto Dix, George Grosz, Conrad Felixmüller, Richard Oelze oder Franz Radziwill sind auch jüngere Maler, die später in der DDR reüssierten, bereits zu dieser Zeit – mal dauerhaft, mal zeitweilig – in Dresden aktiv, darunter Carl Querner, Wilhelm Lachnit oder der später als großer Außenseiter der DDR-Kunst bekannt gewordene Willy Wolff.

Offen für die Gegenwart

Keimzelle dieser rasanten Kunstentwicklung in Dresden war die Dresdner Kunstakademie. Dort erfuhren die Studenten eine gründliche handwerkliche Ausbildung. In vielen Werken der Ausstellung ist zu sehen, wie sehr die Künstler ihr Handwerk beherrschen. Die Spanne der Handschriften reicht von fast altmeisterlicher Malerei mit spitzem Pinsel und satten Farben über eine eher naive Darstellungsweise bis zu leicht abstrahierten Formen, die die Malerei des Konstruktivismus mit Inhalten füllen. Der gemeinsame Zug, der alle Bilder miteinander verbindet, ist die Offenheit der Maler für die Gegenwart.

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