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20.11.2014

19:55 Uhr

Neuer Fälscherskandal

Cranach oder nur im Cranach-Stil?

VonSusanne Schreiber

Das LKA Bayern untersucht einen neuen Fall von Kunstfälschung. Ein Mann aus Niederbayern soll über Jahre Werke gemalt haben, die der Auktionshandel als „Umfeld Lucas Cranach“ vermarktete.

Betörend, aber nicht von Cranach: Die in Stuttgart bei Nagel eingelieferte Schöne wurde nicht versteigert. (Ausschnitt)

Betörend, aber nicht von Cranach: Die in Stuttgart bei Nagel eingelieferte Schöne wurde nicht versteigert. (Ausschnitt)

DüsseldorfMindestens 40 Werke der deutschen Renaissance soll Christian Goller, ein Restaurator und dem Vernehmen nach virtuoser Kirchenmaler aus Niederbayern, in den letzten Jahrzehnten gefälscht haben. Nach einem Tipp des Kunsthistorikers Michael Hofbauer ermitteln jetzt die Staatsanwaltschaft Passau und das Bayerische Landeskriminalamt gemeinsam. Goller soll, so heißt es in einer Pressemitteilung der Bayerischen Polizei, die künstlich gealterten Holztafeln mit der Bezeichnung  „Werkstatt / Umfeld von Lucas Cranach dem Älteren“  über Mittelsmänner in den Kunsthandel gebracht haben. Der bislang ermittelte Schaden beläuft sich nach Polizeiangaben auf insgesamt 500.000 Euro.

Stilistische Annäherungen

Auffällig ist, dass diese jüngeren, nicht-authentischen Werke keine Fälschungen von echten Tafeln aus der Cranach-Werkstatt sind. Sie sind vielmehr freie Annäherungen an Themen, die die Cranach-Werkstatt im 16. Jahrhundert mit großem Erfolg oftmals produziert hatte: Bildnisse, aber auch eine „Justitia“, die an Cranachs berühmte Venus-Darstellungen erinnert, oder eine „Judith“ mit dem Haupt des Holofernes. 

Mit dabei eine kecke Schöne, die den Betrachter über die Schulter anlächelt. 2010 war das Bildnis im Auktionshaus Nagel eingeliefert worden. Sie wurde aber auf Initiative des Cranach-Forschers Dieter Koepplin nicht versteigert, wie Hofbauer dem Handelsblatt erzählt.

Folge der aktuellen Debatte um einen neuen Fälscherskandal in Deutschland ist, dass Christie’s ein „Porträt von Karl V.“ aus dem „Umkreis Lucas Cranach d.J.“ zurückgezogen hat. Es sollte am 25. November 2014 in Amsterdam unter den Hammer kommen. Der Schätzpreis lag bei 35.000 Euro. „Christie’s möchte damit weiteren Forschungen zur Authentizität Raum geben“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung.

Die Rangfolge

Authentische Gemälde mit abgesicherter Herkunftsgeschichte von Lucas Cranach d.Ä. notieren in internationalen Auktionen mit mehreren Millionen Dollar. Werke aus der arbeitsteilig organisierten Cranach-Werkstatt, in denen die Meister selbst in keiner einzigen Partie, etwa bei den schwierigen Hauttönen, selbst Hand anlegten, sind günstiger zu erwerben. Stammt eine Tafel gar nur aus dem Umfeld der Cranach-Werkstatt, dann ist sie nochmals weniger wert.

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