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16.02.2011

15:38 Uhr

Neuer Roman von Murakami

Wenn die Welt zwei Monde hat

VonThorsten Giersch

Wenn es japanische Romane in die deutschen Bestsellerlisten schaffen, stammen sie meistens von Haruki Murakami - dem weltweit erfolgreichsten Autoren des Landes. Auch seinem neuen Buch kann man sich nicht entziehen.

Der Mond spielt in Murakamis Roman eine große Rolle. Quelle: dpa

Der Mond spielt in Murakamis Roman eine große Rolle.

DüsseldorfGrößer können Gegensätze kaum sein: Eine Geschichte, die im Jahr 1984 spielt, deren bleibender Eindruck aber die Einsamkeit von jungen Großstadtmenschen der heutigen Tage eindrucksvoll widerspiegelt. Ein Roman voller Sexszenen und Samenergüsse, in dem die Liebe aber mit Füßen getreten wird. Geschrieben hat "1Q84" Haruki Murakami. Kein anderer Autor Japans hatte weltweit mehr Erfolg als er.

An diesem Buch ist vieles auf eine wundervolle Art und Weise ungewöhnlich. Am meisten überzeugt die Zweiteilung. Die Geschichte wird über ihre gesamte Strecke abwechselnd aus zwei Perspektiven erzählt, die männliche und die weibliche Sicht größter Einsamkeit. "1Q84" hat zwei Helden: Tengo, den 30-jährigen Aushilfslehrer und Romanautor sowie Aomame, eine 29-jährige Supersportlerin mit einem düsteren Geheimnis: Die Schönheit bringt in ihrer Freizeit Männer um, die Kinder bzw. Frauen vergewaltigen. Eine Kämpferin für das Gute ungeachtet des Verbots von Selbstjustiz.

Ja, mit der Moral ist es wie so oft in Murakamis Romanen so eine Sache. Beide Helden haben - wie auch die übrigen Hauptpersonen - eine feste Moral, die mit dem Kantschen Imperativ aber auch so gar nichts zu tun hat. Und genauso wenig mit den klassischen bürgerlichen Vorstellungen. Tengo schläft einmal pro Woche mit einer verheirateten Frau, der ihr Mann trotz einer an sich glücklichen Ehe sexuell nicht mehr alles bieten kann. Bedenken? Zweifel? Fragen? Fehlanzeige.

Aomame steht im Auftrag einer alten, vermögenden Dame. Beide haben schlimmste Erfahrungen gemacht mit gewalttätigen Männern. Aomame hat eine besondere Fertigkeit erlernt: Das Morden ohne den geringsten Beweis zu hinterlassen. Ein netter Nebenerwerb. Ihr Gewissen ist nach der Tat stets ruhiger als vorher.

Natürlich besteht zwischen Tengo und Aomame eine Verbindung - und die ist viel wärmer und romantischer, als man es den beiden eiskalten, einsamen Menschen zutraut. Der Leser braucht aber spannende 1000 Seiten um zu ergründen, wie die wirklich aussieht und welche Zukunftschancen sie hat. Zunächst leben die beiden Helden für sich allein aber recht zufrieden vor sich hin, bis ihrer beiden Welten massiv erschüttert werden.

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