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06.12.2015

11:43 Uhr

Neuer „Tatort“ aus München

„Einmal wirklich sterben“

In ihrem letzten Fall ging es auf das Oktoberfest – diesmal geht es bei Batic und Leitmayr im neuen Münchner „Tatort“ weniger feuchtfröhlich zu. Gleich zwei blutige Familiendramen beschäftigen die Ermittler.

Seit 1991 spielen die Schauspieler Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec die Münchner „Tatort“-Ermittler Franz Leitmayr und Ivo Batic. dpa

„Tatort“-Team München

Seit 1991 spielen die Schauspieler Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec die Münchner „Tatort“-Ermittler Franz Leitmayr und Ivo Batic.

MünchenNach ihrem kriminalistischen Ausflug auf die Wiesn ermitteln die Münchner „Tatort“-Kommissare in ihrem neuen Fall in einem weniger feuchtfröhlichen Revier. In der Episode „Einmal wirklich sterben“ am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten bekommen Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) es mit gleich zwei blutigen Familiendramen zu tun.

Beim alljährlichen Besuch bei der Mutter eines verstorbenen Kollegen, die trotz Ermahnungen mit Leidenschaft den Polizeifunk abhört, erfahren die Kommissare von der schrecklichen Tat: Eine Mutter liegt erschossen in ihrem Haus, ihr neuer Freund Daniel Ruppert ist lebensgefährlich verletzt, ihr getrennt lebender Ehemann und das gemeinsame Kind sind verschwunden.

Nur blutige Spuren von Kinderfüßen weisen darauf hin, dass der kleine Quirin Mutter und Ziehvater in ihrem eigenen Blut hat liegen sehen. Als der Junge völlig verstört vor einer Klinik wieder auftaucht, kann er nicht erzählen, was geschehen ist. Er spricht nicht. „Dissoziative Amnesie“, sagt eine Kinderpsychologin.

Saison 2015/16: Was beim „Tatort“ passiert

Sommerpause vorbei

Beim ARD-„Tatort“ geht es mit neuen Fällen wieder los. Worauf sich die Zuschauer in den kommenden Monaten einstellen können – etwa Helene Fischer, Heike Makatsch, Til Schweiger.
Quelle: dpa

Neuerungen

Anfang September ist der Schweizer Fall „Ihr werdet gerichtet“ zu sehen – mit Antoine Monot Jr. als schießwütiger Rächer der Gerechten. Auch sonst hält das „Tatort“-Jahr 2015/16 einiges bereit – etwa Helene Fischer, Heike Makatsch und eine „Tatort“-Preview in Dutzenden Kinos elf Tage vor der eigentlichen Fernsehausstrahlung sowie ganz viel Til Schweiger.

Was macht Helene Fischer…?

Laut Sonntagskrimi-Experte François Werner von „Tatort-Fundus.de“ ist Schlagerstar Helene Fischer mit dem Hit „Atemlos“ zum Beispiel im Frankfurter Krimi „Hinter dem Spiegel“ zu hören, dem zweiten mit Margarita Broich und Wolfram Koch (13. September); außerdem auch im Münchner Oktoberfest-Krimi „Die letzte Wiesn“ (20. September).

…bei Til Schweiger?

Zu sehen ist sie dann außerdem bei einem Gastauftritt als Darstellerin in der Doppelfolge mit Til Schweiger, die an zwei Sonntagen hintereinander (wohl 22. und 29. November) zu sehen sein soll: Die Titel der Krimis lauten „Schwarzer Ritter“ und „Fegefeuer“. Am 29. November wird der „Tatort“ als Reihe übrigens auf den Tag genau 45 Jahre alt. Am 29.11.1970 kam damals „Taxi nach Leipzig“.

Wann kommen die Münsteraner?

Wohl wieder die höchste Zuschauerzahl von allen „Tatorten“ hat in den kommenden Monaten das Münster-Duo Axel Prahl und Jan Josef Liefers als Kommissar Frank Thiel und Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne. Voraussichtlicher Sendetermin ihres nächsten Falls rund um eine Psychiatrie („Schwanensee“): der 8. November.

Wird der „Tatort“ …?

Zweimal wandert das Fernsehformat „Tatort“ in den kommenden Monaten ins Kino. Laut NDR können Fans den Krimi „Verbrannt“ mit Wotan Wilke Möhring und Petra Schmidt-Schaller vor der für 11. Oktober geplanten Fernsehausstrahlung bereits am 30. September auf großer Leinwand in bundesweit etwa 160 Kinos ansehen.

… ein Kino-Ereignis?

Anfang 2016 kommt dann der Kino-„Tatort“ mit Til Schweiger („Tschiller außer Dienst“ (englischer Titel: Nick Off Duty)) – Kinostart ist womöglich bereits am 1. Januar. Im Fernsehen soll er erst 2018 ausgestrahlt werden.

Was steht an …?

An Neujahr kommt wahrscheinlich der Kieler „Tatort“ mit dem Comeback des Psychopathen Kai Korthals (Lars Eidinger), der bereits 2012 Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) im Film „Borowski und der stille Gast“ zu schaffen machte.

… im Jahr 2016?

Außerdem soll der zweite Franken-„Tatort“ mit Dagmar Manzel und Fabian Hinrichs laufen sowie der dritte Weimar-„Tatort“ mit Christian Ulmen und Nora Tschirner. Außerdem wird wohl ein Militär-„Tatort“ mit dem Titel „Heimatfront“ mit Maria Furtwängler ins Programm genommen.

Wer verabschiedet sich?

Im Laufe des Jahres 2016 wird das Bodensee-Team nach 14 Jahren abgeschafft. Noch drei Krimis mit Hauptdarstellerin Eva Mattes sind bis dahin zu sehen, der erste davon wohl am 13. Dezember („Côte d’Azur“). Wann der letzte Konstanz-„Tatort“ läuft, ist noch unklar.

Starten diese Saison neue Teams?

Das neue, junge, sehr weibliche „Tatort“-Team vom MDR – in Dresden statt Leipzig – soll im ersten Halbjahr 2016 TV-Premiere haben: die Schauspielerinnen Karin Hanczewski, Alwara Höfels und Jella Haase. Den Kommissariatschef spielt Martin Brambach.

Und die Eintagsfliege?

Zunächst einmalig und wahrscheinlich zu Ostern läuft wohl der kürzlich vom SWR angekündigte Event-„Tatort“ aus Freiburg mit Heike Makatsch. Ihre Ermittlerfigur kehrt als „verlorene Tochter“ in ihre badische Heimatstadt zurück.

Welcher „Tatort“ wird der außergewöhnlichste?

Das Potenzial für besonders viel Aufsehen hat „Wer bin ich?“ mit Ulrich Tukur als Felix Murot (voraussichtlich 27. Dezember). Der Film wird ein „Tatort“ im „Tatort“ – sehr selbstbezüglich und amüsant.

Wer kehrt zurück?

Bei „Tatort“-Dreharbeiten kommt es zu einem Mord – und auch „Tatort“-Star Tukur gerät unter Verdacht. In dem an Fellinis „Achteinhalb“ von 1963 angelehnten hessischen Krimi gibt es auch ein Wiedersehen mit Martin Wuttke, dessen Leipziger „Tatort“ im April endete.

Natürlich fällt der Verdacht sofort auf den Ex, der ohnehin den perfekten Tatverdächtigen abgibt, weil er schon mal den Grill der Nachbarn auspinkelte und eine Taube erschoss, die sich auf seinem Auto erleichtert hatte.

Doch als sich im Krankenhaus herausstellt, dass der angeschossene Ruppert nicht nur die frische, sondern auch eine Jahre alte Schussverletzung hat, führen die Spuren zu einem weiteren Familiendrama. Der Mann saß nämlich viele Jahre im Knast, weil er seine damalige Frau und den gemeinsamen Sohn erschossen hatte, um ihnen die finanziellen Schwierigkeiten, in die er geraten war, zu ersparen. Das, was heute gemeinhin „erweiterter Suizid“ genannt wird, scheiterte aber in letzter Konsequenz und Ruppert landete nicht im Jenseits, sondern im Gefängnis.

Die Ermittler erfahren, dass auch seine kleine Tochter Ella das Familiendrama überlebte, weil er es nicht übers Herz brachte, sie ebenfalls um die Ecke zu bringen. „Lauf, Schneeflöckchen, lauf.“ Das kann doch kein Zufall sein. Als Batic und Leitmayr erfahren, dass Ella heute Emma heißt, Anfang 20 ist und als Tierpflegerin im Tierpark Hellabrunn arbeitet, erhöht sich die Zahl der Verdächtigen.

Auch wenn die Kommissare sich alle Mühe geben, den Fall aufzuklären, sind es Rückblenden, die letztendlich erzählen, was sich in der Nacht wirklich zugetragen hat, was Emma (Anna Drexler) mit dem Tod der neuen Frau an der Seite ihres Vaters zu tun hat und welche Rolle ihre geheimnisvolle Freundin Lissy (Andrea Wenzl) spielt.

„Mit Rückblenden zu arbeiten, ist doch was für Feiglinge“, sagt der Autor der spektakulären Fortsetzung des Kieler „Tatort“ „Borowski und der stille Gast“, Sascha Arango, der „Bild am Sonntag“ über seine Geschichte. Und so gibt es nach der spektakulären Folge aus Kiel am vergangenen Wochenende bei Leitmayr und Batic, einem der dienstältesten Ermittler-Duos in der Geschichte des ARD-Krimis, mal wieder ganz konventionelle Fernsehkost: ein absoluter Durchschnitts-„Tatort“.

Von

dpa

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