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28.10.2011

09:55 Uhr

Neueröffnung des Moskauer Theaters

Neuer Pomp und alter Zarenglanz im Bolschoi

Hier wurde 1877 zum ersten Mal Tschaikowskys „Schwanensee“ aufgeführt: Nach rund sechsjähriger Totalsanierung öffnet das legendäre Moskauer Bolschoi-Theater mit einer Gala seine historische Ballett- und Opernbühne.

Nach sechs Jahren Totalsanierung - doppelt so lange wie geplant - beginnt ganz in Kremlnähe mit der Neueröffnung des Musentempels von 1856 das kulturelle Herz Russlands neu zu schlagen. dpa

Nach sechs Jahren Totalsanierung - doppelt so lange wie geplant - beginnt ganz in Kremlnähe mit der Neueröffnung des Musentempels von 1856 das kulturelle Herz Russlands neu zu schlagen.

MoskauVorhang auf für das weltberühmte Bolschoi-Theater: Mit einer Gala öffnet Russlands Nationaltheater in Moskau am heutigen Freitag nach etwa sechsjähriger Rundumsanierung seine historische Opern- und Ballettbühne. Der ehemals einsturzgefährdete Musentempel ist gerettet und von sowjetischer Symbolik und Bausünden befreit. Opernstars wie Plácido Domingo und Angela Gheorghiu übergeben das im Stil der Zarenzeiten erneuerte Haus von 1856 der Weltöffentlichkeit. Für den historischen Klang haben deutsche Ingenieure gesorgt.

Pomp, Glanz und Festtagslaune in einem der schönsten und größten Theater der Welt lassen auch den Baupfusch, die Korruption und die Machtspiele der vergangenen Jahre vergessen. Wegen der Probleme hatte sich die Neueröffnung immer wieder hinausgezögert. Mit drei Jahren Verspätung schlägt das kulturelle Herz Russlands aber nun wieder am Moskauer Theaterplatz. Die Kosten für die Rettung des Bolschoi liegen nach offiziellen Angaben bei umgerechnet rund einer halben Milliarde Euro. Inoffiziell ist die Rede von einem Milliardenbetrag.

Historische Schlaglichter des Bolschoi-Theaters

1776

Es kommt im Auftrag von Katharina der Großen zur Gründung eines Theaters im Zentrum von Moskau. Das Gebäude des Architekten Joseph Bové zählt zu den Meisterwerken des russischen Klassizismus.

1805

Das anfänglich wegen seiner Lage in Moskau so bezeichnete Petrowka-Theater wird bei einem Brand fast restlos zerstört.

1821-1825

Arbeiter errichten das neue Bolschoi-Theater. Das russische Wort Bolschoi steht für Größe.

1853

Erneut zerstört ein Feuer das Haus in weiten Teilen. Der Wiederaufbau erfolgt unter der Leitung des russisch-italienischen Architekten Alberto Cavos.

1856

Im wieder aufgebauten Bolschoi hebt sich der Vorhang. Es setzen sich immer mehr russische Opern in Moskau gegen das italienische Repertoire durch.

1877

Tschaikowskys Märchenballett „Schwanensee“ hat an dem renommierten Theater Uraufführung. Es hat dort bis heute Kultstatus und gehört zu den begehrtesten Aufführungen überhaupt.

1941

Das Bolschoi wird durch einen Bombeneinschlag abermals schwer beschädigt und muss wieder aufgebaut werden. In der Sowjetzeit wird es von den Kommunisten durch Bausünden und Zensur heruntergewirtschaftet.

1991

Das größte Theater des kommunistischen Machtblocks steuert nach dem Ende der Sowjetunion ins Chaos. Wegen Armut und Hunger gehen viele Künstler in den 1990er Jahren in den Westen.

2005

In dem alten Haus mit den sowjetischen Symbolen Hammer und Sichel schließt sich vorerst das letzte Mal der Vorhang. Der Wiederaufbau beginnt. Gespielt wird auf einer neuen Bühne nebenan.

2011

Das Bolschoi-Theater erstrahlt wieder im Glanz der alten Zarenzeit.

„Sogar die Kulturexperten von der Unesco haben uns Bestnoten für diese einmalige Sanierungsleistung gegeben“, betont Bolschoi-Generaldirektor Anatoli Iksanow bei einer Führung. Die acht kolossalen Säulen und der Musengott Apollon auf einem Pferdegespann künden in Blickweite zum Kreml von dem Großen Theater, wie das Bolschoi in deutscher Übersetzung heißt.

In den vergangenen Jahren war das Ensemble immer wieder auf Welttournee. Das Publikum musste sich mit einem nebenan errichteten neuen Bolschoi-Theater begnügen. Das kleinere Haus wird zwar auch weiter bespielt. Kultaufführungen wie Tschaikowskys Ballett „Schwanensee“, das am Bolschoi 1877 uraufgeführt wurde, ziehen aber wieder auf die historische Bühne zurück.

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