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22.07.2011

00:00 Uhr

Neumeister

Bietgefecht um Schlachtengemälde

VonBettina Beckert

Dass man attraktive Alte Kunst zu vier- und fünfstelligen Preisen bekommt, bewies die Auktion Alte Kunst bei Neumeister. Der Topzuschlag galt einem Schlachtengemälde mit Napoleon. Von Bettina Beckert

Albrecht Adam: "Napoleon vor dem brennenden Smolensk" Quelle: Christian Mitko/ NEUMEISTER

Albrecht Adam: "Napoleon vor dem brennenden Smolensk"

MünchenBietfreudige Sammler im vollbesetzten Saal sorgten in allen Sparten bei der Auktion "Alte Kunst" bei Neumeister in München am 6. Juli für bemerkenswerte Ergebnisse. Der Höchstzuschlag der Auktion galt einem Historiengemälde aus dem Jahr 1836 von Albrecht Adam, das für 145 000 Euro Zuschlag (netto) in eine süddeutsche Sammlung geht (Taxe 80.000 bis 90.000 Euro).

Adam zeigt Napoleon Bonaparte zu Pferd, wie er mit nachdenklichem Blick von einem Hügel auf das brennende russische Smolensk blickt. Der Künstler nahm 1812 als Hofmaler am Russland-Feldzug teil und griff das Thema später wieder auf. Er sah Napoleon zwar nicht vor Smolensk, doch hatte er den Franzosen 1809 vor Regensburg in einer ähnlichen Situation erlebt. Für den begeisterten Schlachtenmaler Adam ein eindrückliches, fast unheimliches Erlebnis, wie er in seiner Autobiografie schildert.

Anhaltend bemühten sich nicht nur russische Sammler um eine Strandansicht von Ahlbeck des russischen Malers Julius von Klever. Erst bei 55.000 Euro fiel der Hammer zugunsten eines ausländischen Bieters (8000 bis 10.000 Euro). Gute Ergebnisse erzielten auch ausgewählte Werke der Münchener Schule. Eduard von Grützners launige Wirtshausszene "Jägerlatein" kam schätzungsgemäß auf 39.000 Euro, Franz von Defreggers Porträt eines jungen Mädchens in Tracht "D'Zilli" brachte mit 13.500 Euro die dreifache Taxe ein. Heinrich Bürkels "Wirtshaus auf der Alm" wechselte zum unteren Schätzpreis von 35.000 Euro den Besitzer. Mit lockerem Pinselstrich erfasste Alexander Koester die Duftigkeit eines Mohnstraußes. Das attraktive Gemälde spielte 38.000 Euro ein (20.000 bis 24.000 Euro).

Beim Kunsthandwerk überraschte ein süddeutsches Memento mori aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Eindringlich, aber mit Charme, erinnert eine Fantasiefigur aus Skelett und junger, blumengeschmückter Frau an die eigene Vergänglichkeit. Das mit 400 bis 500 Euro stark unterschätzte Hinterglasbild war international so begehrt, dass der Zuschlag erst bei 19.000 Euro erfolgte.

Glücklich schätzt sich ein deutscher Sammler, der nun stolzer Besitzer einer von Kändler entworfenen, ungefassten Meissener Porzellanmadonna ist. Seit Jahren war er auf der Suche nach diesem prachtvollen, 71 Zentimeter großen Stück, von dem ihm nur ein weiteres Exemplar in einem Pariser Museum bekannt ist. Nun war er bereit, 17.000 Euro einzusetzen (Schätzpreis 800 bis 900 Euro).

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