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07.06.2011

15:53 Uhr

New Yorks Dachfarmen

Ackerbau im Großstadtdschungel

VonSusanne Manz

In New York gibt es keinen Platz für Gärten - zumindest nicht für konventionelle. Findige Großstädter mit Sehnsucht nach Gartenarbeit haben die grünen Oasen nun schlichtweg auf die Dächer der Metropole verlegt.

Freiwillige Helfer beackern die Beete der New Yorker Dachfarm. Quelle: Eagle Street roof top farm

Freiwillige Helfer beackern die Beete der New Yorker Dachfarm.

New YorkAuf den Straßen von Greenpoint schlendern sie entlang, die Hipster. Sie tragen enge Jeans und dichte Bärte, haben überdimensionierte Kopfhörer dabei und eine Yogamatte im Gepäck. In diesen Straßenzügen legt man großen Wert auf Coolness und doch ist hier Platz ist für etwas ganz Profanes: für Gartenarbeit.

In New York gibt es eine neue Generation von Gemüsebauern, die ungewöhnliche Flächen nutzt. Annie Novak zählt zu diesen Pionieren. Ihre Farm thront in circa 15 Meter Höhe auf einem Dach in der Eagle Street, einer kleinen Seitenstraße in Greenpoint, einem alten Hafenviertel von Brooklyn. Eine Etage tiefer befindet sich eine Filmproduktionsfirma. Wo vorher ein knapp 600 Quadratmeter großes leeres Dach war, sprießen jetzt Salate, Kräuter und Tomaten.

Idyllische Ruhe herrscht hier oben. Der Blick auf die Skyline von Manhattan wirkt wie auf eine Leinwand gemalt. Vom tosenden Großstadtlärm ist nichts mehr zu hören. Man könnte fast meinen, es riecht nach Landluft.

Ungefähr 20 Reihen Beete gibt es. Im Moment ist noch nicht viel zu sehen, denn die Saison hat gerade erst begonnen. "Wir haben hier ungefähr 20 bis 25 Gemüsearten, wir probieren fast alles aus. Im Moment pflanzen wir Paprika an. Und seit Neuestem haben wir auch Bienen, um Honig herzustellen", sagt Farmerin Annie Novak.

Zwei feste Mitarbeiter hat Novak. Wenn sie von "wir" spricht, meint sie ihre fleißigen Helfer aus der Umgebung. Es sind die Hippster aus der Nachbarschaft, die die Gartenarbeit für sich entdeckt haben. Es sind dieselben Gestalten, die abends die Bars und die New Yorker Galerien bevölkern. Jetzt knien sie in Novaks Beeten, wühlen in der Erde und jäten Unkraut.

Mittendrin ein paar Kinder, die mit ihren Eltern eine Ausflug machen. Früher fuhr man hinaus aufs Land, jetzt klettert man auf die Dachfarm nebenan. "Wir geben im Sommer Workshops für die Kinder, damit sie etwas über Botanik lernen. Manchmal machen wir auch einen Pflanzenverkauf, denn immer mehr Leute wollen ihr eigenes Gemüse auf dem Balkon oder im kleinen Garten züchten. Das ist total trendy gerade in New York und ich denke ein gute Entwicklung" sagt Novak.

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