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12.11.2013

13:29 Uhr

Noortman Master Paintings

Ende einer Tradition

VonMatthias Thibaut

Fast 50 Jahre spielte Noortman Master Paintings eine tragende Rolle im globalen Kunstmarkt. Jetzt wickelt Sotheby’s den Altmeisterhändler ab. Alte Meister gehören nicht zu den Wachstumssparten – anders als die zeitgenössische Kunst.  

Robert Noortman 2003 in seinem Katalog "One hundred Master Paintings". Katalog

Robert Noortman 2003 in seinem Katalog "One hundred Master Paintings".

LondonZeichen der Krise im Altmeistermarkt: Noortman Master Paintings, einst die führende europäische Altmeistergalerie, von Sotheby’s 2007 für viel Geld und mit großen Hoffnungen übernommen, tritt sang- und klanglos von der Bühne ab. Sotheby’s kündigte das Ende kurz vor der Bekanntgabe der Quartalsergebnisse an, in denen von wachsenden Umsätzen, aber auch steigenden Kosten der global operierenden Auktionshäuser die Rede war. Begründet wurde der Schritt mit „wachsenden Herausforderungen beim Ankauf und dem erfolgreichen Verkauf von Werken der Kategorie, die traditionell das Herz des Altmeisterhandels waren“. Der Geschmackswandel lässt das Interesse an alter Kunst quantitativ schrumpfen, aber qualitativ anspruchsvoller werden. Bilder werden als lukrative Geldanlage gekauft, nicht mehr aus reiner Freude, um sie an die Wand zu hängen.

„Dies ist das Ende einer illustren Galerie, die fast ein halbes Jahrhundert lang eine Schlüsselrolle im globalen Kunstmarkt spielte“, kommentierte William Noortman, Chef der Sotheby’s-Tochter. Mehr zu seiner eigenen Zukunft und der des Kunsthandelsnamens Noortman wolle er „zum jetzigen Zeitpunkt“ nicht sagen.

Warnzeichen schon im Halbjahresbericht

Schon in Sotheby’s Halbjahresbericht im August konnte man die Warnzeichen lesen: Noortman war von einem Gewinn von einer Million Dollar im Halbjahr in einen Verlust von 1,5 Millionen Dollar gestürzt. Daran konnte im dritten Quartal der Verkauf des „bedeutendsten Werkes im Noortman-Stock“ nichts ändern, von dem Sotheby’s Chef Bill Ruprecht berichtete. Das nicht identifizierte Werk wurde für 18 Millionen Dollar mit einem Reingewinn von 1,6 Millionen Dollar verkauft. An einer weiteren Wertberichtigung am Noortman Altmeristerlager von 4,4 Millionen Dollar änderte das nichts.

Anfänge als Teppichhändler

Die Kunsthandlung Noortman zeigt den Aufstieg und Niedergang des Altmeisterhandels im letzten halben Jahrhundert. Robert Noortman, Sohn eines Polizisten, der die Schule ohne Abschluss verließ, fing bei einem Teppichhändler an, entdeckte sein Auge für Altmeister, gründete 1968 seine eigene Galerie, wurde 1974 Mitbegründer der „Pictura 75“ in Maastricht, aus der die Tefaf hervorging, die bedeutendste Kunstmesse der Welt, deren Aufstieg direkt mit der Bedeutung der Altmeister als Sammelgebiet verbunden war. Es dauerte nicht lange, und Noortman besaß sein eigenes Schloss.

Eine Zeitlang führte er den Handel mit holländischen und flämischen Altmeistern an. Auf dem Höhepunkt besaß er drei Rembrandts gleichzeitig. Im Dezember 2000 hatte er in London das „Portrait einer Lady im Alter von 62 Jahren“ für 20 Millionen Pfund (umgerechnet 27 Millionen Euro) ersteigert; ein paar Wochen später in New York folgte das „Porträt eines Bärtigen in roter Weste“ für 13 Millionen US-Dollar.

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