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26.09.2013

10:39 Uhr

Norbert Schwontkowski

Melancholie im Pigment

VonFrank Kurzhals

Krakelige Figuren in dicken Farbschichten bevölkern die Bilder Norbert Schwontkowskis. Vor wenigen Monaten starb der Künstler im Alter von nur 64 Jahren. So richtig entdeckt wurde er von den Sammlern erst vor knapp zehn Jahren. Vier Ausstellungen in Norddeutschland zeigen, was Museen und Sammler zusammengetragen haben.

Norbert Schwontkowski: "... am Meer", 1996, Öl und Pigment auf Leinwand. (Ausschnitt) Bremer Kunsthalle, Olbricht Collection

Norbert Schwontkowski: "... am Meer", 1996, Öl und Pigment auf Leinwand. (Ausschnitt)

BremenEin viertel Jahr nach dem frühen Tod des Bremer Malers Norbert Schwontkowski (1949-2013) im Juni 2013 ehrt die Stadt ihren Künstler mit einer umfangreichen Werkschau. Vier Institutionen haben sich dafür zusammengetan: die Bremer Kunsthalle, das Museum Weserburg, die Karin und Uwe Hollweg Stiftung und der Kunstverein Bremerhaven. Eine solche, Häuser übergreifende Zusammenarbeit ist in Bremen selten, jedoch nahe liegend, weil alle Beteiligten Arbeiten des Malers in der eigenen Sammlung haben.

Einschließlich der Leihgaben sind knapp 100 Gemälde, Zeichnungen und Graphiken Schwontkowskis zusammengekommen. Sie zeigen augenfällig, wie aufmerksam und kenntnisreich Bremer Sammler und Museen die Werkentwicklung des Künstlers begleitet haben. In Bremerhaven ergänzt der örtliche Kunstverein die Schau mit Werken, die dort lebende Sammler erworben haben. Außerdem sind einige Arbeiten aus dem Nachlass des Künstlers zu sehen. Den Ausstellungstitel „Dass ich ein Maler war …“ lieferte ein Bild aus dem Jahr 1988, das erstmals öffentlich in der Kunsthalle ausgestellt war.

Ausblühende Bilder

Schwontkowski, der nur 64 Jahre alt wurde, war ein Romantiker der figurativen Malerei, ein großer Erzähler selbst im kleinsten Format. Seine Werke sind durchdrungen von Melancholie, aber auch von lakonischem Humor. Er brachte dicke Farbschichten als Bildgrund auf, oft mit Eisenoxyden versetzt, die das Bild im Laufe der Zeit durch Ausblühen noch verändern. Wie ein Brett liegen diese Pigmentschichten auf der Leinwand. Und hineingezeichnet hat er in diese diffusen Gründe seine oftmals krakelig wirkenden Figuren. All das gänzlich unprätentiös. Eine rational klare Räumlichkeit oder eine lastende Schwerkraft gibt es in seinen Arbeiten selten; dafür aber stets eine intelligente Bildidee.

Langes Warten auf den Erfolg

Anfang der 1980er-Jahre, als die Bremer Galeristin Brigitte Seinsoth Schwontkowski entdeckte, konnte er bei ihr gerade mal einige wenige Zeichnungen verkaufen, für insgesamt 2.000 Mark. Der große Erfolg ließ bis 2004 auf sich warten. In dem Jahr richtete ihm die Bremer Kunsthalle eine große Einzelausstellung aus. Sie war der Katalysator. Die internationale Kunstbühne öffnete sich. Sammler, Galeristen und Kuratoren begannen sich für den Maler zu interessieren.

Damit stieg auch der Marktwert für Schwontkowski. Die Hamburger Produzentengalerie hatte sich schon früh seiner angenommen. Ihr blieb der Maler auch verbunden, als die Berliner Contemporary Fine Art Galerie ab 2004 sein Werk exklusiv zu vertreten begann. Seit 2004 hat sich sein Marktwert bereits mehr als verdoppelt, stellt die CFA-Galerie im Rückblick fest. Gideon Modersohn von der Produzentengalerie nennt als aktuelle Preisspanne für seine Arbeiten Summen zwischen 6.000 Euro und 35.000 Euro.

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